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31.01.2013

13:30 Uhr

Großbank

Schwedische SEB kündigt Gewinnrückgang an

Gewinnrückgang bei SEB: Das operative Ergebnis fiel im vierten Quartal um sieben Prozent. Insgesamt haben die skandinavischen Bankhäuser die Schuldenkrise gut überstanden. Die Eigenkapitalrendite soll steigen.

Schaufenster einer ehemaligen SEB-Filiale in Dortmund. dpa

Schaufenster einer ehemaligen SEB-Filiale in Dortmund.

IT-Abschreibungen und der Rückkauf von Wertpapieren haben der schwedischen Bank SEB zum Jahresende 2012 einen Gewinnrückgang eingebrockt. Das operative Ergebnis fiel im vierten Quartal um sieben Prozent auf umgerechnet rund 330 Millionen Euro, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. An der Börse gaben die Aktien daraufhin leicht nach.

So will Europa die Ratingagenturen zähmen

Welche Bedeutung haben Ratingagenturen?

Eine riesengroße. Sie bewerten, ob ein Unternehmen oder ein Staat geliehenes Geld pünktlich und vollständig zurückzahlen kann. Davon hängt die Bonität des Schuldners ab, das heißt sein Ansehen bei den Gläubigern. Viele Finanzakteure richten sich danach, so dürfen Fonds und Versicherer oft nur Anleihen mit einem bestimmten Rating halten.

Die Noten reichen von „Dreifach A“ bis „C“ oder „D“. Der Markt wird zu 95 Prozent von den drei überwiegend in den USA beheimateten Agenturen Standard & Poor's, Moody's sowie Fitch Ratings beherrscht.

Was wirft die EU den Ratingagenturen vor?

Dass sie die Krise verschlimmert haben. Ratingagenturen hätten die milliardenschweren Hilfspakete der Euro-Länder für Griechenland, Irland oder Portugal torpediert, lautet der Vorwurf. Schuld seien ihre „kurzfristigen und teilweise wahllosen Herabsenkungen“ der Bonität von Krisenstaaten, kritisiert der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann.

Dadurch hätten diese Staaten mehr Zinsen zahlen müssen, um sich frisches Geld an den Märkten zu beschaffen - wofür sie sich noch höher verschulden mussten. Der zuständige EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier sagt: „Wir alle wissen, dass die Ratingagenturen stark zur Finanzkrise beigetragen haben.“

Dürfen Ratingagenturen Euro-Krisenstaaten überhaupt noch bewerten?

Ja. Mit einem Verbot konnte sich EU-Kommissar Barnier nicht durchsetzen - der Protest der Branche war zu stark. Die Bewertung von Staaten ist künftig aber nur noch an drei vorher festgelegten Terminen im Jahr erlaubt. Will eine Agentur unabhängig davon ein neues Rating eines Staates veröffentlichen, muss die europäische Börsenaufsicht Esma dies genehmigen. Länderratings dürfen keine Weisungen für die nationale Politik enthalten. Damit können die Ratingagenturen nicht mehr in die politische Agenda eingreifen.

Wer haftet für Verluste?

Erstmals können Anleger und Investoren, aber auch Emittenten Ratingagenturen zivilrechtlich auf Schadenersatz verklagen. Und zwar dann, wenn eine Agentur EU-Regeln vorsätzlich oder grob fahrlässig verletzt und Fehlurteile abgibt. Gründe wären etwa Marktmanipulation oder Missbrauch von Insiderinformationen. Zuständig sind nationale Gerichte. Allerdings muss der geschädigte Anleger dies beweisen.

Wie will die EU Interessenkonflikte reduzieren?

Die Auflagen begrenzen die Verflechtung von Agenturen mit der Wirtschaft. So setzt die EU Grenzen, welche Beteiligung ein Unternehmen oder Finanzinstitut an einer Ratingagentur, die es beauftragt, haben darf. Große Agenturen dürfen nicht mit anderen fusionieren.

Wird die Macht der „Drei Großen“ gebrochen?

Darüber gehen die Meinungen auseinander. Ja, sagt EU-Kommissar Barnier: Terminplan und Haftung legten der Branche Fesseln an. „Nein“ sagt dagegen der grüne Europaparlamentarier Sven Giegold. So konnte sich die EU nicht auf eine Pflicht für Unternehmen einigen, die von ihnen beauftragte Ratingagentur alle paar Jahre wechseln zu müssen. Dies gilt nur bei hochkomplizierten Finanzprodukten.

Was sagen Finanzexperten?

Sie bleiben skeptisch. Eine absichtliche oder grob fahrlässige Bewertung wäre ja eine Marktmanipulation - und die sei auch nach geltenden Gesetzten strafbar, sagen Branchenkenner. Zudem schaffe der Terminkalender für Länderratings einen „Hexentag“. Dann würden die Märkte vorher schon auf eine Abwertung spekulieren.

Wie verteidigen sich die Agenturen?

Sie sehen sich nur als Überbringer der schlechten Nachricht und verweisen darauf, dass Ratings lediglich Meinungen sind. Es sei jedem Marktteilnehmer überlassen, ob er diesen folge oder nicht. EU-Kommissar Barnier widerspricht: „Ratings haben unmittelbare Auswirkungen auf die Märkte und die Wirtschaft als Ganzes und damit auf den Wohlstand der europäischen Bürger.“

Wann wird der Entwurf Gesetz?

Im Frühjahr, entweder März oder April. Die EU-Mitgliedsstaaten werden in den nächsten Wochen den Kompromiss verabschieden, dies gilt als Formalie.

Was ist mit einer europäischen, unabhängigen Ratingagentur?

Dieses Projekt schiebt die EU auf die lange Bank. Es gilt als zu teuer, zu langwierig und wenig glaubwürdig. Ende 2016 werde die EU-Kommission einen Bericht zu einer „möglichen Europäischen Ratingagentur“ vorliegen, verspricht EU-Kommissar Barnier lediglich.

Die Bank lag mit ihrer Bilanz aber klar über den durchschnittlichen Marktprognosen. Provisions- und Zinsüberschuss schnitten besser ab als von Analysten erwartet. Insgesamt sind Schwedens Geldhäuser gut durch die Schuldenkrise in der Euro-Zone gekommen und haben sich kaum anstecken lassen. Dies belegten diese Woche auch starke Zahlen der SEB-Rivalen Nordea und Swedbank.

Während viele Banken momentan einen Geschäftsausblick scheuen und ihr Geld zusammenhalten, kündigte SEB an, künftig einen etwas höheren Anteil des Gewinns je Aktie als Dividende ausschütten zu wollen. Für 2012 werden 2,75 Kronen je Anteilsschein an die Aktionäre gezahlt, nachdem es im Jahr zuvor nur 1,70 Kronen waren. Langfristig soll zudem die Eigenkapitalrendite - die wichtigste Kennziffer für die Profitabilität von Banken - auf 15 Prozent klettern. 2012 waren es rund elf Prozent.

Von

rtr

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