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19.09.2012

09:13 Uhr

Handelsblatt Exklusiv

Fitschen wird Präsident des Bankenverbands

VonNicole Bastian, Peter Köhler

ExklusivCommerzbank-Chef Martin Blessing war ein Kandidat, doch der Job geht an Deutschlands größtes Geldhaus: Jürgen Fitschen, der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, soll dem privaten Bankenverband vorstehen.

Jürgen Fitschen bekommt im nächsten April ein neues Amt. AFP

Jürgen Fitschen bekommt im nächsten April ein neues Amt.

FrankfurtSeit Monaten wird über die Personalie spekuliert, jetzt ist sie klar: Jürgen Fitschen übernimmt ab April 2013 das Präsidentenamt des privaten Bankenverbands BdB. Das bestätigten Finanzkreise dem Handelsblatt. In den nächsten Tagen soll seine Kandidatur mit dem Bankenverband besiegelt werden. Der 64-Jährige galt, seit er im Juni in den Vorstand des BdB eingezogen ist, als Favorit für die Nachfolge des jetzigen Präsidenten Andreas Schmitz, Vorstandssprecher von HSBC Trinkaus.

In Verbandskreisen heißt es, Fitschen sei der Wunschkandidat gewesen. "Alle sind glücklich, wenn er das macht", sagte ein Insider. Eine Gegenkandidatur wird nicht erwartet - das war eine der Bedingungen Fitschens. Angesichts der Regulierungsdebatten in Europa wollten die Großbanken im Verband diesmal einen ihrer Vertreter an der Spitze. Sie erhoffen sich mit dem prominenten Präsidenten auch ein besseres Durchdringen mit ihren Problemen im Kanzleramt. Zudem planen bereits jetzt einige, dass Fitschen - sollte er 2015 seinen Posten als Co-Vorstandschef der Deutschen Bank nicht verlängern - als hauptamtlicher Präsident die Geschicke des BdB weiter steuert.

Mit Fitschen erhält der Verband einen Banker, der in Berlin bestens verdrahtet ist. Zudem ist der gelernte Groß- und Außenhandelskaufmann sowohl bei Konzernen als auch im Mittelstand geschätzt. Seitdem er von seinem Vorgänger Josef Ackermann 2004 zum Chef des Deutschland-Geschäfts der Deutschen Bank ernannt wurde, um den Ruf des Instituts auf dem Heimatmarkt zu verbessern, haftet seinem Job bereits viel Diplomatisches an.

Das sind die größten Banken Deutschlands

Platz 12

2011 ist das letzte Jahr, für das die WestLB ihre Jahresbilanz bekannt gab. Die Bank, die zum Großteil dem Land Nordrhein-Westfalen, der NRW.Bank und den Sparkassenverbänden des Rheinlands und Westfalen-Lippe gehörte, ist mittlerweile zerschlagen. Die Zertifikategeschäfte übernahm die Helaba.

Bilanzsumme (2011): 167,90 Milliarden Euro

Platz 11

Die Postbank gehört mittlerweile zur Deutschen Bank und betreut mit rund 19.000 Angestellten fast 14 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 192,00 Milliarden Euro

Platz 10

Die Eurohypo AG ist eine Tochter der Commerzbank  - und ein Milliardengrab. Zehn Jahre nach der Gründung wird die Hypothekenbank nun zerschlagen. Die Eurohypo AG ist nach der WestLB die zweite deutsche Bank, die die Krise nicht überlebt hat. Jedoch ist ihre Bilanzsumme noch um einiges größer als die der Landesbank.

Bilanzsumme (2011): 203,00 Milliarden Euro

Platz 9

Auch die NordLB schaffte es nur mit Staatsmitteln, die Bankenkrise zu überstehen. Die EU-Bankenaufsicht verordnete der Bank der Länder Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ihr Eigenkapitalpolster gehörig aufzustocken.

Bilanzsumme (2011): 227,60 Milliarden Euro

Platz 8

Die BayernLB machte in den vergangenen Wochen mit einem Streit mit der EU-Kommission Schlagzeilen. Die in der Krise taumelnde Bank muss dem Land Bayern fünf Milliarden Euro an Krisenhilfen zurückzahlen.

Bilanzsumme (2011): 309,10 Milliarden Euro

Platz 7

Auch die Hypo Real Estate überlebte die Krise nur knapp: Die Immobilienbank wurde verstaatlicht und lagerte ihre Altlasten in eine Bad Bank aus. Bis 2015 muss die Hypo Real Estate jedoch wieder privatisiert werden, entschied die EU.

