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27.08.2012

12:19 Uhr

Halbjahresbericht

Ungarische Tochter könnte BayernLB noch mehr kosten

Die Bayerische Landesbank muss nach einem Gerichtsurteil mehr Geld für Pensionen zurücklegen. Die Überschüsse im ersten Halbjahr gehen daher stark zurück. Außerdem macht die ungarische Tochter MKB weiter Probleme.

Der Halbjahresgewinn der BayernLB ist zurückgegangen. dpa

Der Halbjahresgewinn der BayernLB ist zurückgegangen.

FrankfurtEine juristische Niederlage im Streit um Pensionsrückstellungen hat der BayernLB im ersten Halbjahr das Ergebnis verhagelt. Der Vorsteuergewinn sank auf 174 Millionen Euro nach 244 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie die zweitgrößte deutsche Landesbank am Montag mitteilte.

Wegen der Entscheidung des Bundesarbeitsgericht im Mai muss die BayernLB mehr Geld für Pensionen an langjährige Mitarbeiter zurücklegen, was das Ergebnis mit 133 Millionen Euro belastete.

Gedrückt wurde das Ergebnis ferner durch das Osteuropa-Geschäft der BayernLB. Bei der ungarischen Konzerntochter MKB erhöhte sich der Verlust vor Steuern im Vorjahresvergleich um mehr als acht Prozent auf 66 Millionen Euro. Die BayernLB klagt seit langem über staatliche Eingriffe, die ihr das Geschäft in Ungarn erschweren.

Die Krise der BayernLB

Die wichtigsten Etappen

Früher war die BayernLB ein Aushängeschild des Freistaats Bayern - heute ist sie ein Sanierungsfall. Schuld daran war vor allem der Fehlkauf der österreichischen Hypo Group Alpe Adria, für den die BayernLB den ehemaligen Vorstand seit Dienstag vor Gericht in die Pflicht nehmen will. Das sind die wichtigsten Etappen im Fall BayernLB.

2007 - Januar bis Juni

22. Mai 2007: Die BayernLB kauft für rund 1,6 Milliarden Euro die Mehrheit an der österreichischen Bank Hypo Alpe Adria.

2007 - Juli bis Dezember

24. August 2007: Die BayernLB räumt erstmals ein Engagement im krisengeschüttelten US-Markt für Hypothekendarlehen bonitätsschwacher Schuldner ein. Bisher gebe es keine „Zahlungsstörungen“, heißt es.

2008 - Januar bis Juni

13. Februar 2008: Die BayernLB beziffert die Belastungen auf 1,9 Milliarden Euro.

19. Februar 2008: BayernLB-Chef Werner Schmidt tritt wegen der Querelen um die Offenlegung der Belastungen zurück. Nachfolger wird der ehemalige HypoVereinsbank-Manager Michael Kemmer.

3. April 2008: Die BayernLB beziffert die Belastungen auf 4,3 Milliarden Euro.

2008 - Juli bis Dezember

19. September 2008: Die BayernLB gibt bekannt, dass sie durch die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers mit Ausfallrisiken von bis zu 300 Millionen Euro rechnet.

22. Oktober 2008: Bayerns Finanzminister Erwin Huber (CSU) übernimmt die politische Verantwortung für das Desaster und tritt zurück.

24. Oktober 2008: Im Machtkampf um die Ablösung Kemmers muss die Staatsregierung eine Niederlage hinnehmen. Er bleibt im Amt, nachdem ihn zahlreiche Beschäftigte in einer öffentlichen Demonstration wie einen Star gefeiert hatten.

28. November 2008: Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kündigt ein Rettungspaket von mehr als 30 Milliarden Euro für die BayernLB an.

1. Dezember 2008: Kemmer kündigt den Abbau von 5600 der weltweit gut 19 000 Arbeitsplätze an, um damit langfristig das Überleben der Bank zu sichern.

2009 - Januar bis Juni

23. Januar 2009: Die BayernLB beziffert den operativen Verlust für das Jahr 2008 auf fünf Milliarden Euro.

2009 - Juli bis Dezember

11. November 2009: Die BayernLB gibt bekannt, dass sie wegen der hohen Risikovorsorge für faule Kredite und Wertberichtigungen bei der Hypo Group Alpe Adria (HGAA) einen Verlust von mehr als einer Milliarde Euro erwartet.

14. Dezember 2009: Der wochenlange Poker zwischen Österreich und Bayern hat ein Ende: Die HGAA soll komplett verstaatlicht werden. Das Debakel hat die BayernLB mehr als 3 Milliarden Euro gekostet. Am Abend erklärt BayernLB-Chef Michael Kemmer seinen Rücktritt.

23. Dezember 2009: Auch der langjährige BayernLB-Kontrolleur und Sparkassenpräsident Siegfried Naser stürzt und will sein Amt zur Verfügung stellen.

2010 - Januar bis Juni

4. Januar 2010: Nach dem Debakel mit der HGAA hofft der Freistaat auf Schadenersatz und prüft, ob auf zivilrechtlichem Weg Ansprüche geltend gemacht werden können.

