Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

22.07.2011

14:10 Uhr

Griechenland-Rettung

Banken „können mit der Lösung nicht unzufrieden sein“

VonTino Andresen

Banken und Versicherungen stellen ihren freiwilligen Beitrag zur Rettung Griechenlands als schmerzhaftes Opfer dar. Doch so schlecht kommen sie mit der nun vereinbarten Lösung nicht davon.

Haben eine Lösung zur Rettung Griechenlands gefunden: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker (l.) und der IIF-Vorsitzende Josef Ackermann (bei einem Treffen in Luxemburg Mitte Juli). Quelle: AFP

Haben eine Lösung zur Rettung Griechenlands gefunden: Euro-Gruppen-Chef Jean-Claude Juncker (l.) und der IIF-Vorsitzende Josef Ackermann (bei einem Treffen in Luxemburg Mitte Juli).

„Ja, das trifft uns hart.“ Mit diesen Worten bewertete Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann die Ergebnisse des Euro-Krisengipfels. Er hatte zuvor mit am Tisch gesessen bei den Verhandlungen – in seiner Funktion als Vorsitzender des internationalen Branchenverbands Institute of International Finance (IIF). Kritiker monieren, dass er damit übertreibt und die Finanzbranche besser fährt als von ihm dargestellt. Da lohnt sich ein Blick ins Detail.

Das neue Rettungspaket umfasst 109 Milliarden Euro und zusätzlich einen Beitrag der privaten Gläubiger von bis zu 37 Milliarden Euro. Diese haben vier Möglichkeiten, um ihre Anleihen umzutauschen oder deren Laufzeit zu verlängern. Weitere 12,6 Milliarden Euro sollen die privaten Gläubiger beisteuern, indem sie alte griechische Anleihen unter dem Nominalwert an den Rettungsfonds EFSF verkaufen.

In jedem Fall machen die Banken und Versicherungen im Vergleich zum Nennwert der Anleihe einen Verlust. Nach Ackermanns Worten belaufen sich die Abschreibungen, welche die Geldhäuser auf griechische Positionen vornehmen, auf 21 Prozent.

Wirtschaftsprüfer und Top-Banker hatten zuvor 30 bis 50 Prozent für realistisch gehalten. „Wir hatten alle deutlich höhere Belastungen erwartet“, sagte ein Bankenvertreter am Freitag laut der Nachrichtenagentur Reuters . „Das überfordert die Branche nicht.“

Ergebnisse des Euro-Krisengipfels

Neue Kredite

Griechenland soll vom europäischen Krisenfonds für wackelnde Eurostaaten (EFSF) Kredite zu niedrigen Zinssätzen von rund 3,5 Prozent bekommen. Die Laufzeiten der Kredite sollen von bisher siebeneinhalb Jahren auf 15 bis 30 Jahre gestreckt werden. Ein umfangreiches Wachstums- und Investitionsprogramm soll Griechenland in Zusammenarbeit mit der EU-Kommission wieder auf die Beine bringen. Der Internationale Währungsfonds (IWF) wird angehalten, sich am Hilfsprogramm zu beteiligen. Auch die Laufzeiten der Kredite aus dem bereits existierenden Rettungsprogramm von 2010 sollen deutlich verlängert werden.

Einbeziehung von Banken

Der Finanzsektor wird sich auf freiwilliger Basis mit einer Reihe von Optionen an der Rettung Griechenlands beteiligen. Der Nettobeitrag der Banken soll bei 37 Milliarden Euro liegen - für die Zeit von jetzt bis 2014. Zusätzlich wird ein Betrag von 12,6 Milliarden Euro genannt für ein Schuldenrückkaufprogramm. Legt man den Zeitraum von 2011 bis 2019 zugrunde, beträgt der Nettobeitrag des privaten Sektors laut Abschlusserklärung 106 Milliarden Euro.

Neue Aufgaben für Krisenfonds

Der EFSF-Fonds bekommt neue Aufgaben. Er kann künftig zum Ankauf von Staatsanleihen genutzt werden - aber unter strikten Bedingungen. Zudem soll der Rettungsfonds vorbeugende Programme für Wackelkandidaten im Eurogebiet auflegen dürfen. Der EFSF wird nicht aufgestockt.

