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07.01.2011

19:02 Uhr

Gribkowsky-Skandal

BayernLB - die Pannenbank

VonFrank Matthias Drost, Oliver Stock, Stefan Menzel

Die jüngste Affäre der BayernLB um ihren ehemaligen Risikovorstand Gerhard Gribkowsky reiht sich nahtlos ein in eine Serie von teuren Fehlschlägen. Ihren Anfang nahm die Misere der Landesbank durch Missmanagement und die Übernahme der Kärtner Bank Hypo Alpe Adria. Selbst in der CSU schwindet das Vertrauen in das Institut.

Gebäude der BayernLB in München: Experten glauben nicht, dass die Bank auf Dauer alleine überlebensfähig ist. Quelle: dpa

Gebäude der BayernLB in München: Experten glauben nicht, dass die Bank auf Dauer alleine überlebensfähig ist.

HB. Der große Vorsitzende wollte den Frieden. Horst Seehofer hatten die Umfragewerte für seine CSU, die bei überraschend stabilen 45 Prozent liegen, gestern beim alljährlichen Treffen der Partei in Wildbad Kreuth milde gestimmt. Dann aber musste er doch wieder poltern, dass es seine Art hatte: „Die BayernLB ist zunehmend eine politische Belastung“, sagte Seehofer. Deren Affären und Pannen hätten mittlerweile das Vertrauen der Bürger in die Landesbank tief erschüttert, schiebt er hinterher. Die jüngste Affäre nennt er ein „Debakel“.

Die jüngste Affäre – sie hat der Bank ihr ehemaliger Risikovorstand Gerhard Gribkowsky eingebrockt. Die „Dampfwalze“ nannten ihn manche, die sich durch sein Selbstbewusstsein geplättet fühlten. Der Mann, dessen Jahresgehalt bei rund einer halben Million Euro gelegen hat, besitzt ein Vermögen in Höhe von 25 Millionen Euro, das in einer österreichischen Stiftung schlummert. Über die Herkunft des Vermögens konnte Gribkowsky bislang keine plausiblen Angaben machen.

Die Staatsanwaltschaft nimmt an, dass die Summe im Zusammenhang steht mit dem Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB Ende 2005. Gribkowsky hatte seinerzeit die Aufgabe, diese Beteiligung, die aus der Pleite der Kirch-Gruppe stammte und der Landesbank zugefallen war, möglichst gewinnbringend zu veräußern. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, dass diese Anteile ohne eine aktuelle Bewertung zum Verkaufszeitpunkt an den Finanzinvestor CVC veräußert wurden. Und sie glaubt, dass sich Gribkowsky von dem Erlös eine Scheibe abgeschnitten haben könnte. „Verdacht der Bestechlichkeit, Untreue und Steuerhinterziehung“ lauten die Vorwürfe, die so konkret sind, dass der ehemalige Vorstand seit Mittwoch in Haft sitzt – unter Deutschlands Topbankern ein bislang einmaliger Vorgang. Nach Ansicht mehrerer Strafrechtler könnten die Ermittlungen auf weitere damalige Verantwortliche der Landesbank ausgedehnt werden. „Meiner Ansicht nach ist es eine Frage von Tagen, bis die Staatsanwaltschaft eine Durchsuchung bei der BayernLB einleitet“, sagte ein Strafrechtler.

Die Kärtner Bank Hypo Alpe Adria wurde für die Bayern zum Fiasko

Gribkowsky hat seine Millionen im Nachbarland Österreich geparkt, das die BayernLB immer ein wenig als ihren Vorhof betrachtet hat, tatsächlich aber dort während der vergangenen fünf Jahre ihre größten wirtschaftlichen Pleiten durchmachen musste. Pikanterweise fallen diese Pleiten in genau die Zeit, in der Gribkowsky im Vorstand des Münchener Kreditinstituts saß. Für Fehlschläge bei der Kärtner Hypo Alpe Adria und der ehemaligen Wiener Gewerkschaftsbank Bawag trägt der frühere Risikovorstand ebenfalls einen Teil der Verantwortung.

Vor vier Jahren war die Konkurrenz unter den deutschen Landesbanken groß. Weil im Geschäft zu Hause nicht mehr viel zu machen war, blickten alle ins Ausland. Der damalige BayernLB-Vorstandschef Werner Schmidt war in Österreich fündig geworden: Die Hypo Alpe Adria, zwar nicht in Wien, sondern in der Provinz in Kärnten gelegen, versprach Wachstum in Osteuropa. Österreich-Erfahrung besaß die BayernLB. Bis zum Jahr 2004 hielt sie eine Minderheitsbeteiligung an der Bawag. Schmidt und seine Vorstandskollegen entschieden sich für den Verkauf des Bawag-Anteils, weil ihnen die Beteiligung damals nicht mehr erfolgversprechend erschien. Kein gutes Licht auf das strategische Einschätzungsvermögen der BayernLB-Spitze warf die Entscheidung des Vorstands, den Abschied bei der Bawag 2006 wieder rückgängig zu machen. Diesmal wollten die Münchener gleich die Mehrheit. Doch die BayernLB zog den Kürzeren, der Private-Equity-Bieter Cerberus hatte die Nase vorn. Weil die Übernahme in Wien nicht funktioniert hatte, schwenkte der BayernLB-Chef um und entschied sich für die Hypo Alpe Adria als neues Übernahmeziel.

Kommentare (6)

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hewera

07.01.2011, 12:49 Uhr

Die bezeichnung Risikovorstand erfährt im Licht der jüngsten Entwicklung im Zusammenhang mit der bayern-Lb eine völlig neue und unerwartete bedeutung.Abgesehen von der persönlichen (bisher vermuteten)Schuld des inhaftierten ist jedoch festzuhalten,dass der Vorstand der bayern-Lb korporativ für das Desaster zur Verantwortung zu ziehen ist.Es wäre grobe Fahrlässigkeit,würde ein Deal dieser Größenordnung ohne verbindliche Einbeziehung des Gesamtvorstands 'durchgezogen'werden können.im Fall Alpe-Adria gilt das gleichermaßen.
Hinzu kommt der Totalausfall des Aufsichtsrats,der offenbar inkompetent für sachgerechte Aufsicht war und dazu in seiner Funktion als Politiker von der Wahnidee eines 'Globalplayers'bayern-Lb verblendet wurde.

Klaus

07.01.2011, 12:52 Uhr

Abwickeln!!!
ich finde es schade, das bei den Landesbanken das Problem nicht wirklich gelöst wird.
Es wird ein bischen die bilanz verkürzt, das Risiko verringert, ...
Das einzig wahre wäre die Abwicklung.
Deutschland und die bundesländer brauchen keine Landesbanken. Das zeigt ja auch die verzweifelte Suche vieler Landesbanken nach dem Geschäftsmodell.
Die einzigen die die Landesbanken brauchen sind unsere Landespolitiker.
Dort gibt es schöne Jobs um untragbare Politikerkollegen geräuschlos zu entsorgen oder um selbst einen gut bezahlten Job nach der Polit-Karriere zu bekommen.

Alf

07.01.2011, 21:00 Uhr

Was heisst hier Pannenbank?!
So etwas nennt sich Kriminellen bank!
Die Presse ist ja sonnst nicht zimperlich, nur bei der Lobby zieht Sie ihre Samthandschuhe an...

Wann werden kriminelle banker und Vorstaende endlich hinter Gitter gebracht.

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