Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.02.2015

11:10 Uhr

Griechenland-Krise

Banken fordern harte Linie gegen Athen

Deutsche Banken lehnen im Schuldenstreit weitere Zugeständnisse an Griechenland ab. Aus ihrer Sicht wäre eine Pleite Athens wohl kein ganz großes Drama – die Institute sind für den Grexit bereits vorbereitet.

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zum Grexit

„Griechenland muss aus dem Euro austreten!“

Ifo-Chef Hans-Werner Sinn zum Grexit: „Griechenland muss aus dem Euro austreten!“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

FrankfurtDie Euro-Länder sollten im Schuldenstreit mit Griechenland nach Ansicht der deutschen Banken hart bleiben. „Wer Hilfsgelder braucht, muss auch eine strenge Kontrolle der Mittelverwendung zulassen“, sagte Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbands der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), am Dienstag. „Die Spielräume sind für die europäischen Partner gering, weil die griechische Regierung ihren Wählern das Blaue vom Himmel versprochen hat. Internationale Hilfe auf der Basis eines Vertrauensvorschusses ist aktuell keine Option.“

Viele andere Finanzmanager sind der gleichen Meinung. Die europäischen Regierungen dürften keine größeren Zugeständnisse an Griechenland machen, weil sonst auch Spanien, Italien oder Portugal ein Abweichen von ihren Reformanstrengungen fordern könnten, sagte ein hochrangiger deutscher Banker. Falls Griechenland nicht auf die anderen Euro-Länder zugehe, werde das Land eben Pleite gehen. Für die Euro-Zone und das Finanzsystem sei das zu verkraften. Aus Sicht des Managers könnte ein Bankrott Griechenlands sogar „disziplinierende Wirkung“ auf andere Krisenstaaten haben.

Zahlen und Fakten zum griechischen Schuldendrama

Zwei Rettungspakete

Ausgezahlt wurden bis Anfang Februar: aus dem ersten Paket bilaterale Kredite der Europartner über 53 Milliarden Euro, aus dem zweiten Paket 141 Milliarden Euro.

Schuldenberg

Trotz eines Schuldenschnitts 2012 umfasste er nach zuletzt verfügbaren Zahlen immer noch rund 315 Milliarden Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt sollen die Schulden von bislang über 170 Prozent bis auf 112 Prozent im Jahr 2022 gedrückt werden.

Laufzeiten

Die Hilfskredite unter dem Euro-Rettungsschirm EFSF haben jetzt schon eine durchschnittliche Laufzeit von rund 32 Jahren. Die ohnehin niedrigen Zinsen werden erst von 2022 an fällig. Auch die Tilgung beginnt beim EFSF erst 2022.

Verlängerung

Das laufende Kredithilfsprogramm der Europäer wurde bereits bis Ende Februar verlängert. Eine weitere Verlängerung müsste von Athen beantragt werden. Parlamente einiger Staaten müssten aber zustimmen. Es stehen im Programm noch 1,8 Milliarden Euro bereit.

Weitere Hilfen

Eine angedachte vorbeugende Kreditlinie von rund 11 Milliarden Euro soll es bislang nur dann geben, wenn das laufende Rettungsprogramm abgeschlossen ist, also die Spar- und Reformauflagen erfüllt werden. Seit kurzem dürfen griechische Banken keine Staatsanleihen des Landes mehr als Sicherheiten für Geld der Europäischen Zentralbank (EZB) hinterlegen. Vorerst bekommen die Banken noch Notkredite (ELA) der griechischen Notenbank. Dem Vernehmen nach hat der EZB-Rat bislang ein ELA-Volumen von bis zu 65 Milliarden Euro bewilligt.

Griechenland droht die Pleite, wenn ein bis Ende Februar laufendes Hilfspaket nicht verlängert wird. Die Euro-Länder haben Griechenland eine Frist bis Freitag gesetzt, um eine Fortsetzung des Programms zu beantragen. Die neue linke Regierung in Athen lehnt das bisher jedoch ab, weil die Sparauflagen des Programms aus ihrer Sicht zu hart sind.

Die deutschen Banken sind in Griechenland inzwischen nur noch in überschaubarem Maße engagiert. Zwar haben sie dort – Stand September 2014 – gut 23 Milliarden Euro im Feuer. Davon entfallen laut dem Privatbankenverband BdB aber nur 4,6 Milliarden auf Banken und 3,6 Milliarden auf Unternehmen und Privatpersonen. Der größte Teil – gut 15 Milliarden Euro – sind Forderungen gegenüber öffentlichen Haushalten, die fast ausschließlich von der Staatsbank KfW gehalten werden. Dabei handelte es sich um KfW-Kredite aus dem ersten Hilfspaket für Griechenland, für die der Bund in voller Höhe bürgt.

Viele deutsche Banken haben bereits Notfallpläne, wie sie auf eine Pleite Griechenlands reagieren würden. Sollte Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einführen oder zur Drachme zurückkehren, müssten Geldhäuser einige technische Umstellungen vornehmen, sagte ein Bankvorstand. Das sei jedoch relativ einfach möglich. Unsicherheit gebe es lediglich, wie die Kapitalmärkte auf eine Pleite Griechenlands reagieren würden. Mittelfristig wird es nach seiner Einschätzung keine großen Verwerfungen geben, kurzfristig könnte ein „Grexit“ aber sehr wohl zu starken Ausschlägen führen.

Von

rtr

Kommentare (16)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr walter danielis

17.02.2015, 11:34 Uhr

Ich denke die EU wird den Schwanz einziehen und weiter zahlen. Man hat Angst vor Nachahmerstaaten. Also alternativlos! Eine hübsche Verpackung wird sich finden.

Herr Rene Weiß

17.02.2015, 11:47 Uhr

Ich denke auch, dass eine Pleite und deren Folgen disziplinierend wirken kann. Wenn sich die EU erpressen läßt, hat der Schrecken nie ein Ende, ggf. finden andere Länder (bzw. deren Wähler) das auch noch als nachahmenswertes Vorbild.

Claus H.

17.02.2015, 11:56 Uhr

Die Banken sind echt die letzten, die zu dem Thema irgendetwas sagen sollten. Sie sind immerhin die Ursache des ganzen Schlamassels...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×