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15.06.2012

10:11 Uhr

Griechenland-Wahl

Europas Banken bereiten sich auf den Ernstfall vor

Die Vorstände in Griechenland sind nervös. Sie bereiten sich auf alle Eventualitäten vor. So können auch bereits Computersysteme im Drachmen-Modus laufen.

Griechenland steht kurz vor den Parlamentswahlen. dpa

Griechenland steht kurz vor den Parlamentswahlen.

An der Börse in Athen dominierte gestern der Optimismus. Der Leitindex ASE stieg um gut zehn Prozent, weil Anleger einen Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone nach den Wahlen an diesem Sonntag wieder als wahrscheinlicher annahmen. Mit ihnen hoffen Banker und Versicherer, Notenbanker und Fondsverwalter. "Wir halten die Wahrscheinlichkeit eines Exits von Griechenland für sehr, sehr gering", sagte der Finanzvorstand der Deutschen Bank, Stefan Krause. "Natürlich haben wir uns aber auch überlegt: Was müssten wir in den ersten Stunden machen, wenn es anders kommt." Denn so ganz sicher ist sich auch niemand.

Und so haben sich Banken, Versicherer oder Fondsanbieter in Frankfurt, London und Paris auf den Notfall vorbereitet - so gut dies bei allen Unsicherheiten über die Folgen eines solchen Austritts eben geht. Der Unternehmensberater BCG hat einen 100-Punkte-Plan aufgestellt, mit dem er Großbanken bei einer Wiedereinführung der griechischen Drachme krisenfest machen will. Auf 50 Seiten wird der Schwerpunkt bei der IT gelegt, der Informationstechnologie der Banken, wo es bei einem Austritt Griechenlands aus der Euro-Zone viele Anpassungen gäbe.

Mögliche Szenarien nach den Griechenland-Wahlen

Szenario 1

Das Szenario der breiten Regierung der Nationalen Rettung: An dieser könnten die drei wichtigsten Parteien, die Konservativen, die Linksradikalen und die Sozialisten teilnehmen. Hinzu könne auch die gemäßigte kleine linke Partei Demokratische Linke kommen. Gemeinsamer Nenner dieser Koalition wäre, dass das Land im Euroland bleibt. Gleichzeitig soll aber auch eine Lockerung des Sparprogramms gefordert werden, weil die Sparmaßnahmen die Wirtschaft abgewürgt haben. Dies Regierung würde stabil und handlungsfähig sein, weil sie mehr als 70 Prozent der Bevölkerung vertreten und eine überragende Mehrheit im Parlament haben würde.

Szenario 2

Das zweite Szenario wäre eine Kooperation zwischen den klar pro-europäischen Parteien der Konservativen der Nea Dimokratia (ND), der Sozialisten (Pasok) und der kleinen Demokratischen Linken (Dimar). Hier beginnen aber schon die ersten Probleme. Denn das Bündnis der radikalen Linken (Syriza), zu dem mittlerweile die meisten etablierten und ehemals privilegierten Gewerkschaftsführer von den Sozialisten übergelaufen sind, könnten zusammen mit den Kommunisten (KKE) das Land mit Streiks und Demonstrationen ins totale Chaos stürzen.

Szenario 3

Das letzte und schlimmste Szenario ist, dass die Politiker sich erneut nicht einigen. Dann müssten wieder Neuwahlen angesetzt werden. Das Land wäre dann für weitere sechs Wochen ohne handlungsfähige Regierung und könnte irgendwann einfach zusammenbrechen. Das Geld für Medikamente, Löhne und Renten reicht nur noch bis Mitte Juli.

Szenario 4

Eine dritte mögliche Regierungskoalition wäre eine Kooperation der Linksradikalen mit der Demokratischen Linken, falls beide genug Sitze im Parlament erobern. Die Demokratische Linke scheint jedoch nicht bereit zu sein, an einer solchen linken Koalition teilzunehmen. Das Gleiche gilt auch für die Kommunisten. Demnach wäre eine Koalition der Linksradikalen mit den Sozialisten und der Demokratischen Linken eine Lösung, aber diese könnte daran scheitern, dass viele linke Politiker nicht mit den Sozialisten zusammenarbeiten wollen.

Krause sagte, man könne etwa durchspielen, was es technisch bedeutet, wenn Griechenland Kapitalverkehrskontrollen einführt. Ein Frankfurter Institut ergänzt unter der Hand, selbst für die Aussetzung des Euro-Zahlungssystems Target für einen halben Tag oder Ähnliches müssten die Institute Notfallpläne erarbeitet haben. "Aber letztlich", so Krause, "wissen wir nicht, wie die Dominosteine bei einem Exit fallen würden, ein kontrollierter Prozess wäre sicher einfacher."

Der Vorstand der Hypo-Vereinsbank hat sich für Sonntag zu einer Telefonkonferenz verabredet, um schnell reagieren zu können. Als damals die US-Investmentbank Lehman Brothers pleiteging, überwies die deutsche Förderbank KfW dennoch 320 Millionen Euro an das Institut. So etwas will jedes Institut im Fall eines Euro-Austritts Griechenlands verhindern.

Countdown für Griechenlandwahl läuft

Video: Countdown für Griechenlandwahl läuft

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Kommentare (19)

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Petra

15.06.2012, 10:31 Uhr

Die Erde wird sich weiterdrehen und hat schon viel schlimmere Ereignisse überlebt.
Griechenland wird als das Land in Erinnerung bleiben, das als erstes (!) Land den Euro verlässt. Nach einer Abwertung der neuen Drachme werden andere Länder folgen und auch eine Abwertung ihrer alten Währungen verlangen! Gleiches Recht für alle!

Account gelöscht!

15.06.2012, 10:31 Uhr

Seit einigen Tagen beobachte ich wie der DAX zugunsten der Südländer schrumpft.Wo ist die Furcht vor dem Zusammenbruch deren Volkswirtschaften? Es sieht ja fast so aus,als wären wir die Abstrurzkandidaten.
Erstaunlich finde ich die Vermögenszuwächse. So haben die Südländer doppelt soviel Immobilienbesitz als wir und kaufen auf Pump unsere Firmen auf. Sollen wir trotzdem deren Banken retten?

Shorty

15.06.2012, 10:40 Uhr

Das Spardiktat gehört in die Rubrik Absichtserklärung - Propaganda und Desinformation. Würde die Absicht umgesetzt, schösse die Inflation in den Himmel.
Wer noch alle Sinne beisammen hat und die Täuschung durchschaut, weiß auch warum. Deshalb wird der Leben wie ein König und seine Kohle verschwenden.

Die Märe vom Sozialismus ist die Initiative derer, die ihre Sparkonten schmelzen sehen. Vormals für die EU, glauben sie jetzt, sie könnte mit dieser Desinformation Vorteile aus dem Sparen ziehen. Siehe oben, dafür ist es zu spät. Vernünftiger wäre gewesen, von vorne herein gegen EU und Euro auf die Straße zu gehen, statt jetzt als beleidgte Leberwurst aufzutreten. Denn das Ersparte ist schon weg. Sie wissen es nur noch nicht.

Zwischen Turbo-Kapitalismus und Sozialismus steht immer noch der "Antifaschistische Schutzwall", weil die Systeme nicht kompatibel sind.
Honecker hatte hier nämlich recht. Die Mauer wird in 50 und 100 Jahren immer noch stehen.

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