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16.06.2011

00:36 Uhr

Griechenland-Engagement

Französischer Notenbankchef wendet sich gegen Herabstufung

Die französischen Banken sind in Griechenland besonders engagiert. Deshalb prüft die Ratingagentur Moody's die Herabstufung dreier Banken. Christian Noyer findet die Bedenken unnötig.

Französische Banken wie die BNP Paribas geraten wegen Griechenland unter Druck. Quelle: ap

Französische Banken wie die BNP Paribas geraten wegen Griechenland unter Druck.

Paris/LondonEZB-Ratsmitglied Christian Noyer ist Bedenken wegen des großen Engagements französischer Banken in dem von einer Staatspleite bedrohten Griechenland entgegengetreten. Die Institute seien nicht in Gefahr, sagte der französische Notenbankchef am Mittwoch.

Selbst unter der extremen Annahme großer Verluste mit den griechischen Papieren seien nur relativ moderate Auswirkungen auf die Ergebnisse der Banken zu erwarten. Er mache sich deswegen keine Sorgen.

Pläne für eine Beteiligung der privaten Gläubiger an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland bezeichnete Noyer als „sehr delikat“. Sollte es einen Zahlungsausfall geben, würde dies Investoren lange Zeit von Griechenland fernhalten. „Es würde ein dramatisches Problem schaffen.“ Dies müsse bei weiteren Griechenland-Hilfen vermieden werden.

Die Ratingagentur Moody's hatte zuvor gewarnt, dass drei französischen Großbanken schlechtere Bonitätsnoten drohten. Sie teilte am Mittwoch mit, die Bewertungen der Institute BNP Paribas, Societe Generale und Credit Agricole auf eine Herabstufung zu prüfen. Ähnliche Schritte für andere Banken mit direktem Engagement in Griechenland könnten in den kommenden Wochen folgen, kündigten die Moody's-Experten zugleich an. Sie wollen generell die Risiken eines Zahlungsausfalls des Euro-Landes für die Ratings von Geldhäusern in der Euro-Zone in Betracht ziehen.

Laut Moody's drohen Credit Agricole und BNP Rating-Senkungen um je eine Notenstufe, bei Societe Generale könnten es sogar zwei sein. Die Banken seien in Griechenland entweder direkt oder über Tochtergesellschaften engagiert. Sie hielten griechische Staatsanleihen und hätten Kredite an dortige Unternehmen vergeben.

Eine Herabstufung des Ratings bedeutet, dass die Aufnahme frischen Geldes am Kapitalmarkt teurer wird. Das ist  für jedes Unternehmen ein großer Nachteil, für Banken aber ganz besonders.

Angesichts dieses Hintergrundes ist es verständlich, dass die französischen Geldinstitute in der Diskussion über eine Umschuldung Griechenlands die Bedenken der Europäischen Zentralbank teilen. Das sagte der Chef des Branchenverbandes, Francois Perol. Zwar sei wegen einer Beteiligung der privaten Gläubiger noch niemand bei dem Verband vorstellig geworden.

Allerdings müsse jeder Vorschlag alle Marktteilnehmer gleich behandeln. Die EZB wendet sich gegen alle Konzepte, die nicht auf eine freiwillige Mitwirkung der Privatwirtschaft setzen, damit es nicht zu einem Zahlungsausfall mit gravierenden Folgen am Finanzmarkt kommt.

Kommentare (13)

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Mollemopp

15.06.2011, 07:15 Uhr

Festhalten, bitte. Jetzt gehts abwärts. Der Sog Griechenlands erreicht die Geberländer. Komisch, alles tritt ein, wie vorhergesagt. Nur die Politiker wollen es nicht wahrhaben und reden noch dagegen. Oh oh, das wird ein böses Ende nehmen.

Brasso

15.06.2011, 07:47 Uhr

Es ist doch schon verdächtig wie die Ratingagenturen den Druck auf die EU-Regierungen zeitnahe in ihrem Sinne erhöhen. Pünktlich zum Treffen der Finanzminister wird erst Griechenland auf CCC herabgestuft und heute, wo Merkel und Sarkozy dazu stoßen sollen, wird nochmals Druck auf die Franzosen gemacht. Die Politiker sind nur noch Marionetten der Finanzwelt.

Knut34

15.06.2011, 07:57 Uhr

Wo bleibt der Oberregulierer Sarkozy und seine Gefolgschaft? Funktionierende Märkte muss man doch regulieren, wenn dies nicht im Interesse Frankreichs ist!

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