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10.02.2015

07:48 Uhr

Großbank trotzt Franken-Aufwertung

Milliardengewinn für UBS

Die Geschäfte für die Schweizer Großbank laufen trotz Negativzinsen und Frankenstärke blendend. Unterm Strich steht ein Milliardengewinn. Das soll sich nun auch für die Aktionäre auszahlen.

Die Schweizer Großbank UBS übertrifft die Erwartungen der Analysten und belohnt nun die Aktionäre. dpa

Die Schweizer Großbank UBS übertrifft die Erwartungen der Analysten und belohnt nun die Aktionäre.

ZürichDie Schweizer Großbank UBS will ihren Aktionären nach einem kräftigen Gewinnanstieg die höchste Dividende seit der Finanzkrise zahlen. Der Gewinn der größten Schweizer Bank stieg im vergangenen Jahr um 13 Prozent auf 3,57 Milliarden Franken, wie die UBS am Dienstag mitteilte. An die Anteilseigner sollen 0,75 Franken je Aktie ausgeschüttet werden nach 0,25 Franken im Jahr zuvor. UBS warnte aber, dass die Frankenstärke und Negativzinsen die Profitabilität des Konzerns unter Druck setzen werden. Der Start in das Jahr 2015 sei aber gut verlaufen.

Die Bank habe einen soliden Start ins Jahr hingelegt, kommentierte UBS-Chef Sergio Ermotti das Ergebnis. Der Druck durch die härteren Marktgegebenheiten bleibe aber bestehen. Darum kündigte das Institut an, die Eigenkapitalrentabilität in diesem Jahr nur auf zehn Prozent zu steigern und erst im kommenden Jahr auf die ursprünglich angepeilten 15 Prozent. Im abgelaufenen Geschäftsjahr erreichte die Bank etwa 7,2 Prozent.

Mit ihrem Ergebnis übertrifft die UBS aber die Erwartungen der Analysten, die mit einem Gewinn von rund 3,5 Milliarden Franken gerechnet hatten. Die Dividende hatten sie mit 0,75 Franken veranschlagt. „Dividenden treiben den Unternehmenswert nach oben,“ kommentieren die Analysten Huw Van Steenis and Canset Eroglu von Morgan Stanley die Ankündigung.

Dabei hatten Anleger zuletzt befürchtet, dass vor allem der starke Franken der Bank schaden könnte - und die Aktie seit Jahresbeginn um 5,8 Prozent nach unten geschickt.

UBS ist der größte Vermögensverwalter der Welt und schaffte es im abgelaufenen Geschäftsjahr, weitere drei Milliarden Franken neue Anlagen zu gewinnen. Der Vorsteuergewinn der Sparte stieg um 37 Prozent auf 646 Millionen Franken. Auf der anderen Seite des Atlantiks laufen die Geschäfts schlechter. Dort sank der Gewinn der Vermögensverwaltung um 8,3 Prozent auf 211 Millionen Franken.

Auch das Investmentbanking läuft gut. Im Vergleich zum Vorjahr legte der Gewinn in diesem Segment um 24 Prozent auf 367 Millionen Franken zu. Mit Handels- und Geschäftskunden verdiente die Bank 340 Millionen Franken - das sind rund 2,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Was die Banken ihre Rechtsstreitereien kosten

UBS

Die UBS hat für mögliche Strafen mit 3,5 Milliarden Franken (2,9 Milliarden Euro) fast soviel zurückgelegt wie die Deutsche Bank. Umgerechnet mehr als eine Milliarde Euro hat die Zürcher Bank bereits zur Beilegung des Skandals um Manipulationen des Libor-Referenzzinses gezahlt.

Bei den Rechtsstreitigkeiten um die Verwicklung in Manipulationen am Devisenmarkt kommt das größte eidgenössische Geldhaus offenbar einem Vergleich immer näher. Weltweit sollen Händler zahlreicher Banken Kurse am 5,3 Billionen Dollar schweren Devisenmarkt zu ihren Gunsten manipuliert haben.

Barclays

Auch die britische Großbank RBS stellt sich auf eine Strafe im Devisenskandal ein. Wie die Royal Bank of Scotland (RBS) mitteilte, wurden dafür 400 Millionen Pfund (508 Millionen Euro) zurückgelegt. Weitere 100 Millionen Pfund seien bei RBS für Kundenentschädigungen zurückgestellt worden. Viele britische Banken hatten ihren Kunden Versicherungen aufgedrängt, die sie gar nicht brauchten.

Credit Suisse

Die Großbank Credit Suisse hat weniger Geld für Schadenersatz und Bußen beiseitelegen müssen als andere große internationale Banken. Die Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten beliefen sich im dritten Quartal netto auf 390 Millionen Franken (323 Millionen Euro).

Lloyds

Im Skandal um Kreditausfallversicherungen legte Lloyds für Schadenersatzforderungen von Kunden, die sich falsch beraten sehen, weitere 900 Millionen Pfund (rund 1,1 Milliarden Euro) zurück. Die Affäre hat das Institut bereits elf Milliarden Pfund gekostet, mehr als jede andere britische Bank. Neben anderen Altlasten hatte vor allem dieser Skandal Lloyds nach der Finanzkrise immer wieder zurückgeworfen.

Commerzbank

Die New Yorker Finanzaufsichtsbehörde wirft der Commerzbank vor, gegen Iran-Sanktionen verstoßen zu haben, es wird bereits seit längerem über eine Strafe von 650 Millionen Euro spekuliert. Andere Banken, wie die französische BNP Paribas, mussten bereits saftige Beträge zahlen.

Die Commerzbank hat sich nie zur Höhe ihrer Rückstellungen im Zusammenhang mit dem Iran geäußert. Analystenschätzungen zufolge hat sie im ersten Halbjahr noch einmal 250 Millionen Euro zurückgestellt, insgesamt seien dafür nun 550 Millionen reserviert.

Deutsche Bank

Im dritten Quartal musste die Deutsche Bank 894 Millionen Euro zusätzlich für Rechtskosten zurückstellen. Wegen der hohen Belastungen schrumpfte der Gewinn vor Steuern des größten deutsche Geldinstituts im dritten Quartal auf 266 Millionen Euro.

Die gute Entwicklung nahezu aller Geschäftsbereiche machen es leichter, harte Strafen zu verdauen. Im November hatten die Regulierungsbehörden in der Schweiz, Großbritannien und den USA die UBS zu einer Strafzahlung von 800 Millionen Dollar wegen Spekulationen auf dem Devisenmarkt verurteilt. Im dritten Quartal wurden 1,84 Milliarden Franken für Rechtstreitigkeiten zurückgelegt. Derzeit verhandelt das Institut noch über einen Vergleich mit dem US-Justizministerium, wegen des Verkaufs von zweifelhaften Finanzprodukten.

Außerdem wird dem Institut vorgeworfen, Amerikanern bei der Steuerhinterziehung geholfen zu haben. Dort könnte erneut eine hohe Strafe ins Haus stehen. Bereits vor sechs Jahren hatte die UBS 780 Millionen Dollar bezahlt, weil man wegen der Beihilfe zur Steuerhinterziehung ins Visier der US-Behörden geraten war.

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