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07.09.2015

16:21 Uhr

Großbanken der Euro-Zone

Bankenaufsicht legt Kapitalquoten fest

Die EZB-Bankenaufseher haben offenbar Mindestquoten für das Eigenkapital der europäischen Großbanken festgelegt. Die Banken würden laut Insidern in Kürze darüber informiert und hätten dann zwei Wochen Zeit, zu antworten.

Die EZB-Bankenaufsicht habe für den Großteil der 123 wichtigsten Institute Mindestquoten für das sogenannte Kernkapital festgelegt, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. dpa

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Die EZB-Bankenaufsicht habe für den Großteil der 123 wichtigsten Institute Mindestquoten für das sogenannte Kernkapital festgelegt, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Mailand/FrankfurtDie großen Geldhäuser der Euro-Zone bekommen Insidern zufolge schon bald neue Kapitalvorgaben präsentiert. Die EZB-Bankenaufsicht habe für den Großteil der 123 wichtigsten Institute Mindestquoten für das sogenannte Kernkapital festgelegt, sagten mehrere mit der Situation vertraute Personen am Montag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Banken würden in Kürze darüber informiert und hätten dann zwei Wochen Zeit, darauf zu antworten. Die endgültige Festlegung könnte dann im November kommen.

Schon seit einiger Zeit warten die Geldhäuser der Euro-Zone mit Spannung auf die neuen Vorgaben. Diese könnten zur Folge haben, dass kapitalintensive Geschäfte aufgegeben oder mehr Kapital aufgenommen werden muss. Rund 80 Prozent der von der Europäischen Zentralbank (EZB) beaufsichtigten Institute würden voraussichtlich eine Quote zwischen neun und zwölf Prozent erfüllen müssen, etwa der Hälfte der Häuser würden rund zehn Prozent abverlangt, hatte bereits vor der EZB-Entscheidung ein Insider aus der Finanzwelt erklärt.

Der Werkzeugkasten der EZB

Oberstes Ziel: Preisstabilität

Die Europäische Zentralbank (EZB) soll die Preisstabilität im Euroraum wahren. Sie soll auch die Wirtschaftspolitik unterstützen, wenn das Ziel stabiler Preise nicht beeinträchtigt wird. Ein Blick in den Werkzeugkasten der Notenbank:

Strafzinsen

Parken Banken Geld bei der EZB, müssen sie dafür inzwischen Zinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln.

Geldspritzen

Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurden zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings in deutlich geringerem Umfang.

Kauf von Kreditpaketen

Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

Weniger Zinsentscheidungen

Seit diesem Jahr werden geldpolitische Entscheidungen nicht mehr alle vier Wochen, sondern nur noch alle sechs Wochen verkündet. Die EZB will Erwartungen an den Finanzmärkten eindämmen und ihren Maßnahmen mehr Zeit zur Entfaltung geben.

Staatsanleihen-Käufe

Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das „Securities Markets Programme“ (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euroländer bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Milliarden Euro, zumeist italienische Anleihen.

Im September 2012 ersetzte das Programm „Outright Monetary Transactions“ (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen keine Anleihe.

Seit März 2015 erwirbt die EZB im Rahmen eines erweiterten Kaufprogramms („Public Sector Purchase Programme“/PSPP) in großem Stil Staatsanleihen. Monatlich sollen so 60 Milliarden Euro billiges Zentralbankgeld in Umlauf gebracht werden - bis September 2016.

Der Präsident der deutschen Finanzaufsicht BaFin, Felix Hufeld, hatte vergangene Woche gesagt, dass die Prüfung durch die europäische Bankenaufsicht (SREP) umfangreicher gewesen sei als bei der letzten Festlegung der Quote. Die meisten deutschen Institute müssten sich deshalb auf höhere Mindestkernkapitalquoten einstellen. Die Abkürzung „SREP“ steht für Supervisory Review and Evaluation Process.

Einige deutsche Landesbanken mussten Finanzkreisen zufolge bisher lediglich die Mindesthürde von sieben Prozent erfüllen, stellen sich nun jedoch auf höhere Kernkapitalquoten ein. Von der Deutschen Bank verlangte die Aufsicht bisher mindestens zehn Prozent hartes Eigenkapital.

Von

rtr

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