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12.01.2011

06:26 Uhr

Großbritannien

Neuer Boni-Regen für Investment-Banker

VonMichael Maisch

Freude in der Londoner City: Nach monatelangem Ringen hat die britische Regierung jetzt offenbar ihren Versuch aufgegeben, die Banken zu einer Begrenzung ihrer milliardenschweren Bonuszahlungen zu zwingen. Stattdessen will Premierminister David Cameron die Banken verpflichten, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben.

Bob Diamond: Für den Barclays-Chef ist die Zeit des schlechten Gewissens vorbei. Reuters

Bob Diamond: Für den Barclays-Chef ist die Zeit des schlechten Gewissens vorbei.

LONDON. Nein, Reue zeigte Bob Diamond nicht, als er am Dienstag vor einem Ausschuss des britischen Parlaments Rede und Antwort stehen musste. Der frischgebackene Chef der Großbank Barclays ließ die Abgeordneten wissen, "dass es eine Zeit des schlechten Gewissens und der Entschuldigungen gab, aber diese Zeit muss jetzt vorbei sein". Die Banken sollten nach der Finanzkrise lieber wieder ihre Arbeit erledigen.

Selbstbewusste Worte des Amerikaners, der in Großbritannien so etwas wie ein Symbol für den gierigen Banker ist. Zwar verzichtete Diamond als Chef-Investment-Banker von Barclays 2009 auf seinen Bonus, aber auch so kassierte er inklusive des Verkaufs von Wertpapieren der Bank rund 40 Millionen Pfund.

Konkrete Vorgaben sind vom Tisch

Diamonds Selbstbewusstsein kommt nicht von ungefähr. Nach monatelangem Ringen hat die britische Regierung jetzt offenbar ihren Versuch aufgegeben, die Banken zu einer Begrenzung ihrer Bonuszahlungen zu zwingen. Bereits vor Weihnachten hatte der konservative Premierminister David Cameron hinter verschlossenen Türen Verhandlungen mit den größten Banken des Landes aufgenommen. Sein Ziel: Weil das ganze Land unter dem härtesten Sparpaket seit einer Generation ächze, müssten auch die Geldhäuser Verzicht üben und dafür sorgen, dass die Boni für 2010 deutlich geringer ausfallen als für 2009.

Jetzt heißt es aus Regierungskreisen, dass man die Banken zwar aufgefordert habe, verantwortlich zu handeln, konkrete Vorgaben für die Auszahlungen seien jedoch nicht sinnvoll. Stattdessen will Cameron die Banken zumindest verpflichten, mehr Kredite an Unternehmen zu vergeben. Bis Ende Januar werden die meisten Banker in der Londoner City erfahren, wie hoch ihr Bonus für 2010 ausfällt. Der Thinktank Centre for Economics and Business Research schätzt, dass die Geldhäuser rund sieben Milliarden Pfund ausschütten werden. Das wären lediglich fünf Prozent weniger als 2009, obwohl die Geschäfte in den vergangenen zwölf Monaten schlechter liefen. Analysten gehen davon aus, dass die Einnahmen im Investment-Banking 2010 um rund 15 Prozent gefallen sind. Als erste Großbank wird an diesem Freitag das Wall-Street-Haus JP Morgan zusammen mit dem Jahresergebnis offenlegen, wie hoch Boni und Gehälter ausfallen. Analysten gehen davon aus, dass sich die Ausschüttungen auf etwa zehn Milliarden Dollar summieren, das wären rund 390 000 Dollar pro Angestellten.

Noch im Dezember hatte Premierminister Cameron die Londoner Banker gewarnt, dass ihnen höhere Steuern drohen, sollten sie weiter "ungerechtfertigt" hohe Boni zahlen. Camerons Vorgänger, der Labour-Premier Gordon Brown, hatte 2009 eine Sondersteuer verhängt, die dem Fiskus rund 3,5 Milliarden Pfund einbrachte. Allerdings hatte Brown versprochen, dass es sich um eine einmalige Aktion handele. Die neue konservativ-liberale Koalition ließ der Bonussteuer eine Bankenabgabe folgen, die aber nur 2,5 Milliarden Pfund im Jahr einbringen wird.

Kommentare (4)

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Gastkritiker

12.01.2011, 10:03 Uhr

"Der frischgebackene Chef der Großbank barclays ließ die Abgeordneten wissen, "dass es eine Zeit des schlechten Gewissens und der Entschuldigungen gab, aber diese Zeit muss jetzt vorbei sein".

Klar muss diese Zeit jetzt vorbei sein - die Verluste sind ja umfassend sozialisiert und die Gewinne damit gesichert. Und allen ist endlich klar wer in Engeland das Sagen hat.

Curley

12.01.2011, 10:27 Uhr

Nicht nur in England, sondern weltweit bestimmen die banken die Politik. in Amerika war die bush-Administration zum großen Teil von Leuten der Großbank Goldman Sachs besetzt. Henry Paulson, der ehemalige Finanzminister unter bush, war vorher Chef von Goldman Sachs.
in Amerika witzelte man schon:" Mal sehen wann das weiße Haus und Goldman Sachs fusionieren." Vertreter der banken brachten schon von ihnen selbst ausgefertigte/geschriebene Gesetzesvorwürfe ins Parlament ein.

Und auch Obamas Wahlkampf wurde hauptsächlich von der Wall Street finanziert. Die Wall Street will nun ja auch eine Gegenleistung dafür haben. Und beim nächsten Wahlkampf wird wieder die Wall Street darüber entscheiden, wer Präsident wird und wer nicht. Wer jetzt noch so einfältig ist und glaubt die Politik würde irgend etwas tun, um den banken Einhalt zu gebieten, dem ist nicht mehr zu helfen.

So lange Herr Ackermnann von der Deutschen bank unsere Kanzlerin in "Geldfragen" berät, wird das auch bei uns so sein. Die Politik ist unfähig bzw. ungewillt die Macht der Großbanken zu beschneiden. Diese bestimmen schon lage das Handeln der Politiker. Deswegen werden auch weiterhin hohe boni bezahlt werden, banken werden wieder durch Steuergelder gerettet werden etc. Und der bürger wählt wieder brav die Politiker, über die er die ganze Zeit schimpft.

Augenlicht

12.01.2011, 11:22 Uhr

Das banker überhaupt ein Gewissen haben, werde ich erst glauben,wenn die Unterstützungsmilliarden zurückgezahlt sind.
Ceterum Censeo: Out of Euro

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