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29.06.2015

16:21 Uhr

Griechenland und die deutschen Banken

Kann das Griechen-Virus überspringen?

VonMichael Brächer

In Athen stehen die Menschen vor den Geldautomaten Schlange. In Deutschland scheint alles zu sein wie immer. Die Banken hierzulande geben sich gelassen. Doch was, wenn die Ansteckungsgefahr größer ist als gedacht?

Die Krise in Griechenland könnte auch auf deutsche Banken übergreifen. Reuters

Mann mit Schutzmaske

Die Krise in Griechenland könnte auch auf deutsche Banken übergreifen.

FrankfurtBanken funktionieren nur deshalb, weil ihre Kunden darauf vertrauen, dass sie ihre Ersparnisse tatsächlich wiedersehen, wenn sie gebraucht werden. Was geschieht, wenn dieses Vertrauen wegbricht, zeigte sich am Wochenende in Athen: Die Menschen versuchten, ihr Geld am Automaten abzuheben – und brachten die ohnehin schon klammen griechischen Banken noch weiter in Schwierigkeiten.

Manch einer mag sich da fragen, wie gut die deutschen Institute darauf vorbereitet sind, sollte Griechenland den Euro verlassen. „Nur keine Panik“, lautet die Sprachregelung der deutschen Banken. Doch daran kann man zumindest zweifeln. Das zeigt die Reaktion am Aktienmarkt, an dem Deutsche Bank und Commerzbank zu den größten Verlierern zählen. Kein Plan – so die Befürchtung – ist so gut, dass er nicht vom Schicksal durchkreuzt werden könnte.

Die großen Banken indessen sagen, sie seien auf einen Grexit gut vorbereitet, die nötigen Pläne lägen in der Schublade: „Wir haben in den vergangenen beiden Monaten alle Szenarien durchgespielt“, sagte etwa der Topmanager einer europäischen Großbank dem Handelsblatt. Seine Mitarbeiter haben „Trockenläufe“ durchgeführt, um sich gegen die Folgen eines Grexits zu wappnen.

Auch die Deutsche Bank verbreitet Zuversicht. Sie habe „ausreichende Sicherheitsmechanismen, um ihre Geschäftsaktivitäten sowie Kundenservices zu gewährleisten“, heißt es bei Deutschlands größtem Institut. Am Nachmittag melden sich auch die deutschen Privatbanken als Verband zu Wort.

Zwar könnten „die mit Kapitalverkehrskontrollen einhergehenden Beschränkungen im grenzüberschreitenden Zahlungsverkehr den Handel mit Griechenland kurzfristig beeinträchtigen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer. Doch seien diesmal keine Ansteckungseffekte auf andere Euro-Staaten zu befürchten.

Viele deutsche Banken haben alle Zahlungen über griechische Institute am Montag vorerst gestoppt oder versuchen sie über andere Institute umzuleiten, wie mehrere hochrangige Manager Reuters erklärten. „Die Kunden sind da recht verständnisvoll“, sagte ein Bankvorstand. Überweisungen im Zahlungsverkehr, die normalerweise automatisiert abliefen, würden in dieser Situation „auf Handbetrieb umgestellt“, müssten also in jedem Einzelfall überprüft werden.

So sind die unmittelbaren Effekte einer Griechenland-Pleite also ein Management-Problem: Welche Kunden sind überhaupt betroffen? Wo gibt es Zahlungsströme, die umgeleitet werden müssen? Dass schon hier einiges schiefgehen kann, zeigt ein Fehler aus dem Jahr 2009, die der staatlichen Förderbank KfW bis heute anhaftet. Auf deren Computer war Verlass: Pünktlich am Montagmorgen des 15. September 2009 überwiesen sie rund 300 Millionen Euro in die USA.

Kommentare (22)

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29.06.2015, 16:09 Uhr

letztendlich hat der Bankkunde und die Bevölkerung selbst eine unglaubliche Macht; wenn die das jemals erkennen ... würde den Regierungen und der schicken EU-Kommission die Beine schlackern.
Man könnte soviel Schwachsinniges auf diesem Erdball verhindern...

Herr Tom Schmidt

29.06.2015, 16:27 Uhr

Was für ein seltsamer Artikel? Was für Ansteckungsmechanismen?

1. Der Euro steigt jedes mal, wenn die "Euroretter" eine Pleite erleben, dieses Wochenende war das etwas anders, aktuell ist der Euro wieder auf dem Stand vom 26.6., gegenüber April dicke im plus (da war er bei 1,06$!)
2. Die Börse hatte die letzte Woche wahnsinnige Gewinne eingefahren, weil es hiess, es gäbe eine Einigung mit Griechenland. Jetzt ist sie wieder da, wo sie vorher war! Ergo, keine Reaktion!
3. Es sollte zu denken geben, dass die Euroretter wenn es für sie läuft, steigende Aktienklurse und fallende Eurokurse produzieren (und umgekehrt)!
4. siehe 3.: dieses Kursverhalten spricht dafür, dass im Falle der Eurorettung alle aus dem Euro flüchten! Nicht mehr! Den Amerikanern ist es egal, keine Rekation dort (warum auch. Californien ist auch pleite und das interessiert niemanden... oder Costa Rica...)
5. Die Ansteckungsgefahr mag 2009 eine Gefahr gewense sein, die Lobbyisten haben daraus gemacht, dass es ein Ergebnis von Lehman war, real gesehen war es umgekehrt, aber sie haben halt den Politkern wegen unabsehbaren Folgen halt Angst gemacht. Das Thema bekommen sie jetzt nicht weg. Aktuell kann man sicher sein, dass an einer Legende gestrickt wird, warum irgendjemand jetzt heldenhaft die Reaktionsketter verhindert hat. Real gesehen gab es die nie, warum auch? Diue Finanzwelt schaut sich alle Staaten einzeln an, und wenn irgendwo ein Idiot an die Macht kommt, ziehen sie sich halt zurück, So soll das aber auch sein!!!

Herr Sascha Fischer

29.06.2015, 16:57 Uhr

Ich frage mich auch, was diese Frage wirklich soll.
Jeder weiss, dass Banken extrem wenig Eigenkapital haben und jeder weiss, dass Banken nur 10% des verliehenen Geldes als Einlagen vorhalten müssen.

Wenn ein großer Teil der Leute ihre Einlagen wiederhaben will, dann fällt JEDE Bank um.
Ist halt so, wenn ich 5 Milliarden Euro verliehen, aber nur 500 Mio Einlagen in den Büchern stehen habe.

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