Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

27.07.2015

15:38 Uhr

Griechenland-Krise

Athens Bankgesetz könnte Sparer gefährden

Athens Bankengesetz schlägt hohe Wellen: Moody's hält das Gesetz für riskant, Tsipras sieht keine Alternative. Indes wird klar: Im Juni sind die Einlagen bei griechischen Banken um einen Milliarden-Betrag gesunken.

Das neue griechische Gesetz für den Umgang mit Banken, gefährdet der Ratingagentur Moody's zufolge unbesicherte Einleger. dpa

Menschenschlangen vor den Kassen

Das neue griechische Gesetz für den Umgang mit Banken, gefährdet der Ratingagentur Moody's zufolge unbesicherte Einleger.

AthenDas neue griechische Gesetz für den Umgang mit Banken, die in Schieflage geraten sind, gefährdet nach Einschätzung der Ratingagentur Moody's unbesicherte Einleger, da deren Gelder den Ansprüchen des Staates nachgeordnet sind. Das griechische Parlament hat mit dem Gesetz, das eine Voraussetzung für weitere Verhandlungen über Hilfsgelder war, die europäische Direktive zur Bankenabwicklung (BRRD) umgesetzt.

Das Gesetz unterscheidet sich jedoch von den in anderen EU-Ländern festgelegten Regeln: Staatliche griechische Einlagen und alle staatlichen Ansprüche können im Falle einer Bankeninsolvenz erst dann zur Abdeckung von Verlusten herangezogen werden , nachdem Einlagen von mehr als 100.000 Euro bereits dafür verwendet wurden, schreibt Moody's. Das sogenannte Bail-in-Instrument gilt ab dem 1. Januar 2016.

„Wenn das Bail-in-Instrument 2016 wirksam wird, beeinträchtigt der vorrangige Status staatlicher Ansprüche negativ die Wiedereinbringungsquoten griechischer Großanleger”, schrieben die Analysten Nondas Nicolaides und Bernhard Held am Montag im Credit Outlook der Ratingagentur.

Das griechische Schuldendrama von A bis M

A wie Austerität

Das Schlagwort der Krise. Umschreibt die Sparpolitik, um Haushaltsexzessen Einhalt zu gebieten. Weiteres Kürzen stürze die Menschen ins Elend und würge die Konjunktur ab, klagt Tsipras und steht damit nicht allein. Haushaltsdisziplin sei wichtig, um die Krise überwinden können, sagen Befürworter. Vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) werfen Kritiker vor, für einen übertriebenen Sparkurs in Europa einzutreten.

B wie Bargeld

Äußerst knapp in Griechenland. Seit Ende Juni dürfen die Griechen an Bankautomaten nur noch täglich bis zu 60 Euro abheben. Weil viele aus Angst vor der Staatspleite ihre Konten leerräumten, droht den Banken das Geld auszugehen.

D wie Draghi

Mario Draghi, mächtiger Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), die über die Stabilität des Euro wacht. Draghi spielt eine Schlüsselrolle im Griechenland-Drama. Wenn die EZB den Geldhahn zudreht, weil es zu keiner Lösung kommt, stehen die Banken vor dem Aus; Griechenland dürfte dann endgültig zahlungsunfähig sein.

E wie Eurogruppe

Die Versammlung der Finanzminister aus den 19 Euroländern stieg in der Finanz- und Wirtschaftskrise zum weltweit beachteten Entscheidungsgremium auf. Sie hebt oder senkt den Daumen über Milliarden-Hilfsprogramme für die Euro-Krisenländer.

F wie Finanzmärkte

Verlieren Anleger das Vertrauen, dass Schulden überhaupt noch zurückgezahlt werden, dann können sich Staaten nur noch zu extrem hohen Zinsen finanzieren. Das wird sehr teuer. Diese Geldquelle bleibt Griechenland schon seit langem versagt.

G wie Grexit

Kunstwort bestehend aus „Greece“ (Griechenland) und dem englischen Wort „exit“ (Ausstieg). Der Ausstieg aus dem Euro - gewollt oder durch versehentliches Hinausschlittern - wurde zuletzt im Griechenland-Fall angesichts der drohenden Staatspleite von vielen nicht mehr ausgeschlossen.

I wie IWF

Der Internationale Währungsfonds mit Christine Lagarde als mächtiger Chefin ist einer der gewichtigen Kreditgeber Athens. Lagarde drängt die Eurogruppe, einer Umschuldung zuzustimmen.

J wie Jugendarbeitslosigkeit

Besonders dramatisch sind die Zukunftsaussichten der jungen Leute. Bei einer Jugendarbeitslosigkeit von über 50 Prozent in Griechenland haben die meisten kaum Hoffnungen, einen Job zu finden.

L wie Lissabon-Vertrag

Der Lissabon-Vertrag verbietet im Artikel 125, dass ein EU-Staat einen anderen Staat „herauskaufen“ kann („No-Bailout-Klausel“). Darauf berufen sich auch Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU).

M wie Merkel

Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.Bundeskanzlerin Merkel wird als oberste Krisenmanagerin in Europa angesehen. Sie beharrt darauf: Milliardenhilfen gebe es nur gegen Reformen und Sparprogramme. Ihr und Schäuble wird von Kritikern ein überzogener Sparkurs vorgeworfen.

Das Gesetz sei wegen der Verwendungsbeschränkung von öffentlichen Geldern für die Banken-Abwicklung und wegen der Lasten-Teilung, die ab nächstem Jahr für alle unbesicherten Gläubiger gilt, „Credit negative“ für Bondgläubiger und unbesicherte Einleger, so Moody's.

Indes sind die Einlagen bei griechischen Banken im Juni auf den niedrigsten Stand seit Ende 2003 gesunken. Da zahlreiche verunsicherte Kunden ihre Konten leerten, schrumpften die Einlagen im vergangenen Monat um rund acht Milliarden Euro auf 127,5 Milliarden Euro, wie am Montag veröffentlichte Daten der Europäischen Zentralbank (EZB) zeigten.

Wegen des massiven Geldabflusses hatte die griechische Regierung am 28. Juni die Reißleine gezogen und Kapitalverkehrskontrollen eingeführt. Die Banken blieben drei Wochen lang geschlossen. Inzwischen haben die Geldhäuser zwar wieder geöffnet, doch es gibt immer noch Beschränkungen. So liegt beispielsweise die Höchstgrenze für Geldabhebungen weiterhin bei 420 Euro wöchentlich.

Aus Sorge, Griechenland könnte aus dem Euro ausscheiden, haben zahlreiche Bankkunden in den vergangenen Monaten Milliarden von ihren Konten abgeräumt. Den Instituten drohte buchstäblich das Geld auszugehen. Nur mit Notfall-Hilfen, die von der EZB genehmigt wurden, konnten die Banken über Wasser gehalten werden

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×