Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2013

10:56 Uhr

Hauptversammlung

Commerzbank in den roten Zahlen

Den Aktionären überbringt Commerzbank-Chef Blessing mal wieder eine schlechte Nachricht. Einen positiven Effekt aus dem Konzernumbau erwartet er erst im kommenden Jahr.

Commerzbank-Chef Martin Blessing und Chef-Aufseher Klaus-Peter Müller. dpa

Commerzbank-Chef Martin Blessing und Chef-Aufseher Klaus-Peter Müller.

FrankfurtDie Commerzbank hat im ersten Quartal Verlust gemacht. Grund dafür seien Kosten von einer halben Milliarde Euro für den geplanten Abbau von bis zu 6000 Arbeitsplätzen, sagte Blessing auf der Hauptversammlung am Freitag in Frankfurt. „Daher erwartet die Bank aus heutiger Sicht für die ersten drei Monate ein negatives Ergebnis nach Steuern." Erst im kommenden Jahr seien erste Erfolge des Umbaus der Bank zu erwarten. 2013 sei ein Übergangsjahr, bekräftigte der Vorstandschef. Die Bank sei auf einem „Langstreckenlauf“. „Schnelle Erfolge wird es dabei nicht geben.“

Die Commerzbank-Aktionäre sollen am Freitag grünes Licht für eine erneute milliardenschwere Kapitalerhöhung geben, mit der die Bank die restlichen Stillen Einlagen des Bankenrettungsfonds und der Allianz zurückzahlen will. „Für die Commerzbank markiert dies zweifelsohne einen wichtigen Wendepunkt. Das ist der Einstieg des Bundes in den Ausstieg", warb Blessing für die unter Aktionären umstrittene Maßnahme. „Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die Mittel des Bundes so schnell wie möglich zurückzuführen. Das sind wir dem Steuerzahler schuldig.“

Chronik der Commerzbank seit der Krise 2008

August 2008

Die Commerzbank kündigt an, die Dresdner Bank für rund zehn Milliarden Euro von der Allianz zu übernehmen.

September 2008

Die Insolvenz der US-Investmentbank Lehman Brothers verschärft die Finanzkrise dramatisch und bringt Banken rund um den Globus ins Wanken.

November 2008

Die Commerzbank verhandelt den Preis für die Dresdner Bank auf knapp sechs Milliarden Euro herunter und zieht die Übernahme vom zweiten Halbjahr 2009 auf Januar 2009 vor. Die Allianz schießt der Commerzbank 750 Millionen Euro in Form einer Stillen Einlage zu.

Dezember 2008

Die Commerzbank entdeckt höhere Kreditrisiken bei der verlustreichen Dresdner Bank. Um die Übernahme trotzdem stemmen zu können, zapft die Commerzbank den staatlichen Bankenrettungsfonds (Soffin) an. Die Bank erhält 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen, die jährlich mit neun Prozent verzinst werden sollen, und staatliche Garantien über 15 Milliarden Euro.

Januar 2009

Der Soffin übernimmt für 1,8 Milliarden Euro - sechs Euro je Papier - 25 Prozent plus eine Aktie an der Commerzbank (Teilverstaatlichung) und pumpt zusätzlich weitere 8,2 Milliarden Euro an stillen Einlagen in die Bank.

April 2011

Die Commerzbank kündigt an, von den stillen Einlagen des Soffin über 16,4 Milliarden Euro bis Juni rund 14,3 Milliarden zurückzugeben. Das gilt als erster Befreiungsschlag. Das Geld kommt aus der Platzierung von Pflichtumtauschanleihen und einer Kapitalerhöhung über 5,3 Milliarden Euro. Weitere gut drei Milliarden Euro kann die Bank so zurückgeben, weil sie das Kapital nach damaliger Einschätzung nicht braucht.

Oktober 2011

Commerzbank-Chef Martin Blessing schließt weitere Staatshilfen kategorisch aus, nachdem die EU-Bankenaufsicht EBA bei dem Institut im Zuge der Euro-Schuldenkrise ein Kapitalloch von gut fünf Milliarden Euro ausgemacht hat. Da geh ich nicht nochmal hin, sagt er und meint den Soffin. Er hält Wort - die Bank stopft das Loch in den Folgemonaten aus eigener Kraft: Hybridpapiere werden in echtes Eigenkapital getauscht, Führungskräfte erhalten ihre Boni in Aktien statt in bar, Risiken im Kreditbuch werden neu bewertet und toxische Wertpapiere ausgemistet.

Juni 2012

Für die Bonusaktien startet die Bank eine kleine Kapitalerhöhung und wirft 128 Millionen Papiere auf den Markt. Der Großteil der Mitarbeiter verkauft die Aktien aber anschließend gleich wieder. Der Soffin wandelt zeitgleich zur Kapitalerhöhung weitere stille Einlagen in Aktien um, um seine Beteiligungsquote von 25 Prozent an der Bank zu halten.

März 2013

Der Soffin lässt die Beteiligung an der Commerzbank im Juni erstmals unter 25 Prozent fallen. Mit einer Kapitalerhöhung um 2,5 Milliarden Euro will die Bank bis Anfang Juni nicht nur die restlichen stillen Einlagen des Soffin von 1,6 Milliarden Euro zurückzahlen, sondern auch die 750 Millionen Euro schwere Finanzspritze der Allianz.