Irland und Portugal

Auch für Portugal und Irland, die ebenfalls von milliardenschweren Hilfsprogramm der Partner profitieren, sollen die Ausleihbedingungen des EFSF gelten.

Budgetdefizite

EU-weit sollen Budgetdefizite bis 2013 möglichst auf unter drei Prozent gedrückt werden. Das Sparpaket Italiens, mit dem dies bis 2012 erreicht werden soll, fand lobende Worte. Ebenso wurden die Reformanstrengungen von Spanien begrüßt.

Banken-Stresstests

Für durchgefallene Banken sollen die Euro-Länder entsprechende Auffangmaßnahmen bereitstellen.

Wirtschaftliche Koordination

Bei der geplanten Wirtschaftsregierung machen die Staats- und Regierungschefs Druck: Die seit Anfang Juli amtierende polnische EU-Präsidentschaft hat den Auftrag, die festgefahrenen Verhandlungen mit dem Europäischen Parlament voranzubringen.

Rating-Agenturen

Die Regierungschefs sind sich einig, dass die Macht der Rating-Agenturen eingedämmt werden muss. Vorschläge der Kommission zum Umgang mit den Agenturen werden erwartet. Außerdem wollen die Europäer eine eigene international bedeutende Ratingagentur etablieren.

Krisenmanagement

In der Eurozone soll das Krisenmanagement verbessert werden. Bis Oktober sollen EU-Ratspräsident Herman Van Rompuy, Kommissionspräsident José Manuel Barroso und der Vorsitzenden der Eurogruppe, Jean-Claude Juncker, konkrete Vorschläge machen.

Banken und Versicherer konnten angesichts der Probleme Griechenlands nicht mehr ernsthaft davon ausgehen, für griechische Staatsanleihen jemals den Nennwert ausbezahlt zu bekommen. Vor wenigen Tagen notierten griechische Staatsanleihen am Markt nur noch bei der Hälfte dieses Wertes.

Die Banken mussten wohl schon für das zweite Quartal hohe Abschreibungen auf griechische Staatsanleihen vornehmen, die sich etwa für die Commerzbank auf schätzungsweise bis zu 900 Millionen Euro belaufen. Denn die Anleihen sind ganz überwiegend im Bankbuch verbucht, wo sie im Gegensatz zum Handelsbuch nicht zum Marktwert bilanziert werden müssen. So sind bei den 90 kürzlich im Stresstest überprüften europäischen Banken laut einer Analyse der „Financial Times“ nur griechische Anleihen im Wert von 3,9 Milliarden Euro zu Marktpreisen verbucht, dagegen Anleihen im Wert von 78,8 Milliarden Euro zum Nennwert.

Kommentare (35)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Hercules-Veritas

22.07.2011, 11:37 Uhr

Das ist Volksverdummung!

Die betroffenen Banken werden ganz, ganz,... große Geschenke gemacht.

Griechenland ist Pleite; der Wert der Anleihen ist 0 €.

Ich hätte den Banken einen Rückkaufswert von 10% des Banken-Buchwertes angeboten....; damit wäre auch dem Verursacher-Prinzip genüge getan!

Aber in Deutschland in einem rechtsfreien Raum; oder soll der Sachverhalt gekennzeichnet werden, wenn massive Rechts-und Verfassungsbrüche von den deutschen Volks(ver)tretern gegangen werden!

Dieses Ergebnis ist demokratie- und verfassungsfeindlich!°
Daher sollte die Anwendung des Widerstands-Paragraphen im Grundgesetz näher analysiert werden....

Hier wird die Zukunft des Deutschen Volkes verzockt und massiver Schaden generiert....

hamp

22.07.2011, 11:41 Uhr

silvercoin...so ist es...die bevolkerung in finnland oder sonst wo wird aber vorher diesen müll eine ende bereiten..aber was dann?...

es kommt zum krach zwischen die völker und die EU SS...das ist 100% sicher..

Account gelöscht!

22.07.2011, 11:44 Uhr

der Lobbyist und sein Kumpel, so schaut es aus. Herr Ackermann hilft Herrn Juncker im Gegenzug dabei, Deutschland als Zahlmeister noch mehr auszubluten.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×