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02.02.2017

12:27 Uhr

Handelsblatt-Sparkassentagung

Der Kampf gegen die Minizinsen

VonElisabeth Atzler, Frank Matthias Drost

Die deutschen Sparkassen rechnen mit heftigen Belastungen durch die Niedrigzinsen. Um einen Euro zu verdienen, müssten die Institute bald 75 Cent aufwenden, warnt Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon.

Sparkassentagung 2017

„Wir tun alles, um die Niedrigzinsen nicht an die Kunden weiterzugeben“

Sparkassentagung 2017: „Wir tun alles, um die Niedrigzinsen nicht an die Kunden weiterzugeben“

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BerlinDie deutschen Sparkassen fürchten, dass sie künftig angesichts der niedrigen Zinsen deutlich weniger verdienen. Schon im vergangenen Jahr ist das Betriebsergebnis vor Bewertung um rund 800 Millionen Euro gefallen, wie Sparkassenpräsident Georg Fahrenschon am Donnerstag auf der Handelsblatt Jahrestagung Zukunftsstrategien für Sparkassen und Landesbanken sagte. Das ist ein Rückgang um sieben Prozent.

Im Jahr 2015 lag das Betriebsergebnis vor Bewertung – also bevor die Werte von Krediten und Wertpapiere bilanziell berichtigt wurden – bei 10,8 Milliarden Euro. Nach Steuern und Bewertung verdienten die deutschen Sparkassen damals zwei Milliarden Euro.

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Sparkassenpräsident Fahrenschon sieht gravierende Veränderungen in der Gesellschaft. Im Interview spricht er über die Filter-Bubble von Firmenlenkern, die Revitalisierung des europäischen Mottos und Lehren aus den USA.

Die Entwicklung werde sich 2017 fortsetzen, sagte Fahrenschon. Mit Folgen für die Ertragsstärke der Sparkassen: „Die Aufwand-Ertragsrelation wird in den kommenden drei Jahren wohl auf 75 Prozent ansteigen“, sagte er. Das bedeutet, dass die knapp 400 Sparkassen im Schnitt 75 Cent aufwenden müssen, um einen Euro zu verdienen. Die Aufwand-Ertragsrelation ist eine wichtige Kennzahl für die Effizienz eines Unternehmens. Im Jahr 2015 lag sie bei 64 Prozent.

Fahrenschons Prognose zeigt, wie sehr die deutschen Sparkassen, aber auch andere deutsche Banken wie etwa die Volks- und Raiffeisenbanken, mit den Mini- und Minuszinsen ringen. Die Leitzinsen in der Euro-Zone betragen seit knapp einem Jahr null Prozent. Zudem müssen Geschäftsbanken einen Strafzins von 0,4 Prozent berappen, wenn sie überschüssige Liquidität über Nacht bei der Europäischen Zentralbank (EZB) parken.

Erst am Mittwoch hatten hochrangige Bundesbanker und Wissenschaftler davor gewarnt, dass länger anhaltende  Niedrigzinsen deutsche Geldhäuser heftig unter Druck setzen. „Selbst wenn die Zinsen konstant auf ihrem aktuellen Niveau blieben, würde sie die Zinsmarge im Kerngeschäft der Banken in Deutschland in den nächsten vier Jahren um 16 Prozent verringern“, so Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret und Jörg Rocholl, Präsident der Wirtschaftshochschule ESMT.   

Die profitabelsten und unprofitabelsten Sparkassen-Regionen 2016

Sparkassen-Verbände

Die mehr als 400 Sparkassen in Deutschland sind in 12 regionalen Verbänden organisiert. Eine viel beachtete Messgröße für die Profitabilität der Sparkassen ist das Betriebsergebnis vor Ergebnis im Verhältnis zur Bilanzsumme. Der Sparkassenverband Westfalen-Lippe hat über die erwarteten Gewinne im Jahr 2016 diverser Verbände informiert.

