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16.07.2015

20:24 Uhr

Griechenland

Den Banken stehen schmerzhafte Einschnitte bevor

Mit Finanzhilfen allein ist es nicht getan – auch Griechenlands Banken müssen reformiert werden. Das Vertrauen der Kunden ist weg. Selbst Kapitalspritzen sind deshalb im Gespräch – und die Schließung von Instituten.

Bei den vier großen Finanzinstituten in Griechenland könnten nach der Konsolidierung Schließungen folgen, schätzen Experten. Reuters

Großes Reinemachen

Bei den vier großen Finanzinstituten in Griechenland könnten nach der Konsolidierung Schließungen folgen, schätzen Experten.

Frankfurt, AthenAngeschlagenen griechischen Banken steht Insidern zufolge voraussichtlich ein größerer Umbau mit schmerzhaften Einschnitten bis hin zu Schließungen ins Haus. Zuerst werde es wohl kurzfristige Kapitalspritzen geben, um die Institute zu stützen, sagten mehrere mit der Lage vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters. Eine erste Rekapitalisierung könnte in rund vier Wochen erfolgen, wenn eine Vereinbarung über ein neues Rettungspaket erzielt sei. Danach könnten Schließungen, Fusionen und auch der Verkauf von Auslandstöchtern drohen, sagten mehrere Insider.

„Banken würden selbst dann eine schwierige Zeit haben zu überleben, wenn der Staat gerettet würde“, sagte einer der Vertrauten bereits vergangene Woche. Geldhäuser müssten unter anderem viele Kredite abschreiben. Damit sie wieder Boden unter den Füßen bekämen sei eine Restrukturierung erforderlich. Vorbereitungen dazu sind nun laut Informationen weiterer Insider aus dieser Woche in Gang gebracht worden, nachdem der Weg für ein drittes Hilfsprogramm geebnet ist.

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Die Bankenwelt in Athen stellt sich bereits auf Veränderungen an. „Das ist ein Szenario, das eintreten könnte – den Banken eine Interims-Kapitalspritze von rund zehn Milliarden Euro zu geben, um Sorgen um ihre Solvenz zu beenden und dann einen tieferen Blick auf die Situation zu werfen,“ sagte ein Banker. Früheren Informationen von Insidern zufolge könnte von den vier großen Instituten – National Bank of Greece, Eurobank, Piraeus und Alpha Bank – nach einem Branchenumbau möglicherweise sogar nur zwei bestehen bleiben.

Am Montag sollen griechische Institute einem Insider zufolge erstmals nach dann drei Wochen wieder öffnen. Die Europäische Zentralbank (EZB) verschaffte den Geldhäusern zwischenzeitlich Luft: Sie genehmigte eine Aufstockung der Notfall-Kredithilfen (ELA) an die Häuser um 900 Millionen Euro.

Das müssen Sie über die ELA-Kredite wissen

Was sind ELA-Kredite?

Das ELA-Programm ist ein Notfallinstrument im europäischen Zentralbankensystem. Es richtet sich an Banken, die sich zeitweise in einer außergewöhnlichen Situation befinden. Gedacht ist es für Geldhäuser, die im Prinzip zahlungsfähig sind, aber vorübergehend Liquiditätsprobleme haben. Ob Banken als solvent gelten oder nicht, beurteilt die EZB. Die Abkürzung ELA steht für die englische Bezeichnung Emergency Liquidity Assistance.

Wie funktioniert die Vergabe von ELA-Krediten?

Sie werden von einer nationalen Notenbank an die Finanzinstitute des Landes gegen bestimmte Sicherheiten vergeben. Der Rat der EZB - er besteht aus den Präsidenten der nationalen Notenbanken des Euroraums und dem EZB-Direktorium - muss über die ELA-Kredite informiert werden. Überschreitet die Höhe des beabsichtigten ELA-Kredits 500 Millionen Euro, muss der Rat frühestmöglich von der nationalen Notenbank informiert werden. Bei kleineren Beträgen geschieht dies in der Regel kurz nach der Gewährung durch die nationale Notenbank. Mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit kann der EZB-Rat die Vergabe stoppen.

