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04.07.2016

18:00 Uhr

Großbanken unter Druck

Übernahmekandidat? Wir doch nicht!

VonFrank Matthias Drost, Ozan Demircan

Die Aktien vieler großer Geldhäuser in Europa markieren nach dem Brexit-Referendum immer neue Tiefstkurse – doch von einer Marktbereinigung durch einen Prozess der Konsolidierung wollen die Vorstandschefs nichts wissen.

Der Vorstandschef der Deutschen Bank erwartet weder national, noch über die Grenzen hinweg Fusionen größerer Banken. dpa

John Cryan

Der Vorstandschef der Deutschen Bank erwartet weder national, noch über die Grenzen hinweg Fusionen größerer Banken.

Berlin, ZürichDer Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, beschönigt nichts. „Der Aktienkurs ist enttäuschend. Das steht außer Frage“, sagte er dem Wochenmagazin „Der Spiegel“. Doch gleichzeitig sieht er das größte deutsche Institut  „nicht als Übernahmeziel“. Ähnlich äußerte sich Cryan schon auf einer Veranstaltung des CDU-Wirtschaftsrates vor zwei Wochen. „Eine Konsolidierung und Fusionen größerer Banken wird es nicht geben, weder national, noch über die Grenzen hinweg“, so Cryan. Die Finanzaufseher wollen in diesen Zeiten keine großen Übernahmen sehen, begründete er seine Haltung jetzt im Magazin „Der Spiegel“.

Noch immer sind manche Banken  „too big to fail“, gelten also als zu wichtig, als dass sie in eine Schieflage geraten dürfen. Fusionen würden dieses Problem wieder verschärfen.

Die größten Investmentbanken der Welt

Zur Analyse

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gingen im ersten Halbjahr 2016 laut Thomson Reuters die Umsätze von Investmentbanken mit Börsengängen, M&A-Beratung sowie neu begebenen Anleihen und Krediten um mehr als 23 Prozent zurück.

Platz 10

RBC Capital Markets

Einnahmen: 757 Millionen Dollar

Rückgang: 32,6 Prozent

Platz 9

Wells Fargo

Einnahmen: 891 Millionen US-Dollar

Rückgang: 28,9 Prozent

Platz 8

Deutsche Bank

Einnahmen: 1,269 Milliarden Dollar

Rückgang: 34,4 Prozent

Platz 7

Credit Suisse

Einnahmen: 1,309 Milliarden Dollar

Rückgang: 25,0 Prozent

Platz 6

Barclays

Einnahmen: 1,420 Milliarden Dollar

Rückgang: 22,0 Prozent

Platz 5

Citibank

Einnahmen: 1,420 Milliarden Dollar

Rückgang: 20,3 Prozent

Platz 4

Morgan Stanley

Einnahmen: 2,058 Milliarden Dollar

Rückgang: 26,8 Prozent

Platz 3

Bank of America Merrill Lynch

Einnahmen: 2,127 Milliarden Dollar

Rückgang: 23,8 Prozent

Platz 2

Goldman Sachs

Einnahmen: 2,396 Milliarden Dollar

Rückgang: 30,3 Prozent

Platz 1

JP Morgan

Einnahmen: 2,598 Milliarden Dollar

Rückgang: 22,6 Prozent

Der dramatisch schlechte Aktienkurs-Verlauf der Deutschen Bank hat allerdings Übernahmespekulationen ausgelöst. Angesichts der ungewissen Folgen des Brexit-Votums für die Kreditwirtschaft stürzte der Kurs auf unter 13 Euro ab. Einst hatte der Höchstkurs bei knapp 102 Euro gelegen – aber das ist viele Jahre her. Selbst in Zeiten der Finanzmarktkrise im Jahr 2009 notierte der Kurs über der Marke von 15 Euro.

Aber noch weiß niemand,  ob die milliardenschweren Rückstellungen für juristische Altlasten ausreichen. Zudem drücken die Dauerniedrigzinsen der Europäischen Zentralbank und der harte Wettbewerb unter den Banken in Deutschland auf die Margen.

Auch der Vorstandschef der Schweizer Großbank Credit Suisse, Tidjane Thiam, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Seit der 53-jährige Ivorer vor einem Jahr den Chefposten übernahm, verlor die Aktie der Bank rund 60 Prozent an Wert. Thiam, der einmal als „Barack Obama der Finanzbranche“ bezeichnet worden war, hatte eigentlich den Auftrag, die Bank wieder in eine Spitzenposition zu bringen.

Ein Kritikpunkt an Thiam lautete, dass es ihm an Feingefühl fehle. Einerseits lasse er massive Sparprogramme umsetzen, andererseits empfange er seine Geschäftspartner in Hotelsuiten in New York und anderen Metropolen der Welt. Die plötzliche Ankündigung, das Schweizer Bankgeschäft von Credit Suisse abzukoppeln und gar an die Börse zu bringen, gefiel einigen Mitarbeitern ebenso wenig wie der Plan, das traditionell wichtige Investmentbanking herunterzuschrauben und den Fokus künftig auf Asien zu setzen.

Kommentare (8)

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Herr Peter Langenhagen

05.07.2016, 08:36 Uhr

Der Aktienkurs der Deutschen Bank auf (ehemaligem) Commerzbankniveau.
Tendenz mit starkem Hang zum Stolpern in den einstelligen Bereich.
Hochmut kommt vor dem Fall. Die Stelle mit dem Hochmut haben wir schon passiert.
Jetzt kommt die Stelle mit dem Fall.

Account gelöscht!

05.07.2016, 09:13 Uhr

Wieder nur zweiter Sieger.
Aber wenigstens eine frei Kommentarstelle gefunden :)

Herr Stefan Heinrich

05.07.2016, 09:54 Uhr

Redakteur Drost schafft es nicht, eine These aus seinen Beobachtungen zu ziehen. Cryan, Thiam und alle anderen versuchen dies und das. Fusionen sind eine kurzfristige Strategie, um Gelder wieder ins marorde System zu pumpen, hoffnungsvolle Schlagzeilen zu machen und sich auf eine Größe aufzublähen, die dann tatsächlich too big to fail ist. Fakt ist doch: Bankenvorstände wissen auch nicht mehr weiter. Die Finanzmärkte haben eine Dimension und Eigendynamik entwickelt, dass sie, egal mit welchem Instrument man sie anpackt, nicht mehr so reagieren, wie es in den Lehrbüchern steht.

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