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05.12.2013

16:39 Uhr

Handel mit Grundgütern

Deutsche Bank fährt Rohstoff-Spekulation zurück

VonSebastian Ertinger

Die Kritik am Handel mit Weizen, Kakao, Kupfer und Aluminium wehrte die Deutsche Bank lange ab. Nun fährt das Institut das Geschäft mit physischen Rohstoffen zurück, spekuliert aber weiter über Finanzderivate.

Getreide: Die Deutsche Bank dämmt ihre Rohstoff-Spekulationen ein. dpa

Getreide: Die Deutsche Bank dämmt ihre Rohstoff-Spekulationen ein.

DüsseldorfDie Deutsche Bank baut ihr Geschäft mit Rohstoffen um. „Mit dieser Entscheidung zieht sich die Deutsche Bank aus dem Handel mit Energie, Agrarprodukten, Grundmetallen und Trockenmassengut zurück“, teilte die Bank mit. Deutschlands größtes Geldhaus wolle sich auf das Geschäft mit Finanzderivaten und Edelmetallen konzentrieren. Der Umbau habe keine materiellen Auswirkungen auf die Vermögens- und Ertragslage der Bank, teilte das Institut weiter mit. Eine eigens gegründete Rohstoff-Gruppe soll das Geschäft mit den Gütern langsam abwickeln.

Einen vollständigen Rückzug aus dem Rohstoffgeschäft plant die Deutsche Bank aber nicht. Das Institut fährt nur das direkte Engagement in physische Rohstoffe zurück. So soll etwa weiterhin über Finanzderivate mit Agrargütern wie Weizen, Zucker oder Kakao und Kaffee sowie Industriemetallen wie Kupfer, Aluminium oder Zink spekuliert werden. Lediglich der bislang eigenständige Agrarhandelsdesk wird offenbar aufgelöst. Unberührt bleibt der Handel mit Edelmetallen wie Gold- und Silberbarren.

Die Spekulation mit physischen Rohstoffen wie Kupfer und Aluminium oder Kaffee und Weizen war von Produzenten, Verbrauchern und Politik kritisiert worden. Verbraucherschutz-Organisationen beklagen zudem seit längerem einen Zusammenhang von Nahrungsmittelspekulationen mit starken Preisschwankungen an den Agrarmärkten und dem Hunger in der Welt. Ob Spekulationen mit Nahrungsmitteln die Preise für die Produkte in armen Ländern tatsächlich nach oben treiben, ist unter Experten allerdings umstritten.

Trotz der scharfen Kritik aus Politik und Umweltverbänden verteidigt die Deutsche Bank das Geschäft mit Grundgütern stets. Wie auch die Allianz hatte das Geldhaus immer wieder erklärt, an den umstrittenen Spekulationen mit Agrarrohstoffen festhalten zu wollen. Untersuchungen hätten keine stichhaltigen Belege für einen Zusammenhang dieser Geschäfte mit dem Hunger in der Welt erbracht, hatte Co-Vorstandschef Jürgen Fitschen zu Anfang des Jahres gesagt. Ein Sprecher der Deutschen Bank betonte, Finanzderivate auf Rohstoffe gehörten auch weiterhin zum Kerngeschäft der Bank. „Das ist keine strategische Entscheidung gegen solche Geschäfte.“

Hohe Geldbußen für Banken

Einleitung

Für manipulierte Zinsen, fragwürdige Beratung bei Krediten oder für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte haben schon viele Banken mit hohen Summen büßen müssen. Einige Beispiele für Strafen im Zusammenhang mit Fehlverhalten von Finanzriesen.

Juli 2010

Die US-Investmentbank Goldman Sachs wendet eine Betrugsklage der US-Börsenaufsicht mit Zahlung einer Strafe von 550 Millionen US-Dollar ab. Die Börsenaufsicht SEC beschuldigte Goldman Sachs, Investoren bei einem komplexen Finanzgeschäft unzureichend informiert zu haben, darunter auch die Düsseldorfer Mittelstandsbank IKB.

Mai 2012

Die Deutsche Bank steht für zwielichtige Hypotheken-Geschäfte einer Tochtergesellschaft in den USA gerade. Um eine Klage aus der Welt zu schaffen, zahlen die Frankfurter 202 Millionen US-Dollar. Der Bank drohte eine Strafzahlung und Wiedergutmachung von mehr als eine Milliarde Dollar. Die US-Justiz hatte der Tochter MortgageIT Betrug beim Geschäft mit Hypothekenfinanzierungen vorgeworfen.