28. Januar 2010: Ermittler durchsuchen Räume der BayernLB-Tochter Deutsche Kreditbank (DKB) in Berlin.

9. Februar 2010: Die Staatsanwaltschaft München durchsucht Büros des Bayerischen Städtetags und des Sparkassenverbandes. Hintergrund ist der Untreue-Verdacht im Zusammenhang mit dem Kauf der HGAA.

25. Februar 2010: Der Untersuchungsausschuss zum BayernLB-Debakel im bayerischen Landtag nimmt seine Arbeit auf.

15. April 2010: - Der neue BayernLB-Chef Gerd Häusler übernimmt offiziell das Ruder und kündigt an, die Bank fit für einen Verkauf machen zu wollen.

17. Juni 2010: - Im Untersuchungsausschuss verweigern der frühere BayernLB-Vorstandschef Michael Kemmer und Ex-Vorstand Rudolf Hanisch die Aussage.

2010 - Juli bis Dezember

13. Oktober 2010: Der frühere bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU) weist im Untersuchungsausschuss jegliche Mitverantwortung am Debakel mit der Hypo Alpe Adria zurück.

25. Oktober 2010: Der BayernLB-Verwaltungsrat beschließt, gegen sämtliche am Kauf der HGAA beteiligten Vorstände Schadenersatzansprüche geltend zu machen.

2011 - Januar bis Juni

5. Januar 2011: Der ehemalige BayernLB-Vorstand Gerhard Gribkowsky wird in München verhaftet. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, beim Verkauf der Formel-1-Anteile der BayernLB 2006 rund 44 Millionen Dollar vom Boss der Rennserie, Bernie Ecclestone, angenommen zu haben. Im Oktober 2011 beginnt der Prozess. Ein Urteil ist noch nicht gesprochen.

25. Mai 2011: Die Staatsanwaltschaft München erhebt wegen des milliardenschweren Fehlkaufs der österreichischen Hypo Group Alpe Adria Anklage gegen acht ehemalige Vorstandsmitglieder. Diese hätten sich über die im Rahmen des Erwerbsprozesses aufgedeckten Bedenken bewusst hinweg gesetzt, erklärt die Anklagebehörde. Das Gericht zweifelt aber an der Anklage und gibt ein Gutachten in Auftrag, über das noch nicht entschieden ist.

2012 - Januar bis Juni

19. Juni 2012: BayernLB gegen Ex-Vorstände: Vor dem Landgericht München beginnt der Prozess um Schadenersatzforderungen in Höhe von 200 Millionen Euro gegen die früheren Top-Manager.

Finanzvorstand Stephan Winkelmeier schloss am Montag nicht aus, dass die BayernLB für die MKB noch einmal Geld nachschießen müsse. Er könne nicht ausschließen, dass „da im zweiten Halbjahr noch etwas kommt“. Bereits 2011 hatte die BayernLB den Wert der Bank um mehr als eine halbe Milliarde Euro nach unten schrauben müssen. Eine schwierige Aufgabe bleibt zudem: Einen Käufer für die MKB finden.

Nach dem Ende des EU-Beihilfeverfahrens muss die BayernLB im Gegenzug für die milliardenschweren Staatshilfen für ihre Rettung nämlich deutlich schrumpfen. Dazu gehört auch die Trennung von der MKB, die angesichts der Lage aber kaum rasch über die Bühne zu bringen ist. Anders sieht es etwa mit der Abgabe der Bauspartochter LBS an die Sparkassen aus, die Ende des Jahres abgeschlossen wird. Insgesamt muss die BayernLB fünf Milliarden Euro an den Staat zurückzahlen.

Auch die Wohnungsbaugesellschaft GBW mit ihren mehr als 30.000 Wohnungen muss die BayernLB bis Ende 2013 verkaufen, die EU fordert dafür ein Bieterverfahren. Winkelmeier wollte nichts dazu sagen, ob - und wenn ja mit wem - bereits Verhandlungen über die GBW liefen.

Auch zu den Aussichten für das gesamte Jahr äußerte sich Winkelmeier nur zurückhaltend. Die Bank halte an ihrer Prognose fest, im Kerngeschäft einen Vorsteuergewinn einzufahren. Darüber hinaus gebiete schon die Vorsicht angesichts der weiter ungelösten Schuldenkrise und der trüben Konjunkturaussichten, sich bei Vorhersagen „nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen“.

Kommentare (3)

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Bmehrens

27.08.2012, 11:27 Uhr

Es sind doch wohl die hohen PENSIONSZUSAGEN der Bayern-LB, die die Bilanz verhageln, doch nicht die dafür notwendigen Rückstellungen, oder??

Bmehrens

27.08.2012, 12:10 Uhr

"Mehr Rückstellungen an langjährige Mitarbeiter" wird das
Bundesarbeitsgericht zitiert. Wie steht es mit der Gleichstellung der Mitarbeiterinnen? Oder haben die von vornherein so niedrige Pensionszusagen bekommen, dass nur für "Mitarbeiter" höhere Rückstellungen erforderlich sind?

Theo

27.08.2012, 13:21 Uhr

In der deutschen Sprache gibt beinhaltet der Plural "Mitarbeiter" Männer wie auch Frauen. Angesichts der Größe der BayernLB ist davon auszugegen, dass die Bank Männer und Frauen beschäftigt. Insofern ist Ihr Kommentar hier überflüssig und nicht themenbezogen.

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