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11.04.2013

17:43 Uhr

Großbank

Lloyds ermittelt bei zwei Händlern wegen Libor

Die Ermittlungen im Libor-Skandal gehen weiter: Zwei Händler der britischen Bank Lloyds sollen in die Manipulation des Zinssatzes verstrickt gewesen sein. Dass auch leitende Manager involviert waren, ist nicht bewiesen.

Die Lloyds-Zentrale in London: Es wird gegen zwei Händler ermittelt. ap

Die Lloyds-Zentrale in London: Es wird gegen zwei Händler ermittelt.

Lloyds Banking Group ermittelt unterrichteten Kreisen zufolge bei zwei Geldmarkthändlern wegen ihrer angeblichen Rolle bei der Manipulation von Zinsen. Das berichten drei informierte Personen, die um Anonymität baten, da die Untersuchungen noch nicht abgeschlossen seien.

Andrew Reed, der die Eingaben der Bank zum Yen-Libor abgab, wurde im Juni wegen Beschuldigungen beurlaubt, er habe unangemessene Diskussionen über den Referenzzinssatz geführt, berichten zwei Personen. Die zweitgrößte britische Bank in Staatsbesitz untersucht auch die Kommunikation von Andrew Doe, einem Yen-Kassahändler und Zinsfestsetzer, der die Bank Mitte 2009 verließ, heißt es weiter.

„Wie viele andere in der Branche arbeitet die Bank mit verschiedenen Aufsichtsbehörden bei ihren anhaltenden Ermittlungen über die Festsetzung des Libor zusammen”, schrieb Lloyds in einer Erklärung. „Bis diese Ermittlungen abgeschlossen sind, wären weitere Kommentare für uns unangemessen.” Lloyds befindet sich nach einer staatlichen Rettungsaktion zu 39 Prozent in Staatsbesitz.

Die beiden Händler stehen derzeit im Mittelpunkt der Ermittlungen der Aufsichtsbehörden über die Beteiligung von Lloyds bei Versuchen, Referenzzinssätze zu manipulieren, berichtet eine der informierten Personen. An den Benchmarks orientieren sich weltweit Wertpapiere im Volumen von mehr als 300 Billionen Dollar. Die in London beheimatete Bank werde wohl kaum in diesem Jahr einen Vergleich mit den Aufsichtsbehörden erreichen, sagt eine der Personen. Bisher hätten die Ermittlungen keine Beweise erbracht, dass leitende Manager involviert waren, heißt es.

Die empfindlichsten Strafen für Banken

Hohe Bußgelder

Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.

Barclays

Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.

Barclays II

Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.

Goldman Sachs

Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.

ABN Amro

Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.

Credit Suisse

Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.

ING

Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.

Standard Chartered

Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.

Royal Bank of Scotland

Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.

HSBC

Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.

UBS

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.

UBS II

Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.

Großvergleich in den USA

Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten.

(Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Hingegen waren bei Royal Bank of Scotland Group Plc, Barclays Plc und UBS AG Dutzende von Händlern und ihre Vorgesetzten bei der Manipulation von Zinssätzen involviert, wie aus Dokumenten der Aufsichtsbehörden hervorgeht. Die drei Gesellschaften sind mit Geldbußen in Höhe von insgesamt 2,5 Mrd. Dollar belegt worden.

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