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09.06.2016

15:28 Uhr

Helaba-Chef

Grüntker sagt Bankenbranche fünf dürre Jahre voraus

Dunkle Prophezeiung aus Hessen: Der Chef der Helaba, Herbert Hans Grüntker, stimmt die Branche auf schwierige Zeiten ein. Grund sei die Niedrigzins-Politik der EZB. „Jeder muss sein Geschäftsmodell prüfen.“

Die Bankenbranche müsse sich auf fünf magere Jahre einstellen, sagt der Helaba-Chef. dpa

Dunkle Wolken über Frankfurt

Die Bankenbranche müsse sich auf fünf magere Jahre einstellen, sagt der Helaba-Chef.

FrankfurtDie Bankenbranche muss sich nach Ansicht von Helaba -Chef Herbert Hans Grüntker auf schwierige Zeiten einstellen. Wegen der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) würden die Eigenkapitalrenditen von Geldhäusern in den kommenden fünf Jahren sinken, sagte Grüntker am Mittwochabend vor dem Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW). „Unsere Branche wird in diesem Umfeld Schwierigkeiten haben, neues Eigenkapital am Markt einzusammeln.“ Das sei problematisch, schließlich steigen die regulatorischen Anforderungen an Finanzinstitute bis Ende des Jahrzehnts schrittweise an. Geldhäuser müssen sich aus Sicht von Grüntker deshalb darauf konzentrieren, Gewinne einzubehalten, und so ihre Kapitaldecke zu stärken.

Die Wachstumschancen seien in den kommenden Jahren begrenzt, sagte der Helaba-Chef. Auch die Landesbanken müssten sich deshalb auf die Bereiche konzentrieren, in denen sie führend seien. „Jeder muss sein Geschäftsmodell auf den Prüfstand stellen und schärfen.“ Die Helaba habe keine Probleme damit, wenn sie in Randbereichen Geschäft an Konkurrenten verliere. „Wir werden stärker als in der Vergangenheit Schwerpunkte setzten.“ Das Geldhaus könne den Sparkassen keinen Rundum-Service auf höchstem Niveau und zu niedrigen Preisen bieten.

Grüntker, der seit Oktober 2015 an der Spitze der Helaba steht, hat das Gewinnziel für die nächsten Jahre Anfang 2016 reduziert. Er peilt nun nur noch eine Eigenkapitalrendite von 6,5 bis acht Prozent an. Wachsen will die Bank im Zahlungsverkehr, der Vermögensverwaltung und im Geschäft mit Firmenkunden in Nordrhein-Westfalen, wo sie seit der Übernahme von Teilen der WestLB 2012 verstärkt aktiv ist. In Kürze wollen die Frankfurter Details zum Ausbau des Standorts Düsseldorf bekanntgeben, wo sie derzeit rund 400 Mitarbeiter beschäftigten, wie der Vorstandschef ankündigte.

Die größten Banken Europas (nach Marktkapitalisierung)

Platz 10

Intesa Sanpaolo
Italien
28,472 Milliarden Euro

Stand: Anfang Juli 2016. Quelle: S&P Global Market Intelligence

Platz 9

Nordea Bank
Schweden
30,411 Milliarden Euro

Platz 8

Banco Bilbao
Spanien
32,701 Milliarden Euro

Platz 7

ING Groep
Niederlande
35,7527 Milliarden Euro

Platz 6

PAO Sberbank of Russia
Russland
40,396 Milliarden Euro

Platz 5

UBS Group
Schweiz

43,209 Milliarden Euro

Platz 4

Lloyds Banking Group

Großbritannien

46,368 Milliarden Euro

Platz 3

Banco Santander

Spanien

49,393 Milliarden Euro

Platz 2

BNP Paribas

Frankreich

49,495 Milliarden Euro

Platz 1

HSBC

Großbritannien

110,804 Milliarden Euro

Bedarf für größere Zusammenschlüsse von Landesbanken sieht Grüntker anders als sein Vorgänger Hans-Dieter Brenner nicht. Im öffentlich-rechtlichen Sektor sei in den vergangenen Jahren „schon eine ganze Menge passiert“, sagte der 60-Jährige. Und die verbliebenen vier großen Landesbank LBBW, BayernLB, NordLB und Helaba verfolgten unterschiedliche Ansätze. Interesse an einer Übernahme der schwächelnden HSH Nordbank habe die Helaba nicht. „Das ist für uns keine Option.“ Auch alle anderen Landesbanken haben bereits abgewinkt. In anderen Bereichen plane die Helaba ebenfalls keine Akquisition, erklärte Grüntker.

Gegenwind erwartet er durch das kürzlich gestartete EZB-Programm zum Aufkauf von Firmenanleihen. Die Margen in diesem Bereich würden deshalb unter Druck geraten, sagte der Helaba-Chef. Zudem würden sich Unternehmen künftig stärker über Anleihen statt über Kredite finanzieren. „Es ist logisch, dass wir eine Umschichtung in Richtung Firmenanleihen haben werden.“

Von

rtr

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