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29.03.2006

13:53 Uhr

Gutes Zeugnis

Ausländische Banken fühlen sich in Deutschland wohl

Nach Ansicht der ausländischen Banken in Deutschland leidet der hiesige Finanzplatz noch immer unter den Folgen der „Heuschrecken-Debatte". Insgesamt aber lobte der Branchenverband die innerländische Aufsicht. Dies war nicht immer so.

pot FRANKFURT. Die von SPD-Vizekanzler Franz Müntefering im vergangenen Jahr angestoßene Diskussion über Private-Equity-Firmen und Hedge-Fonds habe im Ausland viel Porzellan zerschlagen, sagte Michael Zitzmann, Chef des Verbands der Auslandsbanken in Deutschland. Es werde lange dauern, bis das Vertrauen dieser Investoren in Deutschland wiederhergestellt sei. Kritisch sieht der Verband daher ein neues Diskussionspapier der SPD-Linken, die unter dem Titel „Heuschrecken vor der Haustür“ prinzipielle Bedenken gegen die Einführung börsennotierten Immobilienaktien (Reits) äußert.

Insgesamt ist der Verband, dem 137 ausländische Banken angehören, aber sowohl mit der geschäftlichen Entwicklung als auch mit dem regulatorischen Umfeld in Deutschland sehr zufrieden. Vor allem letzteres war nicht immer so: Gerade die Bankenwächter der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) mussten sich in früheren Jahren des öfteren harte Kritik gefallen lassen – etwa bei der Frage, ob Schweizer Banken aus ihrem Heimatland heraus den deutschen Markt beackern dürfen. Mittlerweile habe die BaFin hier ebenso eine pragmatische Lösung gefunden wie bei der Umsetzung der Prospektrichtlinie, lobte Zitzmann: „Es scheint ein anderer Wind durch die Aufsicht zu wehen, der zunehmend auch von der Sorge um den Finanzplatz getragen ist“. Ganz bewusst grenzte sich der Verband auch von den Klagen der Sparkassen und Genossenschaftsbanken ab, die sich über ein angeblich überbordendes Maß an Prüfungen durch die BaFin beschweren.

Dem Verband gehören nahezu alle wichtigen ausländischen Banken in Deutschland an. Die Spanne reicht von der Citigroup mit mehr als 7 000 Beschäftigten hier zu Lande über die großen angelsächsischen Investmentbanken bis zu Mini-Instituten mit gerade einmal vier Beschäftigten. Nach Schätzungen des Verbands beschäftigen ausländische Banken in Deutschland deutlich über 20 000 Personen, die meisten davon im Großraum Frankfurt. Dabei ist die Hypo-Vereinsbank (HVB), die seit vergangenem Jahr der italienischen Unicredito angehört, nicht eingerechnet.

„Das große Ziel ist es jetzt, die HVB als Mitglied zu gewinnen“, sagte Zitzmann, der im Hauptberuf im Deutschlandvorstand der Citigroup sitzt, halb im Scherz.

Eine verbandsinterne Umfrage bestätigte den Eindruck, dass die ausländischen Institute in Deutschland kräftig wachsen. Im vergangenen Jahr sei das Geschäftsvolumen der 57 befragten Banken um mehr als ein Viertel gestiegen.

Zu den bevorzugten Expansionsfelden zählen der Umfrage zufolge die Gründung von Kapitalanlagegesellschaften, das Depotbankgeschäft, das Firmengeschäft einschließlich Investment-Banking sowie die Vermögensverwaltung. Im Gegensatz zu diesen vertriebsnahen Sparten wurden Verwaltungstätigkeiten etwa in den Bereichen Recht, EDV und Kreditanalyse tendenziell abgebaut. Diese Bereiche würden in den Konzernzentralen gebündelt oder in Niedriglohnländer wie Indien verlagert.

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