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17.07.2012

22:21 Uhr

Großbank HSBC

Verschleierungen und Geldwäsche-Verdacht

Die Bankbranche kommt nicht zur Ruhe. Ein weiterer Skandal sorgt für Furore. Jetzt musste der Chefaufseher der britischen Großbank HSBC zurücktreten. Es geht um Geldwäsche und Finanzierung des Terrorismus.

Glückloser Kontrolleur:  David Bagley, Head of Group Compliance bei der HSBC tritt zurück. AFP

Glückloser Kontrolleur: David Bagley, Head of Group Compliance bei der HSBC tritt zurück.

Ein weiterer schwerer Bankenskandal erschüttert Großbritannien: Die britische Großbank HSBC soll über Jahre Geldwäsche unterstützt haben. Aus Ländern wie Mexiko, Iran und Saudi-Arabien sollen HSBC-Filialen Milliarden in die USA transferiert und Drogenhändlern sowie Finanzierern des Terrorismus in die Hände gespielt haben, warf der US-Senat der Bank am Dienstag vor. Die Banker in der Londoner Zentrale hätten bei ihrer Aufsicht sträflich versagt.

HSBC entschuldigte sich bereits, räumte schwere Fehler ein und zog personelle Konsequenzen. Der Chefaufseher über die Unternehmenskultur („Head of Compliance“), David Bagley, trat am Dienstag zurück. Er gab seinen Rückzug in einer Anhörung vor einem Ausschuss des US-Senats bekannt. „Trotz bestmöglicher Anstrengungen und Absichten vieler Banker hat HSBC die eigenen Erwartungen und die der Aufsichtsbehörden nicht erfüllt“, sagte Bagley.

Die Nordamerika-Chefin von HSBC, Irene Dorner, sagte ebenfalls vor dem Ausschuss, sie bedauere die Fehler der Bank. Man habe umfassende Schritte unternommen, um die Defizite zu beheben. „Ich möchte ganz klar sagen, dass wir es zutiefst bedauern und uns dafür entschuldigen, dass die HSBC den Erwartungen unserer Regulierer, Kunden, Angestellten und der Öffentlichkeit nicht gerecht geworden sind“, sagte die Topmanagerin.

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„Wir haben aus unseren Erfahrungen in den USA gelernt und wenden diese nun auf einer globalen Basis an.“ Es seien Änderungen in der Unternehmenskultur, der Struktur, den Regeln und beim Personal der Bank vorgenommen worden, um den US-Kontrollstandards zu genügen. Dorner hatte 2010 die Leitung der nordamerikanischen Niederlassungen übernommen.

Der Fall HSBC wird in Großbritannien als weiterer Schlag für die Branche gewertet, die für das Land so wichtig ist. Mit Barclays ist eine weitere der vier großen britischen Banken wegen Manipulationen beim Libor-Zinssatz massiv in der Kritik. Die beiden anderen Großbanken, Royal Bank of Scotland und Lloyds, mussten in der Finanzkrise teilverstaatlicht werden.

Kommentare (3)

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ArmAmBeutelKrankDurchKorruption

17.07.2012, 19:53 Uhr

Oho, ihr armen Lloyds, kann man da im Nachinein nur zitieren. Ohne Häme, ohne Nachtreten. Die Gesetze, die ihr anderen stets aufs Auge drücken konnte, da haben sie doch alle den ZEITpunkt des Aufhörens, weil sie sich wahrscheinlich so sicher waren, gehörig verpaßt.

Wer ungebremst die Gesetze in schärfster Form angewandt wissen will, sollte das auch fordern, wenn er davon betroffen ist. Demut, die kann jeder Mensch in einer solchen Umerziehung lernen. Gewiß, in China würde das anders ausgehen, bevor der nächste Tag beginnt. In solchen Fällen, scheint jedoch Lebenslänglich auf windigen Inseln im Norden besser angebracht, als nahe dem Pacific Rim.

Account gelöscht!

17.07.2012, 21:06 Uhr

Scheibchenweise kommt nun ans Licht, was für ein hochkriminelles Betrügerpack in der Londoner City am Werk war und ist! Die Geschichte Englands ist eine einzige Ausbeuter- und Schmarotzer-Story. Waren es früher die Kolonien, die man ausgeplündert hat, so haben sich die Angelsachsen heute die Kapitalmärkte als Selbstbedienungsladen unter den Nagel gerissen, in dem man die übrigen Marktteilnehmer mit Lug und Trug hemmungs- und gewissenlos aussaugte. Den imperialistischen Habitus hat man nie abgelegt. Die Engländer haben sogar so exzessiv auf die Finanzwirtschaft gesetzt, dass sie mittlerweile in keinem Industriebereich mehr konkurrenzfähig sind. Diese Dummheit könnte sie nun bei einem Zusammenbruch der Kapitalmärkte dahin schicken, wo sie hingehören: In den Orkus!

MW65719

18.07.2012, 17:54 Uhr

Na wunderbar, Sie können Ihre Vorurteile wieder breittreten...

Wenn Sie den Artikel überhaupt gelesen hätten, dann wüssten Sie, dass der HSBC hier nicht Betrug vorgeworfen wird, sondern Schlamperei. Schlimm genug, auch teilweise sogar strafbar, aber doch noch etwas anderes.

Weil es im Artikel selbst nicht so genau beschrieben wird:
Alle im (internationalen) Zahlungsverkehr tätigen Banken sind dazu verpflichtet, in großem Maßstab "Big Brother" zu sein.
Jede einzelne grenzüberschreitende Zahlung (und teilweise / zukünftig auch nationale Zahlungen) muss von allen beteiligten Banken darauf geprüft werden, ob die Zahlungsparteien auf irgendwelchen Embargolisten (z.B. der USA oder der EU) stehen oder ob der Text im Verwendungszweck Anlass für einen Verdacht auf Geldwäsche etc. gibt. In einem solchen Fall muss die entsprechende zuständige Behörde im entsprechenden Land informiert und die Zahlung / das Guthaben "eingefroren" werden. Empfänger oder Auftraggeber sehen das Geld dann nur wieder, wenn die zuständige Behörde es freigibt.
Genauso müssen Banken inzwischen hinterfragen, wo z.B. größere Bareinzahlungen auf das Konto herkommen - und, wenn sie nicht zum Kunden passen, ggf. auch hier eine Verdachtsanzeige leisten und das Geld vorläufig einfrieren.
Dasselbe gilt dann auch schon für Kontoeröffnungen ... Osama zu heißen war bis vor kurzem ungünstig...

Und in diesem ganzen Gemenge hat die HSBC offensichtlich geschlampt, war nicht "bissig" oder neugierig genug

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