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10.07.2015

11:07 Uhr

Griechenland-Krise

Bank Austria legt sich Geldpuffer zu

Im Zuge des Schuldenstreits mit Griechenland hortet die Bank Austria Liquidität. Alle Banken der Unicredit-Tochter sind bereits mit Geldpuffern ausgestattet worden. Diese seien „komfortabel“.

Die Bank reagiert auf die Schuldenkrise in Griechenland. Reuters

Logo der Bank Austria

Die Bank reagiert auf die Schuldenkrise in Griechenland.

WienDie Unicredit-Tochter Bank Austria hat sich angesichts der Hängepartie im Schuldenstreit mit Griechenland mit Geld eingedeckt. „Für jede Krise gilt: Die erste Reaktion muss sein, für ausreichende Liquidität zu sorgen. Sie können eine noch so gesunde Bank mit starken Kunden haben – wenn sie nicht mehr flüssig sind, gehen sie schlagartig unter“, sagte Unicredit-Osteuropachef Carlo Vivaldi in einem am Freitag veröffentlichten Interview mit der österreichischen Tageszeitung „Kurier“.

„Also haben wir uns mit komfortablen Geldpuffern gerüstet. In allen unseren Banken“, sagte der Manager. Zudem stehe die EZB bereit, um notfalls mit zusätzlicher Liquidität einzugreifen. Ansteckungseffekte auf andere Länder in Osteuropa seien derzeit nicht zu befürchten.

Diese Banken erwarten den „Grexit”

Schreckgespenst „Grexit”

Bis zum 12. Juli hat Griechenland noch die Chance, sich vor der Pleite zu retten. So viel Zeit haben die Gläubiger der griechischen Regierung gegeben, um kompromisstaugliche Reformvorschläge vorzulegen. Für viele Analysten ist der Deal aber bereits gelaufen. Seit dem Referendum, bei dem mehr als 60 Prozent der Griechen mit einem „Nein” gegen die Sparauflagen der Gläubiger stimmte, rechnen viele Banken mit einem Euro-Austritt Griechenlands, einem „Grexit”. Und die Liste der Pessimisten wird immer länger.

Bank of America Merrill Lynch

„Wir glauben, dass im Moment alle nötigen Bedingungen für einen „Grexit” vorhanden sind. Offenbar sieht das die Mehrheit der anderen EU-Staaten ähnlich. Es gibt zwar eine kleine Chance, ihn abzuwenden. Aber dazu müsste Tsipras die Gläubiger schon positiv überraschen.”

Barclays

„Der Austritt Griechenlands ist für uns das wahrscheinlichste Szenario. Sich mit der griechischen Regierung auf einen Kompromiss zu verständigen, wird für die EU-Politiker wird extrem schwer sein. Sie hat bereits einen Deal abgelehnt und einen neuen Kompromiss wird sie der Bevölkerung zu Hause nur schwer verkaufen können.”

Citigroup

„Wir haben unsere Meinung geändert und glauben nun, dass ein „Grexit” das wahrscheinlichste Szenario darstellt. Entweder wird das kurzfristig innerhalb der nächsten Monate passieren oder aber in den nächsten ein bis drei Jahren. Die die zu unserer Meinungsänderung beigetragen haben, sind das Nein-Referendum am 5. Juli sowie die Einführung von Kapitalverkehrskontrollen. Trotz des höheren Austrittsrisikos glauben wir dennoch, dass ein kurzfristiger Deal zustande kommen kann. Doch selbst ein solcher Kompromiss wird das mittelfristige Risiko für einen „Grexit” nicht vom Tisch räumen können. ” 

Deutsche Bank

„Dass ein Deal am Sonntag kurz nach Mitternacht zustande kommt, ist möglich. Aber es wird knapp.”

JP Morgan

„Ein „Grexit” erscheint uns derzeit wahrscheinlicher als kein „Grexit”.”

BMO Capital Markets

„Wir glauben, dass Griechenland mit einer 60-prozentigen Wahrscheinlichkeit in der nahen Zukunft den Euro verlässt.”

Industrial and Commercial Bank of China (ICBC)

„Ein Austritt Griechenlands könnte der Tropfen sein, der für die globalen Märkte für Aktien, Devisen und Anleihen das Fass zum Überlaufen bringt. Bereits jetzt drohen Risiken durch eine mögliche Änderung der US-Geldpolitik. Auch droht Ansteckungsgefahr für die Märkte anderer Industrienationen, auf welche diese nicht unbedingt schnell reagieren könnten.”

ING

„Ein Kompromiss ist zwar nach wie vor möglich. Doch die scharfen Worte der EU-Politiker in den vergangenen Woche in Richtung Griechenland legen nahe, dass nicht nur die Zeit für einen Deal knapp wird, sondern auch die Geduld der Gläubiger.”

Für die zum Verkauf stehende Unicredit-Tochter in der Ukraine gebe es weiterhin Interessenten. „Wir führen Verkaufsgespräche“, sagte Vivaldi. Die russische Tochter – ein wichtiger Ertragsbringer – entwickle sich besser als erwartet. „Wir lagen schon im ersten Quartal 2015 über unseren Planzahlen. Sicher, der Gewinn ist geringer als in der entsprechenden Vorjahresperiode, aber das war zu erwarten“, sagte der Manager.

Die Unicredit leitet einen Großteil ihres Osteuropageschäfts über die Bank Austria. Sie ist der größte Kreditgeber in der Region vor der Raiffeisen Bank International und der Erste Group. Weitere Zukäufe seien derzeit nicht geplant. „Prinzipiell sind Länder interessant, wo wir wachsen wollen, wie Tschechien oder auch Portfolios in Rumänien, Türkei. Aber dazu muss der Preis stimmen, das Geschäft passen und Synergien ermöglichen. Im Moment liegt nichts auf meinem Tisch“, sagte Vivaldi.

Von

rtr

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