Platz 1

Ostdeutscher Sparkassenverband

Bilanzsumme 2015:
112 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
1,04 Prozent (Vorjahr: 1,15 Prozent)

Quelle: SVWL, OSV

Platz 2

Sparkassenverband Westfalen-Lippe

Bilanzsumme der Mitglieder 30.6.2016:
126 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,95 Prozent (Vorjahr: 1,08 Prozent)

Quelle: SVWL

Platz 3

Sparkassenverband Schleswig-Holstein

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
37,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,88 Prozent (2014: 0,89 Prozent)

Quelle: SVWL, SGVSH

Platz 4

Sparkassenverband Baden-Württemberg

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
178,6 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,84 Prozent (2015: 0,97 Prozent)

Quelle: SVWL, SVBW

Platz 5

Bayerischer Sparkassenverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
193 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,82 Prozent (2015: 0,95 Prozent)

Quelle: SVWL, SVB

Platz 11

Rheinischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
154 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,69 Prozent

Quelle: SVWL, SVB

Platz 12

Hanseatischer Sparkassen- und Giroverband

Bilanzsumme der Mitglieder 2015:
54 Milliarden Euro

Erwartetes Betriebsergebnis 2016 gemessen an der durchschnittlichen Bilanzsumme:
0,65 Prozent

Quelle: SVWL, DSGV

Mit dem EZB-Nullzins sind die Margen im Kreditgeschäft der Banken bereits geschwunden. Auch wenn sie die Einlagen der Kunden anlegen, verdienen die Geldhäuser weniger. Das schmerzt, sind Zinserträge doch die mit Abstand wichtigste Einnahmequelle deutscher Kreditinstitute: Rund drei Viertel aller Erträge stammen aus dem Geschäft mit Krediten und Einlagen, zeigt ein Bundesbank-Bericht vom September vergangenen Jahres.

Sparkassen und Genossenschaftsbanken sind von den Zinsüberschüssen sogar nochmals stärker abhängig als die Großbanken: Bei ihnen stammten zuletzt 80 Prozent aus diesem Geschäftsbereich. Fahrenschon zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Sparkassen die Herausforderungen bewältigen werden. Aber: „Das wird enorme unternehmerische Anstrengungen und konsequentes Handeln erfordern.“ Skeptischer zeigten sich die Teilnehmer der Tagung.

Kommentare (14)

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Herr J.-Fr. Pella

02.02.2017, 13:05 Uhr

Wenn ich richtig gerechnet habe, entspricht dies einer Rendite von
und schreibe 25%. !!!!!!!
Davon kann man natürlich nicht leben, oder???

Herr Thomas Behrends

02.02.2017, 13:18 Uhr

Mir kommen die Tränen.

Diese Luxusprobleme möchte ich auch gern haben.

Allein meine Miete in Hamburg macht bereits 50 % meines Einkommens aus.

Von den anderen lebensnotwendigen Ausgaben möchte ich hier lieber nicht reden ...

Herr Hans-Jörg Griesinger

02.02.2017, 13:25 Uhr

Jahrzehntelang haben die Banken durch Zinsen blendend an ihren Kunden verdient.
Jetzt sind die goldenen Zeiten vorbei! Kenne in meinem privaten Umfeld keinen mehr, der sich nochmal verschulden will. Sind mittlerweile alles Barzahler. Entweder sie haben die Kohle um sich Materielles anzuschaffen, oder sie lassen es eben sein oder suchen nach alternativen Gebrauchtdingen (z. Bsp. über ebay unsw.).
Zudem warum soll ich der Bank Geld zur Verfügung (sparen) stellen, wenn die mir im Gegenzug keine Zinsgutschrift mehr geben, macht keinen Sinn. Schließlich ist die Bank mein Schuldner, wenn ich dort eine Geldeinlage leiste.
Sparen bedeutet die Verschuldung der Bank mir gegenüber.


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