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19.01.2011

09:32 Uhr

Handelsblatt-Umfrage

Banker kassieren weniger Boni

VonRobert Landgraf

ExklusivDeutschlands Banker verdienen weniger. Der Grund: Niedrigere Boni für das Jahr 2010 können auch durch ein gestiegenes Festgehalt nicht ausgeglichen werden. Vor allem Investmentbanken trifft es hart - und auch Josef Ackermann kommt nicht ungeschoren davon.

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Vergütung dürfte um 5 Prozent sinken. Quelle: Bernd Roselieb

Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann: Vergütung dürfte um 5 Prozent sinken.

FRANKFURT. Zwar bleibt der Chef der Deutschen Bank das Maß aller Dinge unter den Spitzenverdienern in den deutschen Konzernen. Allerdings muss der Schweizer für das Geschäftsjahr 2010 mit einem Rückgang seiner Gesamtvergütung um mindestens fünf Prozent rechnen. Das ergibt eine Umfrage des Handelsblatts unter Instituten und Personalberatern zur Bezahlung der Bankenbranche und der Topmanager vor der jetzt startenden Bonisaison. Auch wenn Ackermann sein Jahreseinkommen von 9,5 Millionen Euro für 2009 nicht mehr erreichen kann, zählt er weiterhin zu den bestbezahlten Vorständen Deutschlands.

Doch nicht nur für Ackermann, sondern für viele Banker sind die Wochen im Januar die spannendsten des Jahres. Bevor für den Einzelnen Klarheit herrscht, machen die Institute Erwartungsmanagement, wie Tim Zühlke von Indigo Headhunters festgestellt hat: "Die Banken versuchen oftmals, die Erwartungen der Mitarbeiter klein zu halten, um bei der Bekanntgabe positiv zu überraschen." Trotzdem, es gibt weniger zu verdienen. Das Minus von fünf bis zehn Prozent in der Gesamtvergütung wird insbesondere vom Rückgang bei den variablen Gehaltsbestandteilen geprägt, den Boni. Hier haben gerade Investmentbanker zu leiden, die in Instituten mit amerikanischen Mutterkonzernen arbeiten. Sie müssen sich auf einen Rückgang um bis zu 30 Prozent einstellen. Das schmerzt. Denn bei Topmitarbeitern machen Boni nach Einschätzung des Personalspezialisten von Korn/Ferry durchaus 80 bis 90 Prozent der Gesamtbezahlung aus. Daran haben auch die Gehaltsreformen bei Banken weltweit nichts geändert.

Künftig müssen Boni mit mehrjähriger Verzögerung ausbezahlt werden. Hochrangige Manager dürfen nur 20 Prozent des Bonus sofort in bar kassieren. Maximal ein weiteres Fünftel erhalten die Topleute in Europa nach einer Studie von JP Morgan frühestens innerhalb von sechs Monaten bis zwei Jahren. Der Rest wird etwa in Aktien bezahlt und drei bis fünf Jahre gestreckt. Dann erst ist im besten Fall die volle Summe ausbezahlt. Bei deutschen Banken mit Staatsbeteiligung wie die Commerzbank sind die Gehälter ohnehin auf maximal 500 000 Euro begrenzt.

Doch die Gehälter der Banker den Vorschriften anzupassen fällt schwer. Die Banken müssen ihre Mitarbeiter dazu bringen, ihre Arbeitsverträge zu ändern, ohne sie zu vergraulen. Dazu dienen höhere Fixgehälter. "Das Festgehalt in der Bankenbranche liegt inzwischen im Durchschnitt rund 20 bis 30 Prozent höher", sagt Nils Wilm, Managing Partner bei Personalberater Banking Consult. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Kreditinstitute in der nächsten Krise auf einem höheren Fixkostenblock sitzen.

Die höheren Festgehälter werden oftmals den Rückgang der Boni nicht ausgleichen können. Denn das Geschäft lief 2010 schlecht im Vergleich zum Vorjahr. Schon vor der Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen der Banken zum Gesamtjahr steht für Deutschland-Chefs ausländischer Banken fest, dass die Gewinne gefallen sind, die Vergütungsregeln erschwert wurden und gleichzeitig die Mitarbeiterzahl in den vergangenen zwölf Monaten gestiegen ist, wie sie dem Handelsblatt sagten.

Kommentare (1)

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cucco

19.01.2011, 12:48 Uhr

ich finde, dass der Autor seinen blick nicht von oben nach unten streifen lassen sollte, sondern umgekehrt, z.b.:
Deutschlands banker verdienen weniger exzessiv als noch bis zur Krise. Der Grund: Etwas abgeschwaechte boni für das Jahr 2010 können auch durch ein massiv gestiegenes Festgehalt nicht voll ausgeglichen werden. Vor allem investmentbanken schoepfen nicht mehr ganz so ueberschwenglich aus dem Vollen - und auch Josef Ackermann liegt nun leicht unter seinen bisherigen koeniglichen Einnahmen.

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