Warum bekommen griechische Banken ELA-Kredite?

Normalerweise versorgen sich Geschäftsbanken im Euroraum direkt bei der EZB mit Geld. Sie verkaufen an die EZB Wertpapiere und erhalten im Gegenzug Zentralbankgeld. Dies ist für griechische Banken nicht mehr möglich, da die EZB seit Mitte Februar keine griechischen Staatsanleihen mehr als Sicherheit akzeptiert. Somit sind ELA-Kredite für griechische Banken praktisch die einzig verbliebene Finanzierungsquelle - und damit auch für die Wirtschaft des Landes.

Wie viele ELA-Nothilfen bekamen griechische Banken bislang?

Der Rahmen liegt bei rund 89 Milliarden Euro. Seit Februar gewährte die EZB den griechischen Banken über die nationale Notenbank immer mehr ELA-Hilfen, die sich zu diesem gewaltigen Milliardenbetrag aufsummieren.

Wie lange reicht das Geld noch?

In den letzten Ratsbeschlüssen wurde der Rahmen aber nicht weiter erhöht, sondern auf dem gleichen Niveau belassen, quasi eingefroren. Die griechischen Banken müssen nun mit dem auskommen, was an ELA-Hilfen noch da ist. Wie groß der Spielraum bis zur Grenze von rund 89 Milliarden Euro ist, ist unklar. Damit ist auch unklar, für wie viele Tage das Geld noch reicht. Um ein Ausbluten der Banken und damit den Staatsbankrott zu verhindern, verhängte die griechische Regierung Kapitalverkehrskontrollen. Bankkunden dürfen nur noch 60 Euro am Tag abheben und kein Geld ins Ausland überweisen.

Was bedeutet die jüngste Entscheidung des EZB-Rates?

Der EZB-Rat hat am Montag die Regeln für ELA-Kredite verschärft: Griechische Banken müssen nun höhere Sicherheitsabschläge auf Wertpapiere bezahlen, die sie für ELA-Kredite hinterlegen. Kurz gesagt: Die Banken bekommen für Wertpapiere weniger Kredit als bisher.

Kann die EZB die Situation noch verschärfen?

Ja. Wenn der EZB-Rat sich entscheiden würde, ELA-Kredite zurückzuverlangen. Dann wären griechische Banken und das Land wohl pleite.

Die auf dem Euro-Gipfel erzielte vorläufige Einigung sieht vor, dass die Bankbilanzen nach dem Sommer auf Herz und Nieren geprüft werden. Dann wird sich entscheiden, wie hoch ihr Kapitalbedarf ist und welche der Institute noch überlebensfähig sind. Insgesamt soll ein neues Hilfsprogramm bis zu 25 Milliarden Euro zur Rekapitalisierung griechischer Banken umfassen. Auch das Problem der notleidenden Kredite soll angegangen werden.

Eine Beteiligung von Inhabern großer Geldeinlagen an einer Bankenrettung nach dem Muster wie in Zypern ist allerdings schwierig. Die meisten wohlhabenden Griechen haben ihre Gelder schon abgezogen. Zudem gehören hohe Einlagenstände einem Insider zufolge zu zwei Dritteln Firmen, die für die griechische Wirtschaft entscheidend sind, so dass dieser Weg wenig wahrscheinlich sei. Auch für eine Beteiligung privater Gläubiger und Eigentümer ("bail-in") sehen Experten nur wenige Möglichkeiten.

Von

rtr

Kommentare (2)

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Herr Manfred Zimmer

17.07.2015, 09:53 Uhr

Was sagt denn die Bankenaufsicht der EZB?

Herr Ronald Reimann

17.07.2015, 10:30 Uhr

Überschrift missverständlich!
Den "griechischen Banken" stehen schmerzhafte Einschnitte bevor. Die anderen Banken verdienen sich weiter dumm und dämlich!

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