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03.07.2015

17:11 Uhr

Griechische Banken

Das Geld reicht nur bis Montag

Keine Nation kann ohne Banksystem überleben, sagt das maltesische Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank. Doch das Ende der griechischen Banken deutet sich ohne neue EZB-Hilfe an: und zwar für Dienstagmorgen.

Die Alpha-Bank zählt zu den vier großen Instituten Griechenlands. dpa

Bankfiliale in Athen

Die Alpha-Bank zählt zu den vier großen Instituten Griechenlands.

Athen/DüsseldorfDie griechischen Banken haben nach eigenen Angaben nur noch genug Liquiditätspolster, um bis zum Wochenbeginn durchzuhalten. Nach Angaben ihres Branchenverbandes beträgt der Puffer der Institute eine Milliarde Euro, der bis Montag reiche. Danach hänge die Lage von der Europäischen Zentralbank ab, erklärt der Verband.

Am Montagabend hatte bereits der Chef der deutschen Finanzaufsichtsbehörde Bafin gewarnt: Wenn sich an der Situation in Griechenland nichts ändere, drohe innerhalb weniger Tage die Insolvenz der Institute, so Felix Hufeld. „Ob das zwei, drei, vier oder fünf Tage sind, da können Sie stundenlang darüber streiten“, sagte er. Hufeld sitzt im 25 Mitglieder zählenden Aufsichtsgremium der neuen EZB-Bankenaufsicht, die auch griechische Institute überwacht.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) stimmt derzeit regelmäßig über die ELA-Nothilfen ab, die von der griechischen Notenbank den Geschäftsbanken des Landes gewährt werden. Am Wochenende hatte die EZB die Höhe begrenzt und nicht weiter angehoben – anders als in den Wochen zuvor. Durch die EZB-Entscheidung hatte sich die Finanzsituation bei den griechischen Geldhäusern akut verschärft, da sich die Bargeldabhebungen am Wochenende extrem beschleunigt hatten. Die Regierung führte daraufhin Kapitalkontrollen ein und begrenzte die Abhebungen an Geldautomaten auf maximal 60 Euro pro Tag und Kunde. Nur Touristen dürfen mehr abheben; Rentner können 120 Euro pro Woche an Bankschaltern erhalten.

Bei der Volksabstimmung am Sonntag über die von den internationalen Gläubigern empfohlenen Sparauflagen für Griechenland, geht es indirekt auch um die Frage, wie die EZB mit den griechischen Instituten umgehen wird. Der EZB-Rat will sich in jedem Fall am Montag wieder mit der ELA-Höhe befassen. „Kommt es zu einem klaren 'Nein', darf die EZB aus unserer Sicht keine weiteren ELA-Notkredite genehmigen. In dem Fall würde das Bankensystem entgegen den Beteuerungen der griechischen Regierung vergleichsweise schnell kollabieren“, urteilen die Volkswirte der Hamburger Bank M.M. Warburg.

Die österreichische Nachrichtenagentur zitierte EZB-Ratsmitglied Ewald Nowotny am Freitag mit den Worten, der Rat werde „am Montag zu diskutieren haben, wie die Sache weitergeht.“ Insidern zufolge liegt derzeit der Gesamtrahmen für diese Notfall-Hilfen bei rund 89 Milliarden Euro. Kommt es zu keiner Erhöhung, droht dem griechischen Bankensystem das Aus, wie das Statement des Verbandes von Freitag deutlich macht. Die Ratingagentur Fitch hatte am Donnerstag eine Analyse veröffentlicht, wonach die griechischen Banken ohne Kapitalverkehrskontrolle, die den Transfer von Geld ins Ausland verhindern, bereits pleitegegangen seien.

Kommentare (15)

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Account gelöscht!

03.07.2015, 17:16 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Jürgen Dannenberg

03.07.2015, 17:23 Uhr

Keine Regierung kann ohne eine funktionierendes Bankensystem überleben, und das heißt doch im Klartext zurück zur Drachme? Oder sehe ich das falsch.

Herr Horst Kettler

03.07.2015, 17:26 Uhr

Herr von Stettin, wen bezeichnen Sie da als Sozialschmarotzer? Rentner und Arbeitslose? Also Personen, die tatsächlich Leistungen empfangen, zu denen sie vorher durch Beiträge einen Anspruch erworben haben.
Sollten Sie das nicht gemeint haben, dann hätten Sie sich schon ein wenig anders ausdrücken müssen.
Die Emotionalität Ihres Kommentars ist allerdings schon sehr befremdlich.

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