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03.02.2017

13:55 Uhr

Handelsblatt-Jahrestagung

Wenn die Volksbank mit der Sparkasse flirtet

VonElisabeth Atzler

Sie haben dieselben Probleme und dieselben Stärken: Sparkassen und Genossenschaftsbanken sollten mehr kooperieren – und womöglich sogar fusionieren, findet Reiner Brüggestrat, Chef der Hamburger Volksbank.

Genossenschaftliche Volksbanken könnten viel enger an die öffentlich-rechtlichen Sparkassen heranrücken. dpa

Volksbank

Genossenschaftliche Volksbanken könnten viel enger an die öffentlich-rechtlichen Sparkassen heranrücken.

BerlinMehr Kooperationen zwischen Sparkassen und Volksbanken sind möglich, meint Reiner Brüggestrat, Chef der Hamburger Volksbank – bis zu Fusionen zwischen den Kreditinstituten. „Wir müssen darüber nachdenken, ob das nicht im Sinne der Kunden wäre“, sagte er auf der Handelsblatt Jahrestagung Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken.

„Es gibt längst mehr Gemeinsamkeiten als Gegensätze“, so Brüggestrat. Er sei der Überzeugung, dass es in 20 Jahren auch nur noch eine regionale Bank gebe könne. Das hieße, dass die öffentlich-rechtlich organisierten und die genossenschaftlichen Volks- und sowie Raiffeisenbanken sich zusammenschließen würden – trotz der unterschiedlichen Rechtsform und obwohl sie sich gegenseitig Konkurrenz machen.

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Derzeit gibt es knapp 400 Sparkassen in Deutschland, sie werden von den Kommunen getragen, die quasi ihre Eigentümer sind. Die nahezu 1000 Volks- und Raiffeisenbanken gehören ihren Mitgliedern, die Anteile an der Genossenschaft gezeichnet haben. Daneben gehören die privaten Banken zum so genannten Drei-Säulen-System der deutschen Kreditwirtschaft.

Hintergrund von Brüggestrats Überlegung ist, dass die regionalen Kreditinstitute jeweils vor ganz ähnlichen Problemen stehen und gleichermaßen lokal verwurzelt sind. Die Minizinsen lasten auf ihren Geschäftsmodellen. Das Einsammeln von Einlagen und die Vergabe von Krediten lohnen sich weniger, die Zinsmarge schrumpft. Zugleich gilt die zunehmende Regulierung als Herausforderung. Und sie müssen in die Digitalisierung ihres Geschäfts investieren.

Dennoch gelten solche Vorschläge als Provokation. Denn Sparkassen sehen mögliche Fusionen mit Genossenschaftsbanken skeptisch. „Wir sind uns sehr ähnlich“, sagte Ralf Fleischer, Chef der Stadtsparkasse München. „Aber wir dürfen nicht verkennen: Wir sind derzeit Wettbewerber, und das wird vorerst auch so bleiben.“

Auch die deutschen Kommunen bremsen. Mehr Zusammenarbeit sei machbar, aber nur, wenn das Drei-Säulen-System bewahrt werde, sagte Hans-Günter Henneke, Geschäftsführendes Präsidialmitglied des Deutschen Landkreistages, auf der Handelsblatt-Tagung. „Was wir uns nicht vorstellen können, sind Veränderungen in der rechtlichen Struktur. Da ist die Grenze.“

Die unterschiedliche Rechtsform sei keine Hürde, sagte Brüggestrat indes. Man könne beispielsweise nicht einfach übertragbare und an die Region gebundene Aktien im Fall einer Fusion nutzen, schlägt er vor. Die Hamburger Volksbank rangiert mit einer Bilanzsumme von rund drei Milliarden Euro etwa auf Platz 40 der größten Genossenschaftsbanken, zu den auch Spezialinstitute wie die Ärzte- und Apothekerbank zählen.

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