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14.05.2012

13:00 Uhr

Handelsblatt exklusiv

„Wir sollten es selbst schaffen“

VonPeter Köhler, Yasmin Osman

Der Chef der DZ Bank rät zu einer Koppelung von Managerbezügen an die Durchschnittsgehälter. Im Handelsblatt-Interview sprach Wolfgang Kirsch auch über mögliche Kapitalpläne und erklärt, warum er Banken kaum Geld leiht.

DZ Bank-Chef Kirsch: „Zu dieser Familie zu gehören, hat viele Vorteile.“ dpa

DZ Bank-Chef Kirsch: „Zu dieser Familie zu gehören, hat viele Vorteile.“

FrankfurtHandelsblatt: Herr Kirsch, die Vergütungen der Manager stehen in der Kritik. Sind zweistellige Millionengehälter in Ihren Augen nachvollziehbar?

Ich bin kein Freund der Planwirtschaft oder von Vorgaben ex cathedra. Es kann sein, dass eine Geschäftsidee oder die Strategie eines Managers einen derartigen Mehrwert für ein Unternehmen bringt, dass die Eigentümer und die Aufsichtsräte sagen: Das wollen wir besonders belohnen. Das gilt aber nur für den Einzelfall. Generell müssen die Verantwortlichen – Aufsichtsräte, Vergütungsausschüsse und Eigentümer – ihre Verantwortung stärker wahrnehmen als bisher.

Geht es konkreter?
Mir geht nach wie vor durch den Kopf, ob sich ein Multiplikator nicht am ehesten am durchschnittlichen Gehalt eines Unternehmens orientieren sollte. Wenn dann die Vergütung eines Vorstandsvorsitzenden sich in einer Spanne des 20- bis 30-Fachen eines Durchschnittsgehalts bewegt – je nach dem geschäftlichen Erfolg – dann hätte man zumindest einen Maßstab, einen Ankerpunkt, gefunden.

Haben Sie das für sich mal durchgerechnet?

Ich würde mich immer in diesem Rahmen bewegen. Ich würde das ja auch nicht sagen, wenn Sie mich schon bei der ersten Rechnung überführen könnten. Wenn ich solche Ideen äußere, dann ist auch der Abgleich mit der Realität gegeben. Wichtig ist: Wir sollten diese Maßstäbe aus uns selbst heraus schaffen. Ich hätte die größten Probleme damit, planwirtschaftliche Elemente in der ansonsten marktwirtschaftlichen Wirtschaftsstruktur in Deutschland sehen zu müssen.

Wolfgang Kirsch ist kein Freund der Planwirtschaft. Pressefoto

Wolfgang Kirsch ist kein Freund der Planwirtschaft.

Haben Sie schon Verbündete?

Die Diskussion ist im Gange. Und es gibt ja nicht nur das Festgehalt und das variable Gehalt, sondern auch noch die Altersversorgung. Das zeigt die Komplexität dieser Aufgabenstellung. Aufsichtsräte und Eigentümer müssen in den in die Kritik geratenen Fällen zu angemessenen Lösungen kommen. Wir selbst brauchen dafür keine Verbündeten. Wir als genossenschaftliche Organisation führen unser Haus selbst.

Also wäre das der Maßstab für das genossenschaftliche Lager?

Wir wollen von der Gesellschaft akzeptiert werden und werden das ja auch. Dazu gehört auch, dass man mit Vergütungsstrukturen in den Markt geht, die von unserer Klientel als angemessen empfunden werden.

Bei der Deutschen Bank sind die Gehälter höher …

Es gibt sicher große Unterschiede zwischen den Durchschnittsgehältern im hiesigen Markt und denen bei Instituten mit vielen Beschäftigten in Tokio oder New York. Deshalb fällt der Faktor 20 bis 30 für einen Vorstandschef auch ganz unterschiedlich aus.

Die Gehälter sind ein Reizthema, weil die Banken viele Hilfen bekamen, etwa die Billionen-Geldspritze der EZB. War die nötig?

Ja, weil die Märkte nicht funktioniert haben und sich viele Banken auf den etablierten Wegen nicht mehr refinanzieren konnten. Aber eine Notmaßnahme darf nicht zum Dauerzustand werden. Es muss wieder einen Weg zurück in die Normalität geben. Das heißt, dass Banken entweder Kundeneinlagen gewinnen oder das notwendige Vertrauen zurückerobern müssen, um von anderen Banken Geld geliehen zu bekommen.

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