Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.05.2017

18:32 Uhr

Goldman Sachs

Kritik an US-Investmentbank wegen Kauf von „Hungerbonds“

Die US-Investmentbank Goldman Sachs kauft Schuldscheine des Staatskonzerns PDVSA und wettet auf eine satte Rendite. Die venezolanische Opposition sieht darin eine indirekte Unterstützung der sozialistischen Regierung.

Die US-Investmentbank hatte zuletzt PDVSA-Anleihen über einen Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar gekauft. Reuters

Goldman Sachs

Die US-Investmentbank hatte zuletzt PDVSA-Anleihen über einen Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar gekauft.

Caracas/New YorkDie venezolanische Opposition hat die US-Investmentbank Goldman Sachs für den Aufkauf von Anleihen des staatlichen Ölkonzerns PDVSA scharf kritisiert. „Auch wenn sie sich noch so anstrengen, Goldman Sachs und seine Führungskräfte können diesen Deal nicht schönfärben. Für die Venezolaner ist er unmoralisch“, schrieb Parlamentspräsident Julio Borges in einem offenen Brief.

Die US-Investmentbank hatte Medienberichten zufolge zuletzt PDVSA-Anleihen über einen Nennwert von 2,8 Milliarden Dollar für rund 865 Millionen Dollar erworben. Goldman Sachs verteidigte den Deal. Man habe die Schuldscheine nicht direkt beim venezolanischen Staat, sondern über einen Broker auf dem Sekundärmarkt gekauft. Somit sei auch kein Geld direkt an den venezolanischen Staat geflossen.

„Wie viele andere Investoren glauben wir, dass sich die Lage langfristig verbessern muss“, hieß es in einer Stellungnahme. „Wir erkennen an, dass die Situation komplex ist und Venezuela sich in einer Krise befindet. Wir stimmen zu, dass das Leben sich dort verbessern muss. Wir haben die Investition zum Teil auch deshalb gemacht, weil wir daran glauben, dass dies der Fall sein wird.“

Investment in Venezuela: Hat Goldman Sachs Maduro geholfen?

Investment in Venezuela

Hat Goldman Sachs Maduro geholfen?

Oppositionspolitiker in Venezuela machen Goldman Sachs Vorhaltungen, weil die Bank Anleihen der staatlichen Ölgesellschaft gekauft hat. Das Geschäft weckt Erinnerungen an ein umstrittenes Investment in Griechenland.

Venezuela befindet sich in einer schweren Wirtschafts- und Versorgungskrise. Wegen des niedrigen Ölpreises und jahrelanger Misswirtschaft verfügt das Land mit den größten Ölreserven der Welt kaum noch über Devisen, um Lebensmittel, Medikamente und Dinge des täglichen Bedarfs einzuführen.

Am Mittwoch berichtete Borges im Europäischen Parlament über die Lage in Venezuela. „Die Venezolaner suchen im Müll nach Essbarem“, sagte der Parlamentspräsident. Die Regierung unterdrücke die Proteste. 60 Menschen seien bei den seit zwei Monaten andauernden Demonstrationen bereits ums Leben gekommen.

Fusionen und Übernahmen: Investmentbanken leben gut unter Trump

Fusionen und Übernahmen

Investmentbanken leben gut unter Trump

Bei den globalen Investmentbanken klingeln die Kassen. Vor allem das Geschäft mit Fusionen und Übernahmen läuft rund. Experten rechnen mit einem anhaltenden Boom – und fürchten nur ein großes Risiko.

Die venezolanische Opposition kritisierte die PDVSA-Anleihen als „Hungerbonds“, an denen Goldman Sachs kräftig verdienen könnte. Werden die Anleihen bei Fälligkeit 2022 tatsächlich bedient, würde Goldman Sachs eine jährliche Rendite von knapp 43 Prozent einstreichen. „Millionen Venezolaner gehen hungrig zu Bett, ohne eine Chance, Medikamente zu erhalten, Opfer eines brutalen Regimes, das nun von Goldman Sachs unterstützt wird“, schrieb Parlamentspräsident Borges.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×