Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

08:20 Uhr

Gossler III hat den richtigen Riecher für ein gutes Geschäft

Berenberg profitiert vom Gründerboom

VonGregory Lipinski (Handelsblatt)

Die Privatbank Berenberg nutzte im 19. Jahrhundert den Einstieg bei den ersten Aktiengesellschaften für ihre Expansion.

HAMBURG. Es weht eine kalte Brise im Hamburger Hafen. Doch die Besucher stört das wenig. Neugierig beobachten sie das Treiben auf der „Deutschland“. Dort steht Kapitän Hanker an Deck und feuert seine Mannschaft an. Flink klettern die Seeleute in die Wanten. Als sie den Dreimaster aufgetakelt haben, dreht der Kapitän die „Deutschland“ in den Wind. Langsam gleitet das Schiff zur Elbmündung, um das Ziel seiner ersten Reise anzusteuern: Amerika.

Einer, der an diesem Oktobermorgen 1848 am Kai steht, ist Johann Heinrich Gossler III. Der 43-jährige Inhaber der Hamburger Privatbank Joh. Berenberg Gossler & Co. ist Miteigentümer der Schifffahrtslinie, zu der die „Deutschland“ gehört. Gossler hatte die Reederei gut ein Jahr zuvor mit einigen Hamburger Kaufleuten aus der Taufe gehoben.

Das Unternehmen ist die erste Schifffahrtslinie in Deutschland, die einen regelmäßigen Paketdienst nach Amerika anbietet. Ihr Name: Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft, kurz Hapag. Heute ist die Firma unter dem Namen Hapag-Lloyd bekannt und als Teil des Tourismus- und Logistikkonzerns Tui in Hannover eine der größten Container- Schifffahrtslinien der Welt.

Mit der Hapag setzt Gossler beim Finanzhaus Joh. Berenberg Gossler den Grundstein für ein weltumspannendes Firmen- und Bankenkonglomerat. So engagiert sich Deutschlands älteste Privatbank unter anderem 1865 bei der Hongkong and Shanghai Banking Corporation (HSBC), 1871 bei der Den Danske Landmandsbank in Kopenhagen und im selben Jahr bei der Svenska Handelsbanken in Stockholm. Auch in Deutschland wurde Gossler aktiv und war 1856 Mitgründer der Vereinsbank, heute ein Teil der Hypo-Vereinsbank.

Mit den zahlreichen Firmenbeteiligungen läutet Gossler in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ein neues Zeitalter der Bank ein, die sich bislang unter anderem auf das Geschäft mit Handelswechseln und Akzepten konzentriert hat. Erstmals beteiligt sich der Manager an Aktiengesellschaften. Dabei macht er kräftig Profit, indem er die Anteilsscheine bereits in der Gründungsphase preiswert kauft und später teurer verkauft. Schnell entwickelt Gossler bei seinen Aktiengeschäften zudem die Idee für ein weiteres Geschäftsfeld: Er verleiht erstmals Kredite an Konzerne, die sie mit Wertpapieren anderer Firmen absichern können. Das Geschäft boomt.

Das Firmenvermögen des 1590 gegründeten Instituts wird Mitte des 19. Jahrhunderts auf rund eine Million Mark geschätzt. Damit zählt Berenberg zu einem der reichsten Kreditinstitute Deutschlands. Die Bank erreichte um die „Jahrhundertwende eine Kapitalkraft, die es ihr ermöglichte, die an Wirtschafts- und Bankenkrisen reiche Zeit bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs gänzlich unbeschadet zu überstehen“, heißt es in einer Chronik.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×