Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

23.04.2012

12:46 Uhr

Griechenland

Athens Banken bangen um ihre Existenz

VonGerd Höhler

Die Banken des Krisenstaates kämpfen mit hohen Verlusten. Ihre Kapitalbasis ist durch den Schuldenschnitt nur noch ein kümmerliches Häufchen. Nun zapfen die Geldinstitute den europäischen Rettungsfonds an.

Eine Filiale der Piraeus Bank in Athen. dapd

Eine Filiale der Piraeus Bank in Athen.

AthenDer im März vollzogene Schuldenschnitt mag Griechenland vor dem unmittelbar drohenden Staatsbankrott bewahrt haben. Den Banken des Landes entstehen allerdings durch den „freiwilligen“ Forderungsverzicht (PSI) Verluste, die ihre Existenz gefährden. Sie mussten bis zu 80 Prozent des Nennwerts ihrer griechischen Staatsanleihen abschreiben. Die Kapitalbasis der vier großen Institute ist dadurch weitgehend vernichtet worden. Das zeigen die am vergangenen Freitag veröffentlichten Bilanzen des Jahres 2011, die den Verlust bereits berücksichtigen. Nach dem griechischen Staat müssen nun auch die Athener Geldinstitute mit europäischen Hilfsgeldern gerettet werden.

Die vier großen Banken meldeten für 2011 Verluste von 28,3 Milliarden Euro. Davon entfielen 26,1 Milliarden auf den Schuldenschnitt. Das Ausmaß des Desasters übertraf die Erwartungen der Analysten, die mit Einbußen von rund 22 Milliarden gerechnet hatten. Der Marktführer National Bank of Greece (NBG) liegt mit einem Verlust von 12,3 Milliarden Euro an der Spitze. Die Nummer zwei, die Eurobank EFG, meldete 5,5 Milliarden Miese. Die Alpha Bank, der Branchendritte, verzeichnete ein Minus von 3,8 Milliarden. Relativ zur Bilanzsumme am schlechtesten steht die Piraeus Bank mit einem Verlust von 6,6 Milliarden da. Der Schuldenschnitt hat das Eigenkapital der Banken weitgehend aufgezehrt. Die Kernkapitalquote (Tier 1) der vier großen Institute fiel im Schnitt auf etwa drei Prozent. Bis zum September müssen die Banken ihre Kapitalausstattung auf mindestens neun Prozent bringen.

Hier wollte Griechenland sparen

576 Millionen Euro

Einsparungen bei Ausgaben für Medikamente

537 Millionen Euro

Kürzungen bei Gesundheits- und Rentenfonds; 500 Millionen davon entstammen dem Budget einer neuen nationalen Organisation, die die Grundversorgung im Gesundheitswesen sicherstellen
soll, 15 Millionen Euro aus einem Fonds der Telefongesellschaft OTE und 21 Millionen aus einem Fonds der öffentlichen Stromversorger

400 Millionen Euro

Einsparungen im Verteidigungshaushalt, davon 300 Millionen durch Verzicht auf Neuanschaffungen und 100 Millionen bei den laufenden Kosten

400 Millionen Euro

Kürzungen bei öffentlichen Investitionen

386 Millionen Euro

Kürzungen bei Haupt- und Zusatzrenten

205 Millionen Euro

Einsparungen bei Personalausgaben

200 Millionen Euro

Einsparungen bei den Verwaltungsausgaben der Ministerien

86 Millionen Euro

Kürzungen im Haushalt des Agrar- und Nahrungsmittelministeriums, vor allem durch Streichung von Subventionen

80 Millionen Euro

Kürzungen im Bildungswesen, darunter 39 Millionen Einsparungen bei den Gehältern von Ersatzlehrern und Lehrern an griechischen Schulen im Ausland sowie zehn Millionen bei Forschung und Technologieförderung

70 Millionen Euro

Kürzung der Wahlkampfunterstützung

66 Millionen Euro

Einsparungen im Haushalt des Finanzministeriums durch Kürzung der Pensionen

59 Millionen Euro

Kürzungen bei der Kommunalförderung

50 Millionen Euro

Streichung von Überstunden von Ärzten in staatlichen Krankenhäusern

43 Millionen Euro

Kürzungen der Unterstützungsleistungen für Familien mit mehr als drei Kindern

25 Millionen Euro

Kürzungen im Kultur- und Tourismushaushalt

3 Millionen Euro

Kürzungen bei den Personalausgaben der staatlichen Versorger

Unter dem Strich entsprechen die Verluste der vier Banken fast dem Zehnfachen, bei der Piraeus Bank sogar dem Zwanzigfachen des aktuellen Börsenwerts. Schon das zeigt: Am Markt können sich die Institute unmöglich rekapitalisieren. Im zweiten, 130 Milliarden Euro umfassenden Griechenland-Hilfspaket der Euro-Staaten und des Internationalen Währungsfonds (IWF), sind deshalb 50 Milliarden für die Rettung der griechischen Banken vorgesehen. Sie werden über den europäischen Rettungsfonds EFSF bereitgestellt. Am Donnerstag erhielt Griechenland die erste Rate von 25 Milliarden Euro.

Die Rekapitalisierung der Banken läuft über den Hellenic Financial Stability Fund (HFSF). Er hat den Banken am vergangenen Freitag bereits schriftlich Hilfen in spezifischer Höhe zugesagt. So konnten die Institute diese Garantien in ihre Bilanzen aufnehmen. Zuvor hatten sie der griechischen Zentralbank ihre Pläne zur Geschäftspolitik und zu kapitalstärkenden Maßnahmen für die kommenden Jahre vorgelegt, die von der Notenbank als realistisch akzeptiert wurden.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

whisky

23.04.2012, 12:58 Uhr

Es geht, wie seit Beginn der Kapitalmarktkrise, um die Aufrechterhaltung der neoliberalen Doktrin.
So langsam werden für diese Herrschaften die Bevölkerungen zum eigentlichen Problem. Die Politiker (fast aller Parteien) hat man ja im Griff.

Account gelöscht!

23.04.2012, 13:03 Uhr

Das einzige Mittel in gaz Europa scheint wirklich nur noch ein Reset und eine Befreiung der Völker von den derzeitigen PArteien aller Schadsorten zu sein. Mit anderen Worten, egal welche Partei, die gehören alle an den Pranger und anschli......die Gedanken sind frei.

Account gelöscht!

23.04.2012, 13:13 Uhr

Das ist die Lüge vom Schuldenschnitt oder Beteiligung "privater Anleger". Die Kosten allein für Griechenland geben einen leichten Vorgeschmack, was kommen wird, wenn grössere Länder pleite gehen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×