Mai 2013

Die Commerzbank gibt am 14. Mai die Details für die Kapitalerhöhung bekannt. Am 30. Mai wird sie erfolgreich abgeschlossen. Die Frankfurter Großbank sammelte 2,5 Milliarden Euro ein. Der Rettungsfonds Soffin hält damit noch rund 17 Prozent an der Bank.

Die Commerzbank will bei ihren Anteilseignern von Mitte Mai bis Anfang Juni 2,5 Milliarden Euro einsammeln. Denn die erhofften Gewinne, mit denen die Staatshilfen eigentlich abgelöst werden sollten, sind ausgeblieben. Das dürfte den bis auf 1,15 Euro gesunkenen Aktienkurs weiter drücken. Um überhaupt neue Aktien ausgeben zu können, sollen je zehn der 5,8 Milliarden Commerzbank-Aktien zu einer Aktie zusammengelegt werden. Die neuen Papiere werden nach Expertenschätzungen weniger als sieben Euro - nach heutigem Kurs also 70 Cent - kosten. Dennoch sei die Maßnahme im Sinne der Aktionäre, argumentierte Blessing. Durch die wegfallenden Zinsen von 200 Millionen Euro für die Stillen Einlagen bleibe mehr Geld für Dividenden übrig. Doch eine Ausschüttung hatte Blessing erst für 2014 in Aussicht gestellt.

Die Commerzbank rüste sich aber vor allem für die künftigen, verschärften Eigenkapitalregeln, nach denen Stille Einlagen über die Zeit nicht mehr als Kapitalpolster anerkannt werden. Durch die Kapitalerhöhung steige die harte Kernkapitalquote nach den „Basel III“-Regeln um einen Prozentpunkt. Ende 2014 seien damit die von Experten für Großbanken geforderten neun Prozent erreichbar.

Operativ sei die Bank in den ersten drei Monaten „solide“ ins Jahr gestartet, sagte Blessing. Beim Abbau der nicht mehr zum Kerngeschäft gerechneten Portfolios in der Staats-, Immobilien- und Schiffsfinanzierung sei sie „gut vorangekommen“, sagte Blessing. Eine Prognose für 2013 sei wegen der schwelenden Schuldenkrise in Europa aber schwierig. „Die Ergebnissituation der gesamten Branche wird herausfordernd bleiben.“ Das spiegelt sich auch in den Analystenschätzungen wider. Nach einer von der Commerzbank veröffentlichten Erhebung liegen die Schätzungen von 15 Experten für 2013 weit auseinander: Sie reichen von einem Nettogewinn von 1,1 Milliarden bis zu einem Verlust von fast 800 Millionen Euro.

Von

rtr

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

mcorgan

19.04.2013, 11:05 Uhr

„Wir haben von Anfang an gesagt: Wir wollen alles in unserer Macht Stehende unternehmen, um die Mittel des Bundes so schnell wie möglich zurückzuführen. Das sind wir dem Steuerzahler schuldig.“

Vor allem ist man dem Steuerzahler jahrelang eine entsprechende Verzinsung der Einlage schuldig geblieben, wobei gleichzeitig fleißig Werbung gemacht und Produkte subventioniert werden. Aber danke Herr Blessing, dass sie zinsfrei geliehenes Geld wenigstens zurückzahlen.

Cassandra

19.04.2013, 11:34 Uhr

Allerdings muss auf diese geliehene, stille Milliardeneinlage noch mindestens die offiziellen Inflationsverluste von ca. 2% aufschlagen - das sind bei diesen Summen hohe Verluste. Was hätte man nicht alles mit diesem Geld sinnvolles tun können. Und garnicht darüber nachdenken, möchte ich über die wesentlich höhere versteckte Inflationsrate und die indirekten Kosten für dieses verschwendete Kapital, da Deutschland ja diese Milliarden fehlen, um die eigenen Schuldenstände zu senken oder es sinnvoll in die Forschung und Innovation in der Realwirtschaft zu investieren.

Und mit 25%+1 Aktien steckt der Steuerzahler noch mit Milliardenverlusten über Jahre hinweg im größten Dax Verlierer. Keine Dividende und stattdessen fortlaufende Aktionärsenteignungen dank Verwässerungen in zig Kapitalerhöhungen. Risiko eines Totalverlustes nicht ausgeschlossen. Was bekommt der Steuerzahler für dieses unfreiwillige Aktionärsrisiko???

Totes und dank Inflation immer wertloser werdendes Steuerkapital, das hier in einer schrumpfenden nationalen Bank in Aktien festhängt. Eine wirkliche politische Schande - anstatt das Steuergeld der wirklichen Wirtschaft und den Bürgern zu Gute kommt, wird es verschwendet.

Und das nur um eine dringend benötigte und längst überfällige Bereinigung des überdimensonierten europäischen Bankensektors noch ein paar Jahre hinauszuschieben, mit fatalen Folgen für die Allgemeinheit, die die Kosten für diese künstliche Geld-Beatmung nicht mehr überlebensfähiger Zombiebanken in ganz Europa bezahlen darf.

Wann ist endlich Schluss damit?

Account gelöscht!

19.04.2013, 11:46 Uhr

Ganz zinsfrei hat sie die stille Einlage nicht erhalten. Für 2011 und 2012 wurden etwa 1,4 Mrd. EUR an den Bund gezahlt. 2009 und 2010 wurde allerdings nichts gezahlt, da die CoBa rote Zahlen schrieb.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×