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06.03.2006

14:09 Uhr

Großbanken

Die Guerilla-Taktik der Eroberer

VonMichael Maisch und Christian Potthoff

Ob Privathaushalt, Kleinunternehmer oder Dax-Konzern: Ausländische Großbanken umwerben jeden Kunden – und gewinnen in Deutschland stetig Marktanteile hinzu.

Illustration: Siegmar Münk

Illustration: Siegmar Münk

FRANKFURT. Fröhlich wirkt Commerzbank-Chef Klaus-Peter Müller eigentlich immer. Aber Mitte Februar strahlt der Rheinländer besonders viel Lebensfreude aus, und das hat noch nicht einmal etwas mit der Karnevalssaison zu tun. Gut gelaunt reckt Müller den erhobenen Daumen ins Blitzlichtgewitter der Fotografen. Die Commerzbank hat 2005 wieder gutes Geld verdient. Nach Jahren der Krise verdreifachte Müllers Mannschaft den Jahresüberschuss auf 1,2 Milliarden Euro. Ein Grund zum Feiern?

Auch Michael Zitzmann hat gute Laune. Der 58-Jährige sieht aus, wie man sich einen deutschen Banker vorstellt, robust, bodenständig, seriös. Aber wenn es ums Geschäft geht, zählt Zitzmann sicher nicht zur Liga der Patrioten. Der Manager sitzt im Deutschland-Vorstand der weltgrößten Bank, Citigroup, und ist außerdem Chef des Verbandes der Auslandsbanken – mithin die Vorhut einer Streitmacht, die Müller und seinen deutschen Kollegen das Leben immer schwerer macht.

„In den vergangenen sechs Jahren hat die Citigroup die Zahl ihrer deutschen Firmenkunden auf rund 150 verdreifacht“, erzählt Zitzmann stolz, darunter die Crème de la Crème der heimischen Wirtschaft. Zitzmanns Mutterhaus hat allein im vierten Quartal 2005 weltweit sieben Milliarden Dollar verdient.

Die jüngere Geschichte der beiden Banken zeigt beispielhaft: Ihre akute Schwäche haben die deutschen Geldhäuser zwar überwunden. Doch die Spätfolgen der Bankenkrise sind noch immer überall zu spüren. International sind die heimischen Institute längst in die Zweitklassigkeit abgerutscht. Aber auch auf dem Heimatmarkt droht der schleichende Abstieg. Mit tiefen Taschen und kerngesunden Bilanzen drängen internationale Finanzriesen wie Citigroup, Royal Bank of Scotland, BNP Paribas, Société Générale, ABN Amro oder ING auf den deutschen Markt und schnappen immer öfter die lukrativsten Geschäfte und die besten Kunden weg.

Nur einer kann im Konzert der ausländischen Großbanken noch mithalten: die Deutsche Bank. Der Branchenprimus spielt nicht nur im Investment-Banking auf Weltniveau. Doch dahinter haben sich die Reihen bedenklich gelichtet.

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