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25.01.2010

07:01 Uhr

Großinvestor im Interview

Clemens Vedder nimmt Dax-Konzerne ins Visier

VonRobert Landgraf

ExklusivClemens Vedder versuchte einst Commerzbank und Dresdner Bank zu fusionieren. Der ehrgeizige Großinvestor heute im Gespräch mit dem Handelsblatt über Staatshilfen für angeschlagene Konzerne, den besten deutschen Bankmanager, weitere Investments – und warum er sich eher als Piranha denn als Heuschrecke sieht.

Quelle: Reuters

HB: Die deutschen Banken werden von der Finanzkrise hart getroffen. Was sehen Sie als Auslöser für die Krise an?

Vedder: Zunächst einmal grundsätzlich: Der Ausgangspunkt aller großen Krisen ist seit 1929 immer Miami gewesen. Das war auch 2007 so. Auslöser ist für mich die schlechte Bauqualität in den USA – zum Beispiel bei Einfamilienhäusern. Hier ist in diesem Jahr mit drei bis vier Millionen Zwangsversteigerungen allein bei Häusern zu rechnen. Doch der Haken ist: Keiner berücksichtigt, dass die Lebensdauer dieser auch von deutschen Banken finanzierten Häuser im Vergleich nicht einmal ein Drittel dessen erreicht, was in Europa üblich ist. Das heisst „no value“ für diese Belastungen.

HB: …und die Lösung?

Vedder: Wenn eine deutsche Bank direkt oder indirekt etwa über Kredite oder Subprime-Anleihen solche Häuser in die Bücher nimmt, sollte, ja muss der Kredit in spätestens zehn Jahren zurückgezahlt sein. In der Realität ist das leider nicht so, auch wenn ich davor bereits 2006 als Auslöser der heutigen Krise gewarnt habe. Einige Family Offices, Privatinvestoren und Großbanken sind meinem Ansatz gefolgt und haben damit viel Geld verdient.

HB: Das bedeutet doch gleichzeitig, dass mit einer dritten Krisenwelle zu rechnen ist, oder?

Vedder: Ich befürchte ja. Ausgelöst wird die weitere Welle aus meiner Sicht durch die noch nicht offengelegten Immobilienrisiken in den USA, die den Markt entsprechend beeinflussen werden – und das gilt für Wohnungen und Häuser. Hinzu kommen steigende Arbeitslosigkeit und der Aufbau einer Blase in China. Ohnehin werden aus meiner Sicht die Zinsen Ende des Jahres wieder steigen.

HB: Gibt es die Investorengruppe Cobra noch?

Vedder: Ja, sie befindet sich nach wie vor unter meiner Obhut und bündelt Aktionärsinteressen.

HB: War der Angriff auf die Commerzbank eine einmalige Sache oder planen Sie etwa weitere Investments in Dax-Unternehmen?

Vedder: Falls sich Distressed Anlagemöglichkeiten ergeben, also Investments in unterbewertete Beteiligungen, sind wir wachsam. Wir sondieren den Markt und sind bereit, zu investieren. Sollte es soweit sein, erfahren Sie das als Erster...

HB: … bedeutet das unruhige Nächte für viele Dax-Vorstände?

Vedder: Vor uns muss keiner Angst haben, der seine Geschäfte sowie das Aktienrecht beherrscht und seinen Aufgaben gerecht wird. Wir sind sehr wache und realistisch denkende Unternehmer und Finanzinvestoren.

Kommentare (4)

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Detlev Schmidt

25.01.2010, 13:35 Uhr

Ein Meisterstück. Von beiden Seiten. Vedder war und ist eben einfach der König seiner branche. Das liegt nicht nur an der griffigen und pointierten Formulierungen, sondern vor allem auch an insider-und Detailkenntnissen wie sie kaum ein Zweiter hat. So einen Mann bräuchten wir als Chefberater der Regierung bei der bewältigung von Krisen und Schuldenexzessen. Aber dafür ist er wahrscheinlich einfach zu gut. Und zu teuer.

KarstadtMA

25.01.2010, 16:10 Uhr

Dieser Vedder gefällt mir! Jeder meiner Kollegen bei Karstadt hätte sich gewünscht, dass die Manager schon früher mal Verantwortung gezeigt hätten, anstatt auf ihren persönlichen Profit zu achten. Schade, dass es solche Kerle wie Vedder nicht öfters gibt.
Ein Dank auch an seine ehrliche Sprache und die offenen Worte.

Feininger

25.01.2010, 16:25 Uhr

Er kann's wohl nicht lassen. Und das ist gut so.
bin gespannt, welche Taten er seinen Worten folgen lässt. bei ihm wäre der iVG Anteil von Oppenheim gut aufgehoben. Wait and see.

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