Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

29.06.2011

14:48 Uhr

Griechenland-Umschuldung

„Positive Signale von den Rating-Agenturen“

Banken und Politiker verhandeln intensiv über Griechenlands Rettung. Wenn alle Banken Europas das französische Modell umsetzten, dürfte sie das 30 Milliarden Euro kosten. Deutsche-Bank-Chef Ackermann meldet Bedenken an.

Origineller Protest: Ballon mit Griechenlandfahne vor dem Parlament in Athen. Quelle: dpa

Origineller Protest: Ballon mit Griechenlandfahne vor dem Parlament in Athen.

Frankfurt/Berlin/ParisDie Euro-Länder können Finanzkreisen zufolge wohl bald eine wichtige Hürde auf dem Weg zu einem Rettungspaket für Griechenland nehmen. Die für den Erfolg einer Umschuldung wichtigen Rating-Agenturen hätten sich positiv zu dem vorliegenden französischen Plan geäußert, sagten mehrere Bankenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch. „Es gibt gute Signale von den Agenturen“, betonte einer von ihnen. Die Bonitätswächter selbst äußerten sich bislang nicht zu den Vorschlägen, wie sich private Gläubiger an einem Rettungspaket beteiligen können.

Wichtig ist, dass sich Banken und Versicherer freiwillig an einer Umschuldung beteiligen, da die Rating-Agenturen Griechenland sonst als zahlungsunfähig einstufen. Das würde das hoch verschuldete Land endgültig von den Finanzmärkten abschneiden und Investoren weltweit in Nöte bringen. Der von deutschen Banken favorisierte französische Plan sieht vor, dass die Gläubiger bei Fälligkeit der alten Griechenland-Anleihen mindestens die Hälfte des Geldes wieder in neue Bonds anlegen.

„Dieser Plan wurde von Banken in Frankreich erarbeitet - daher wird er wohl nicht als politisches Diktat wahrgenommen“, sagte ein Banker mit Blick auf das Votum der Rating-Agenturen. Das Modell enthält zudem Anreize, wie einen vergleichsweise attraktiven Zins von bis zu acht Prozent für die neuen Papiere, die eine Beteiligung der Investoren wahrscheinlich machen.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann hat unterdessen eine Pleite Griechenlands als „Kernschmelze“ bezeichnet, die für Europa noch größere Folgen als die Lehman-Pleite hätte. Das sagte er am Mittwoch in Berlin. Zugleich warnte er vor einem Schnellschuss bei der angestrebten Gläubigerbeteiligung an einem zweiten Hilfspaket für Griechenland. „Das klingt alles so einfach, freiwillig verlängern“, sagte Ackermann bei einer Konferenz der CDU/CSU-Bundestagsfraktion mit Blick auf eine mögliche Laufzeitverlängerung für griechische Anleihen.

Die Folgen für die Rechnungslegung, die Finanzwelt sowie die Ansteckungsproblematik müssten bedacht werden. Es gehe um „höchste Komplexität“. Grundsätzlich betonte Ackermann, alle Akteure wollten gemeinsam verhindern, „dass die Weltwirtschaft noch einmal wie 2008 an den Rande des Kollapses gerät“. Das Finanzministerium verhandelt derzeit mit Banken und Versicherern über einen freiwilligen, substanziellen Beitrag bei der Athen-Rettung.

Das französische Modell für eine Beteiligung der Banken an der Griechenland-Hilfe nimmt an, dass der Athener Regierung von Juli 2011 bis Juli 2014 netto 30 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt werden. Das geht aus einem Papier des französischen Bankenverbandes hervor, das der Nachrichtenagentur Dapd am Mittwoch vorlag.

Der Fahrplan der Griechenland-Rettung

27. Juni

Vom frühen Abend an debattiert das griechische Parlament in Athen über den drakonischen Sparplan von Ministerpräsident Giorgos Papandreou, der bis 2015 über Einsparungen, Steuererhöhungen und den Verkauf von Staatsbesitz 78 Milliarden Euro einbringen soll. Parallel wird hinter den Kulissen auf nationaler und internationaler Ebene mit der Finanzwirtschaft verhandelt: Es geht um den geforderten „substanziellen“ Beitrag der Privatwirtschaft an dem nächsten Rettungspaket für Griechenland.

28. Juni

Die Debatte im Parlament geht weiter. Gewerkschaften wollen am selben Tag das Land mit einem 48 Stunden langen Streik lahmlegen.

29. Juni

Abstimmung, Teil eins: Papandreou legt sein Sparpaket zur Abstimmung vor. Die Vertrauensabstimmung in der Vorwoche hat Zuversicht genährt, dass sich Papandreou auf seine Mehrheit von 155 der 300 Abgeordneten stützen kann. Weil es mutmaßliche Abweichler gibt, bleibt es aber spannend bis zur letzten Minute. Auch an diesem Tag soll weiter gestreikt werden.

30. Juni

Abstimmung, Teil zwei: Voraussichtlich werden die Abgeordneten über weitere Detailfragen zum Sparpaket abstimmen.

3. Juli

Auf einem Sondertreffen wollen die EU-Finanzminister die Weichen stellen: Geht in Athen alles wie geplant über die Bühne, können sie die dringend benötigten zwölf Milliarden Euro aus dem ersten, 100 Milliarden Euro schweren Rettungspaket freigeben. Außerdem wären dann die Voraussetzungen für das zweite Rettungspaket erfüllt - nach bisherigen Angaben bis zu 120 Milliarden Euro.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×