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25.03.2011

00:03 Uhr

Investmentbanken verdienen am Börsengang von Unternehmen. Viele jedoch verschieben den Gang aufs Parkett - wie die Reederei Hapag-Lloyd. Quelle: dpa

Investmentbanken verdienen am Börsengang von Unternehmen. Viele jedoch verschieben den Gang aufs Parkett - wie die Reederei Hapag-Lloyd.

FrankfurtSo richtig rund läuft es für die Investmentbanken in Deutschland seit dem Jahresanfang nicht.

Bei Fusionen und Übernahmen (M&A) haben sich die Hoffnungen der Banker auf mehr Geschäft zwar erfüllt – dafür brachen aber die Platzierungen am Aktienmarkt ein und auch am Anleihemarkt mussten die Bankmanager einen Gang zurückschalten. Die Folge: Weniger Börsengänge. Die Gebühreneinnahmen im deutschen Investmentbanking gingen im ersten Quartal verglichen mit den ersten drei Monaten 2010 um 38 Prozent auf 488 Millionen Dollar zurück.

Das schmerzt, denn schon im gesamten Jahr 2010 mussten die Banken einen Gebührenrückgang um mehr als die Hälfte auf 2,1 Milliarden Dollar verkraften. Die meisten Gebühren kassierte in den ersten drei Monaten erneut Goldman Sachs, gefolgt von Morgan Stanley, die damit die Deutsche Bank auf Platz drei verwies (siehe „Führende Banken“).

Mit Blick auf das zweite Quartal sind Banker aber optimistisch. Hauptgrund sind die Mega-Deals der Deutschen Börse und der Telekom. Die Deutsche Börse will mit der Nyse Euronext fusionieren und die Telekom verkauft ihren Anteil an T-Mobile an AT&T. Außerdem rücken heimische Firmen verstärkt ins Visier ausländischer Interessenten. „Deutsche Unternehmen sind als Übernahmeziele sehr attraktiv, und wir sehen ein verstärktes Interesse nichteuropäischer Erwerber“, sagt Vorstand Kai Tschöke von der Morgan Stanley Bank AG in Frankfurt.

Die bisherigen Mega-Deals sind der Hauptgrund dafür, dass der deutsche M&A-Markt mit 74,8 Milliarden Dollar den stärksten Start seit fünf Jahren hinlegte – und die Rangliste kräftig durcheinander wirbelte. So rückte die als Berater von Deutscher Börse und AT&T engagierte US-Bank JPMorgan auf Platz eins der M&A-Banken vor. Die Gebühren bekommen die beteiligten Banken aber erst, wenn die Transaktionen abgeschlossen sind. „Es ist daher zu erwarten, dass sich der positive Trend bei den angekündigten M&A-Transaktionen im Laufe des Jahres auch in höheren Gebühren niederschlagen wird“, erklärt Leon Saunders Calvert vom Datenauswerter Thomson Reuters.

Zu den Unsicherheitsfaktoren für den weiteren Jahresverlauf zählt Karl-Georg Altenburg, Deutschlandchef von J.P. Morgan, die geopolitische Entwicklung im Nahen Osten. Trotz dieser Unsicherheiten sei das Kapitalmarktumfeld vergleichsweise stabil. „Strategische Unternehmenskäufe sind wieder zurück auf die Tagesordnung gekehrt, denn hier gibt es für viele Nachholbedarf“, meinte der Investmentbanker. Und die Citigroup Deutschland glaubt, dass 90 Prozent aller Unternehmen fertige M&A-Strategien in der Schublade hätten, kurzfristig aber wegen der Ereignisse in Nahost und Japan Hemmungen zeigten, diese umzusetzen.

Im ersten Quartal bekamen die Banken aus dem M&A-Geschäft bereits Gebühren über 413 Millionen Dollar. Das sind zwar zehn Prozent weniger als im Vergleichzeitraum, aber dennoch macht die Königsdisziplin im Investment-Banking den Löwenanteil an den Gebühren aus. Grund für den Gebührenrückgang im gesamten Investmentbanking - das über das M&A-Geschäft hinausgeht - „ist vor allem der Einbruch im Aktiengeschäft“, sagt Calvert, der die Daten für den deutschen Markt exklusiv für das Handelsblatt berechnet hat.

In der Tat gab es Deutschland im ersten Quartal mit dem Fahrradhändler Derby Cycle, RIB Software und dem Formel 1 Team Williams nur zwei etwas größere Börsengänge. Und angesichts der hochnervösen Märkte im Zuge der Libyen- und der Japan-Krise hat die Reederei Hapag Lloyd ihren Börsengang auf Eis gelegt. Zu tun gab es für die Investmentbanker im Aktienbereich deshalb nur mit Kapitalerhöhungen - etwa die von K+S, Kabel Deutschland oder Commerzbank.

Doch auch hier haben Banker Hoffnung, dass es im nächsten Quartal besser wird. Als Börsenkandidaten gelten etwa das Immobilienunternehmen GSW und der Glühbirnenhersteller Osram.

Dass Unternehmen sich vom Kapitalmarkt bislang fern halten, zeigt sich auch bei Anleihen. Insgesamt ging das Geschäft mit neuen Papieren in Deutschland um elf Prozent auf knapp 108 Milliarden Dollar zurück. „Viele große deutsche Unternehmen haben sich noch nicht am Kapitalmarkt blicken lassen, weil sie einfach kein Geld brauchen“, erklärt Joachim Heppe, Leiter des Anleihesyndikats bei der Commerzbank. Dabei hätten sich die Firmen gerade seit dem Erdbeben in Japan auffällig zurückgehalten. „Investoren verlangen seither für neue Anleihen etwas mehr Risikoprämie – und die wollen und müssen viele Unternehmen nicht zahlen und warten deshalb ab.“ Im deutschen Anleihegeschäft behauptete sich erneut die Deutsche Bank, die mit Abstand die Rangliste anführt.

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