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21.01.2010

06:59 Uhr

Goldman Sachs

Die Bank aller Banken macht ungewohnte Fehler

VonRolf Benders, Robert Landgraf, Michael Maisch

Goldman Sachs ist der Maßstab in der Finanzindustrie. Die Krise hat diese Vormachtstellung zementiert. Heute wollen die Manager über elf Milliarden Dollar Gewinn für das Jahr 2009 melden. Doch sie haben eine große Gefahr unterschätzt: Die Amerikaner finden hohe Boni nicht mehr cool. Der Druck auf die Bank aller Banken nimmt zu.

Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankenfein musste sich, gemeinsam mit anderen Top-Bankern, vor einem Regierungsausschuss zur Finanzkrise verantworten. Quelle: ap

Goldman-Sachs-CEO Lloyd Blankenfein musste sich, gemeinsam mit anderen Top-Bankern, vor einem Regierungsausschuss zur Finanzkrise verantworten.

NEW YORK/LONDON/FRANKFURT. Er hat ihn nicht vergessen, diesen eigentlich schönen Herbsttag. Diese Wut. Sie war nicht unmittelbar gegen ihn gerichtet, aber auch er war gemeint, kein Zweifel.

„Zerschlagt sie jetzt! Zerschlagt sie jetzt!“ Hunderte Demonstranten vor der mächtigen Niederlassung der Goldies in Washington.

Sie tragen große Schilder, „Wanted“ wie früher im Wilden Westen und das Konterfei von Blankfein, den Männer in diesen Kreisen hassen oder bewundern. Oder beides. Lloyd Blankfein, Chef von Goldman, der Bank der Banken, den obersten Meister des Universums.

„Wanted!“ Die Menge ist aufgebracht, weil Blankfein und seine Leute einfach weitermachen. Als hätten nicht auch sie die Welt an einen Abgrund geführt. Als hätten sie nicht trotzdem Staatshilfen bekommen. Sie zahlen wieder Boni aus, unvorstellbare Summen für die, die da auf der Straße stehen.

Die verständnislosen Gesichter der Banker, die aus der Sicherheit ihrer Büros beobachten, was sich da vor ihrer Bank abspielt. Die Bilder waren in aller Welt zu sehen, im Fernsehen, in den Zeitungen.

Auch er war gemeint, auch er ist ein Spitzenmanager einer amerikanischen Bank. Nicht bei Goldman Sachs, bei einem Konkurrenten. Nun, Monate nach dieser Kundgebung des Volkszorns, sitzt er in einer New Yorker Bar bei einem Feierabenddrink am Ufer des Hudsons. Fast ehrfürchtig blickt er auf das riesige, schwarze Hochhaus, das auf der anderen Seite des Flusses in den Himmel ragt. Goldman.

Er will etwas loswerden, aber er will anonym bleiben. Was er zu sagen hat, könnte ihn selbst klein aussehen lassen, unbedeutend. Nach der dritten Runde Bier spricht er offener, als Männer in seinem Business und seiner Position es gewöhnlich tun. Die Wut von damals, sie freut ihn, sie nutzt ihm. „Goldman ist einfach die Messlatte, an der sich alle orientieren. Natürlich freuen wir uns alle auch, wenn sie nun die Hauptzielscheibe der Kritik sind.“

Kommentare (2)

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Leertasche

21.01.2010, 10:54 Uhr

Haltung der Hände und Statur aller 5 führenden bank-CEO`s vor dem Senatsausschuß lassen in mir nur eine Frage aufkommen: Wäre sie ein Gleiches gewesen, wenn diese Veranstaltung in Chinas Hauptstadt passiert wäre? Oder hätte sich doch diese Angst vor der Kopflosigkeit breit gemacht? - God bless America!

rainer repke

21.01.2010, 11:46 Uhr

also ich meine, man sollte banken, investmentbanken, broker, Non bank Finance Companies ab einer zu bestimmenden Groesse zerschlagen in voneinander unabhaengige Firmen.

Damit sie nicht noch einmal zu einem Risiko fuer die Weltwirtschaft werden koennen.

Ab einer bestimmten Groessenordnung scheinen die Chefs abzuheben, in ihrer goettlichen eigenen Welt zu leben, und jede Verbindung zur Welt, in der wir anderen 99.9999....% vegetieren (so meine die sicher), zu verlieren. Man koennte meinen, sie seien Parasiten von einem anderen Stern.

Als die vier CEOs vor der Financials Crisis inquiry Commission sassen, haben die eine gute Figur gemacht, kein Zweifel. Aber menschlich wirkten sie nicht. Sagte doch Herr blankfein am Ende: "auch wir haben Verluste gemacht, wir gehoeren zu den Leidtragenden." blauauegig sagte er das natuerlich. Dazu, so einen Satz nach den Problemen zu sagen, die diese Firmen (anderen) zugefuegt haben, gehoeren schon uebermenschliche Faehigkeiten. Ob man dem Mann "Soziale Marktwirtschaft" erklaeren kann?

Der Vorsitzende war etwas sprachlos, fand dann aber die richtige Antwort: ihr seid wie Gebrauchtwagenhaendler, die ein Auto mit defekten bremsen verkaufen und dann eine Versicherung auf den Fahrer abschliessen. Und, so koennte man hinzufugen, die Versicherungspolice mit Hochglanzversprechungen und Gewinn sofort an Dumme weiterverkaufen.

Welchen Nutzen fuer die Allgemeinheit haben diese investmentbanken eigentlich?

Er gruesst
Euer
Rainer

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