Bilanzsumme (2011): 236,60 Milliarden Euro

Platz 6

Die LBBW ist mit einer Bilanzsumme von über 370 Milliarden Euro die größte deutsche Landesbank. Das Geldinstitut gehört fast vollständig dem Land Baden-Württemberg, dem Sparkassenverband des Landes und der Stadt Stuttgart.

Bilanzsumme (2011): 373,10 Milliarden Euro

Platz 5

Die deutsche Unicredit Bank AG, besser bekannt unter ihrem Markennamen Hypovereinsbank, ist ein Tochterunternehmen der größten italienischen Bank, Unicredit. Die italienische Großbank hat gerade eine Umstrukturierung angekündigt: Die Tochtergesellschaften und damit auch die Hypovereinsbank sollen mehr Autonomie bekommen.

Bilanzsumme (2011): 395,70 Milliarden Euro

Platz 4

Zur DZ Bank AG gehören neben der Volksbanken Raiffeisenbanken auch die Bausparkasse Schwäbisch Hall oder die R+V Versicherung. Die DZ Bank AG ist das Zentralinstitut für insgesamt 900 Genossenschaftsbanken mit rund 30 Millionen Kunden.

Bilanzsumme (2011): 405,90 Milliarden Euro

Platz 3

Die Kreditanstalt für Wideraufbau (KfW) ist die deutsche Förderungsbank unter Aufsicht des Finanzministeriums. Sie gibt Kredite an Existenzgründer und Firmen im Rahmen von Förderprogrammen der Bundesregierung und ist für die Finanzierung von Infrastrukturvorhaben zuständig.

Bilanzsumme(2011): 494,80 Milliarden Euro

Platz 2

Die Commerzbank belegt mit einer Bilanzsumme von über 600 Milliarden Euro Platz zwei unter den größten deutschen Banken. Die Bank ist in 52 Ländern vertreten und betreut nach eigenen Angaben rund 15 Millionen Privat- und eine Millionen Firmenkunden in der ganzen Welt.

Bilanzsumme(2011): 661,80 Milliarden Euro

Platz 1

Die international erfolgreiche Deutsche Bank nimmt unangefochten den ersten Platz der größten deutschen Banken ein. Ihre Bilanzsumme ist rund 3,5 mal so groß wie die der Commerzbank. Die Bank beschäftigt über 100.000 Mitarbeiter – knapp 50.000 davon in Deutschland.

Bilanzsumme (2011): 2164,10 Milliarden Euro

Mit seinen Stationen bei der Deutschen Bank in Tokio, Singapur und London hat er auch international gute Kontakte. Die Deutsche Bank wollte die Personalie nicht kommentieren. Eine Sprecherin des BdB sagte, man sei überzeugt, einen guten Kandidaten für den Präsidentenposten zu finden. Der Auswahlprozess sei auf gutem Weg. Fitschen hatte sich eine endgültige Entscheidung lange vorbehalten. Informationen aus Finanzkreisen zufolge hat er sich jedoch in den vergangenen Tagen festgelegt - und BdB-Präsident Schmitz seine Entscheidung mitgeteilt.

Als unwahrscheinlich gilt, dass Fitschen all seine anderen Mandate behalten wird. Für den Posten des Verbandspräsidenten rechnen Vorstandsmitglieder rund anderthalb Tage in der Woche - ein hoher Zeitbedarf neben dem fordernden Posten des Co-Vorstandschefs. Bisher sitzt Fitschen schon im Aufsichtsrat des Handelskonzerns Metro sowie im Verwaltungsrat des Speditionsunternehmens Kühne & Nagel. Zudem engagiert er sich im Gremium der Deutschen Sporthilfe, ist Vorstandsmitglied im Ost-Ausschuss der deutschen Wirtschaft und Vorsitzender des Ostasiatischen Vereins (OAV).

Das Aufrücken Fitschens an die BdB-Spitze wird im Verband als Stärkung verstanden. Commerzbank-Chef Martin Blessing hatte sein Vorstandsmandat an seinen Mittelstandsvorstand Markus Beumer abgegeben, weil er sich auf den Internationalen Bankenverband IIF konzentrieren wollte. Das war von vielen im BdB als Affront verstanden worden.

