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20.06.2011

22:30 Uhr

Handelsblatt exklusiv

Der Nanosekunden-Börsenhandel steht auf dem Prüfstand

ExklusivDer Hochfrequenzhandel steht in der Kritik: Das Kaufen und Verkaufen in Sekundenbruchteilen hat schon Milliardensummen pulverisiert. Jetzt will das Finanzministerium das Marktgeschehen überprüfen.

Den Parketthandel gibt es an der Deutschen Börse nicht mehr. Die Rechner werden immer schneller. Quelle: dapd

Den Parketthandel gibt es an der Deutschen Börse nicht mehr. Die Rechner werden immer schneller.

BerlinDie Bundesregierung hat beim computergestützten Hochfrequenzhandel der Börsen Vorbehalte. Die potenziellen Risiken des Hochfrequenzhandels gäben Anlass, das Marktgeschehen in diesem Bereich auf „möglicherweise bestehende Regulierungslücken“ zu prüfen, urteilt das Bundesfinanzministerium. Das Ministerium reagiert mit dieser Einschätzung auf eine Anfrage des SPD-Abgeordneten Carsten Sieling.

Mit dem Hochfrequenzhandel versuchen Hedge Fonds und Investmentbanken Kursunterschiede von Wertpapieren an verschiedenen Börsenplätzen in Bruchteilen von Sekunden zu nutzen. Dieser Handel soll für den drastischen Kurssturz an der New Yorker Börse am 6. Mai 2010 mitverantwortlich sein. In wenigen Minuten verlor der Dow Jones-Index rund neun Prozent seines Wertes.

Kritik am Hochfrequenzhandel gab es zuletzt von allerhöchster Stelle: Auf dem Deutschen Bankentag im April warnte Bundespräsident Christian Wulff: An den Börsen sei zu überlegen, ob nicht eine "Entschleunigung" besser wäre.

Experten fürchten, dass er Kurse in Sekundenschnelle zum Absturz bringen kann und erhebliche Risiken für die Stabilität der Finanzmärkte birgt. Deshalb will die Kommission die im Blitzhandel üblichen Praktiken und Akteure (darunter kleine Investment-Boutiquen) strikter überwachen. So sollen etwa Computer, die eine Kursentwicklung selbst provozieren, diese nicht gleichzeitig ausnutzen können. Die Investoren müssten Risikomanagement-Systeme und Stresstests einführen.

Die Bundesregierung begrüßt es, dass die EU-Kommission im Rahmen der laufenden Überarbeitung der Finanzdienstleistungsrichtlinie Mifid eine stärkere Regulierung zur Diskussion gestellt habe. Es gebe Bedenken, so die Finanzaufsicht Bafin, dass der Hochfrequenzhandel gerade in Krisenzeiten Volatilitäten verstärken könne. Die Regierung geht davon aus, dass in den USA bis zu 70 Prozent und in Europa bis zu 40 Prozent der Wertpapiertransaktionen über den Hochfrequenzhandel abgewickelt werden.

Kommentare (8)

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R.Ruf

20.06.2011, 22:59 Uhr

Was soll´s? Ist eh nur virtuelles Spielgeld. Wulff hat wohl mal Sten Nadolnys "Die Entdeckung der Langsmkeit" gelesen und will mit literarischen Kenntnissen punkten.Das muß man nicht ernst nehmen.

touspourun

20.06.2011, 23:01 Uhr

Derivate, Kreditausfallversicherung, Steueroasen: der Nanosekunden Handel reiht sich nahtlos in dieser Liste ein. Jetzt soll das Marktgeschehen untersucht werden. Könnte es tatsächlich sein, daß manipuliert wird? Ein tolles Werkzeug mit dem Betrüger täglich Millionen verdienen. Aktienhandel ist grundsätzlich manipuliert. Nicht ein Tag vergeht ohne daß einer der grossen Jungs erwischt wird. Zuletzt Goldman Sachs und Arcadia mit Öl, JPMorgan mit Silber, etc, etc.. Sie kommen fast immer fein raus mit einer Strafe ohne Eingestehen eines Fehlverhaltens

Charbonnier

20.06.2011, 23:37 Uhr

Die Menschen, die diese Art von Börse betreiben sind in meinen Augen ehrloses Gesindel!

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