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17.12.2013

14:39 Uhr

Größte US-Bank

JP Morgan verbietet Nutzung von Chatrooms

JP Morgan Chase verbietet ihren Händlern die Nutzung von Chatrooms. Auch für soziale Zwecke sind die virtuellen Treffpunkte tabu. Die Internet-Plattformen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Aufsichtsbehörden.

JPMorgan verbietet seinen Mitarbeitern Chatrooms. Der Grund: Aufsichtsbehörden durchforsten Tausende Botschaften auf Internet-Plattformen, um Hinweise zu erhalten, ob Händler sich unerlaubt über Kurse austauschen. ap

JPMorgan verbietet seinen Mitarbeitern Chatrooms. Der Grund: Aufsichtsbehörden durchforsten Tausende Botschaften auf Internet-Plattformen, um Hinweise zu erhalten, ob Händler sich unerlaubt über Kurse austauschen.

LondonMit JP Morgan Chase verbietet nach Angaben eines Insiders nun auch die größte US-Bank ihren Händlern in Folge der Manipulationsskandale die Nutzung von Chatrooms. Die Angestellten dürfen die virtuellen Treffpunkte auch nicht mehr für ihre private Kommunikation nutzen, erklärte eine mit der Angelegenheit vertraute Person der Nachrichtenagentur Reuters am Dienstag.Das Verbot betreffe Chatrooms mit mehr als zwei Teilnehmern und werde noch in dieser Woche in Kraft treten. Der bilaterale Austausch zwischen JP Morgan-Händlern mit Kollegen anderer Banken werde ebenfalls überprüft, hieß es weiter. JP Morgan lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

Die Internet-Plattformen stehen im Mittelpunkt der Untersuchungen von Aufsichtsbehörden, die weltweit dem Verdacht von Manipulationen wichtiger Indizes und Referenzkurse durch eine Vielzahl von Banken nachgehen. Die Branchenaufseher durchforsten Tausende dieser Kurz-Botschaften, um Hinweise zu erhalten, ob sich Händler unerlaubt über Kurse ausgetauscht haben. Auf diese Weise waren sie schon Ungereimtheiten bei der Ermittlung des Libor- und Euribor-Interbankenzinssatzes auf die Spur gekommen. Allein der Libor-Skandal hat die Branche bereits Milliarden von Dollar an Strafzahlungen gekostet.

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Das Verbot der Chatrooms bei JP Morgan habe jedoch nicht direkt mit den Ermittlungen der Behörden wegen des Verdachts von Devisen-Manipulationen zu tun, erklärte der Insider. Vielmehr werde die Nutzung bereits seit Anfang des Jahres überprüft und nicht erst seit Beginn der Ermittlungen im Juni. „Hier ging es immer um mehr als um Devisen“, erklärte der Insider. Die informelle Atmosphäre der Chatrooms erhöhe ganz allgemein die Gefahr, dass sich Angestellte „unpassend“ äußern.

Andere Banken haben zuletzt ähnliche Schritte unternommen. So gab erst Anfang des Monats die Deutsche Bank bekannt, die Nutzung von Multi-Party-Chatrooms im Devisenhandel zu untersagen. Nach Reuters-Informationen haben auch die zusammen mit der Deutschen Bank im Devisenhandel weltweit führende US-Investmentbank Citi, die britische Barclays und die UBS Internet-Chats verboten.

Von

rtr

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