Das sind die größten Banken Europas

Platz 9

Barclays (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 9

Deutsche Bank (Deutschland) - Marktkapitalisierung (2011): 36,1 Milliarden Euro

Platz 8

Royal Bank of Scotland (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 36,6 Milliarden Euro

Platz 7

UBS (Schweiz) - Marktkapitalisierung (2011): 41,3 Milliarden Euro

Platz 6

BNP Paribas (Frankreich) - Marktkapitalisierung (2011): 45,4 Milliarden Euro

Platz 5

Standard Chartered (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 45,5 Milliarden Euro

Platz 4

Allied Irish Banks (Irland) - Marktkapitalisierung (2011): 48,8 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander (Spanien) - Marktkapitalisierung (2011): 54,3 Milliarden Euro

Platz 2

Sberbank (Russland) - Marktkapitalisierung (2011): 55,9 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC Holdings (Großbritannien) - Marktkapitalisierung (2011): 120,8 Milliarden Euro

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

19.09.2012, 10:31 Uhr

Fitschen an der Spitze des Bankenverbandes hat gerade noch gefehlt. Man kann ihn nämlich an seinen Worten messen, um vorweg zu nehmen, was er in seiner Funktion tun wird. Mit der Äußerung, dass Inflation der Preis für den Euro sei, haben sich Fitschen und Jain nämlich in alle Blätter gewagt.http://www.fortunanetz.de/index.php Die Rettungskosten werden in eine Inflation münden. Ausdrücklich lobte Fitschen das Eingreifen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Euro-Rettung, indem sie Staatspapiere aufkauft.. „Es ist gut, dass die Europäische Zentralbank handelt.“ Damit greift die Deutsche Bank dem Handeln der EZB vor und fordert quasi ein verfassungswidriges Vorgehen.

Das dürfte für die Bankenlandschaft einmalig sein. Die Politik wird dadurch bedrängt, und Weidmann fällt die Deutsche Bank in den Rücken.

Damit hat die Deutsche Bank ein neues Motto: Inflation mit Leidenschaft.
Man kann nur hoffen, dass alle Leser verstanden haben, was im Währungsraum des Bundestages geschehen ist. Draghi und die Deutsche Bank haben das gleiche Ziel: Die Inflationierung des Euroraumes als Krisenlösung zu verkaufen.
AMan kann nut froh sein, dass Weidmann in eine öffentliche Diskussion eingetreten ist, um die
Inflationierung abzuwenden.

Account gelöscht!

19.09.2012, 10:45 Uhr

Was mit der Realisierung vom Schengener Abkommen super umgesetzt wurde und Europa zusammen geführt hat, führt diese Gemeinschaftswährung Europa gradewegs in den Abgrund. Der Euro kann in den Südländern nur durch immer neue Schulden existieren. Das heißt, der Euro führt zwangsläufig zur Inflation mit schwerwiegender Armut überall in Europa.

Sehen wir die Vereinigten Staaten von Amerika. Jetzt denkt man darüber zunehmend nach, dass das Federal Reserve System (FED) seit vielen Jahrzehnten mit der Notenpresse das falsche Instrument ausgepackt hat.

Zukünftig werden einige Bundesstaaten der Vereinigten Staaten von Amerika währungstechnisch teilweise untereinander abgekoppelt. Neben dem „Dollar“ würde eine „zweite Gemeinschaftswährung“ eingeführt. Alle Bundesstaaten mit schwächerem Wirtschaftswachstum würden in einer „weicheren“ Gemeinschaftswährung aufgenommen. Damit würde die Wirtschaft in den Vereinigten Staaten von Amerika langfristig wachsen.

Sehen wir was in den USA nicht funktioniert und welche Änderungen sich anbahnen, brauchen wir Europäer diesen Quatsch mit der permanenten Euroverschuldung nicht länger so fortzuführen.

Die mit Macht zusammengefügten Staaten, wollen den Zentralismus aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten nicht mehr haben. Die einzelnen Länder wollen wieder selbständig agieren. Und was machen unsere Politiker in Brüssel, sie arbeiten alle gegen die wirtschaftliche Vernunft. Das kann man der europäischen Bevölkerung nicht erklären.

ratlos

19.09.2012, 11:33 Uhr

Ich habe gesehen, dass der Autor Heiko Schrang vor kurzen 11 Fragen, die alle Deutschen bewegen, in einem Interview beantwortet hat. http://www.macht-steuert-wissen.de/artikel/145/11-fragen-die-die-deutschen-bewegen.php Lesens- und nachdenkenswert!

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