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07.03.2016

19:38 Uhr

Großbritannien

Rücksichtslose Banker müssen künftig ins Gefängnis

Die britische Regierung hat einen neuen Straftatbestand für Banker eingeführt. Künftig droht fahrlässigen Finanzjongleuren auf der Insel bei „rücksichtslosem Fehlverhalten“ eine Haftstrafe.

Banker in London müssen sich auf neue Regeln einstellen. Reuters

Canary Wharf in London

Banker in London müssen sich auf neue Regeln einstellen.

DüsseldorfSpitzenbanker, die Unsummen verzocken und am Ende mit einer milden Strafe davonkommen – das soll es in Zukunft in Großbritannien nicht mehr geben. Dafür hat die britische Regierung einen neuen Strafrechtstatbestand namens „rücksichtsloses Fehlverhalten“ geschaffen. Banker in hohen Positionen, die dieses Vergehens schuldig gesprochen werden, droht in Zukunft eine Haftstrafe.

Das neue Gesetz zeige, dass Großbritannien die „Lehren aus der Vergangenheit gezogen hat”, betonte der konservative Finanzminister George Osborne. „Wir haben die Bankenregulierung reformiert, um ein stärkeres und sicheres Finanzsystem zu schaffen“, fügte der Politiker hinzu. Die Banker in der Londoner City müssten nun mit einigen „der härtesten Sanktionen in der Welt rechnen“. Nach Osbornes Meinung ist es „absolut richtig“, dass führende Bank-Manager, deren Taten zum Zusammenbruch ihrer Geldhäuser führen, nun mit Gefängnisstrafen rechnen müssen. Im schlimmsten Fall drohen den britischen Bankern bis zu sieben Jahre Haft oder unbegrenzte Geldbußen.

Die großen Rechtsrisiken der Investmentbanken (laut Moody's)

Barclays

Kapitalerhöhung 2008: Es geht um Ungereimtheiten bei der Kapitalerhöhung durch Investoren aus dem Nahen Osten, genauer um die Frage, ob gezahlte Gebühren korrekt veröffentlicht wurden. Altaktionäre blieben bei der Transaktion außen vor. Es ermitteln die britische Finanzaufsicht FCA, US-Justizministerium, SEC, und die britische Behörde für schwere Wirtschaftskriminalität SFO.

Handelssysteme: Hochfrequenzhändler sollen Einblicke in eigentlich anonyme Handelspositionen von anderen Kunden erhalten haben. Es ermitteln die US-Börsenaufsicht SEC und die New Yorker Generalstaatsanwaltschaft.

HSBC

Geldwäsche: Geldwäsche-Vorwürfe und damit verbundene Sanktionsverstöße hält Moody`s für ein hohes Risiko für das britische Institut.

RBS

Verkauf toxischer US-Hypotheken: Die Royal Bank of Scotland hat dafür bereits 2,5 Milliarden Dollar zurückgelegt, Moody's hält aber eine endgültige Strafzahlung für wahrscheinlich, die „ein Vielfaches“ davon beträgt.

Deutsche Bank

Devisen: Es geht um Kursmanipulationen

Russlandgeschäft: Kunden sollen über die Russland-Tochter der Bank Schwarzgeld gewachsen haben.

Credit Suisse

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

UBS

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Goldman Sachs

US-Hypotheken und Asset Backed Securities: Die RMBS Working Group, eine Einheit des US-Justizministeriums, untersucht den Verkauf und die Bündelung von US-Schrotthypothekenkrediten, die zur Finanzkrise führten. Das führte zum Teil schon zu empfindlichen Strafen in der Branche.

Mit den strengen Regeln erfüllt das Land eine der Hauptforderungen einer parlamentarischen Kommission, die nach dem Skandal um die Manipulation des globalen Referenzzinses Libor einberufen wurde. Vor sieben Jahren begannen die Aufseher mit ihren Ermittlungen im Liborskandal. In der Folge zahlten Geldinstitute insgesamt neun Milliarden Dollar an Strafen, die Deutsche Bank einigte sich im vergangenen April mit den Regulierern in Großbritannien und den USA auf eine Buße von 2,5 Milliarden Dollar. Auch die ersten Haftstrafen gibt es in der Zinsaffäre mittlerweile. Ein Londoner Gericht verurteilte den ehemaligen UBS-Banker Tom Hayes wegen seiner Rolle bei den Libor-Manipulationen zu elf Jahren Haft.

Von

mm

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