Dezember 2012

Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen ihrer Rolle bei der Manipulation des weltweit wichtigsten Referenzzinssatzes Libor Bußen in Höhe von 1,5 Milliarden US-Dollar. Wie die Bank mitteilt, leistete sie entsprechende freiwillige Strafzahlungen an US-, britische und Schweizer Behörden.

Januar 2013

Die Bank of America überweist insgesamt mehr als zehn Milliarden Dollar an den staatlich gestützten Hausfinanzierer Fannie Mae, um Streitigkeiten bei Hypotheken-Deals aus der Welt zu schaffen. In einem anderen Fall müssen das Geldhaus und neun andere Finanzfirmen wie JPMorgan Chase oder die Citigroup mit zusammen 8,5 Milliarden Dollar für fehlerhafte Hauspfändungen geradestehen.

August 2013

Britische Banken müssen wegen falscher Beratung von Kunden erneut Entschädigungen in Milliardenhöhe zahlen. Die Aufsichtsbehörde FCA verdonnerte 13 Institute und Kreditkartenaussteller zu Kompensationsleistungen von insgesamt 1,3 Milliarden Pfund (1,5 Mrd Euro). Zu den bestraften Unternehmen zählen Barclays, HSBC und die Royal Bank of Scotland (RBS).

September 2013

Das Debakel um einen 6,2 Milliarden US-Dollar hohen Spekulationsverlust hat für die größte US-Bank JP Morgan Chase ein teures juristisches Nachspiel. Mehrere Aufsichtsbehörden in den USA und Großbritannien haben nach Angaben der US-Notenbank Fed Strafen über insgesamt rund 920 Millionen Dollar gegen das Institut verhängt.

Oktober 2013

Der Libor-Skandal kostet die niederländische Rabobank 774 Millionen Euro. Es ist die höchste Strafe in der Geschichte der Genossenschaftsbank. Die Bank hatte mit britischen, amerikanischen und niederländischen Behörden einen außergerichtlichen Vergleich getroffen. Drei Viertel der Summe fließen in die USA an das Justizministerium und die Finanzaufsicht CFTC.

November 2013

JP Morgan Chase büßt mit 13 Milliarden Dollar (9,6 Milliarden Euro) für fragwürdige Hypotheken-Geschäfte. Die führende US-Bank hatte sich nach wochenlangem Tauziehen mit dem US-Justizministerium und anderen staatlichen Stellen auf diese Summe geeinigt. Es ist der bisher größte Vergleich mit einem einzelnen Unternehmen in der amerikanischen Geschichte.

Dezember 2013

Im Skandal um Zinsmanipulationen hat die Deutsche Bank von der EU-Kommission die branchenweit höchste Strafe aufgebrummt bekommen. EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia verhängte gegen sechs internationale Großbanken Rekord-Geldbußen von zusammen 1,71 Milliarden Euro. Allein der deutsche Branchenprimus muss im Rahmen des Vergleichs 725 Millionen Euro zahlen.

Andere deutsche Finanzhäuser wie die Commerzbank, die genossenschaftliche DZ-Bank, die Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) oder die Deka-Bank haben die Spekulation mit Agrargütern dagegen stark eingeschränkt oder ganz aufgegeben.

Auch die Wall-Street-Größen prüfen, ihr Rohstoffgeschäft loszuschlagen. JP Morgan kündigte an, die Spekulation zurückzufahren, Morgan Stanley erwägt einen ähnlichen Schritt. Goldman Sachs hingegen teilte mit, an dem Grundgüterhandel festzuhalten. Grund für die Überlegungen waren die neuen Eigenhandelsregeln und Kapitalvorschriften für Banken, die Rohstoffspekulationen erschweren und zunehmend unattraktiv erscheinen lassen.

Dies war auch Hintergrund für den Entschluss der Deutschen Bank. Mit dem Umbau des Rohstoffhandels verfolge die Bank das Ziel, „unser Kapital besser zu nutzen, die Komplexität unseres Geschäftsbetriebs zu verringern und auf branchenweite, aufsichtsrechtliche Veränderungen zu reagieren“, sagt Colin Fan, Co-Chef des Investmentbanking der Deutschen Bank, laut der Mitteilung.

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