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05.08.2010

06:21 Uhr

Helaba-Drogenaffäre

Was macht der Dealer bei der Helaba?

VonYasmin Osman

Angestellte, die im Vorstandsbereich einer Landesbank arbeiten, müssen in der Regel hohen Ansprüchen genügen – und werden entsprechend durchleuchtet. Pikant, wenn dann ausgerechnet die Empfangsdame die Kollegen mit Kokain versorgt. Im Fall der hessischen Helaba sorgt genau dieser Vorfall für eine ganze Reihe unschöner Verwicklungen.

Polizeiliche Durchsuchungen und personelle Konsequenzen: Wie eine Empfangsdame die Helaba in Schwierigkeiten stürzte. ap

Polizeiliche Durchsuchungen und personelle Konsequenzen: Wie eine Empfangsdame die Helaba in Schwierigkeiten stürzte.

FRANKFURT. Eine Ordentliche war die Nadja A. Pünktlich, hilfsbereit, zeitlich immer flexibel. Wenn die verantwortlichen Gebäudemanager der Helaba vor Gericht über ihre ehemalige Empfangsdame sprechen, loben sie diese noch heute in den höchsten Tönen. Der Kühlschrank in der Vorstandsetage sei immer schön mit Getränken gefüllt gewesen und Papier habe auch immer im Kopierer gelegen. Klar. Dort im Vorstandsbereich, darf nicht jede Rezeptionistin arbeiten. „Da erwarten wir Umgangsformen“, sagt der zuständige Abteilungsleiter der Landesbank.

Die Umgangsformen - sie haben gestimmt. Anderes nicht. Hätten die Landesbank oder die für die Empfangsdamen zuständige Sicherheitsfirma bei Nadja A. etwas genauer hingesehen, wäre der Landesbank wohl einiges erspart geblieben. Zum Beispiel eine umfängliche Hausdurchsuchung wegen des Verdachts des Drogenhandels, ein verlorener Arbeitsgerichtsprozess gegen einen ehemaligen Finanzvorstand und die peinliche Frage, wieso ein bekannter Straßendealer in der 47. Etage, dem Vorstandsbereich, herumspazieren konnte.

Die Helaba oder die Sicherheitsfirma, bei der A. angestellt war, hätten sich ebenfalls die Frage stellen können, warum A. sich so standhaft weigerte, ihr Führungszeugnis pünktlich vorzulegen. Zwar fiel im April 2008 der Sicherheitsfirma das fehlende Zeugnis auf. Nadja A. wollte es aber erst im August nachliefern. Angeblich, weil dann ein Eintrag über Fahren ohne Führerschein gelöscht würde. Tatsächlich gelöscht werden sollte aber eine Haftstrafe für schweren Raub und Körperverletzung, begangen 1996. Sie wollte sogar eher kündigen, als das Zeugnis früher vorzulegen.

So viel Theater wegen eines Verkehrsdelikts, hätte das nicht stutzig machen müssen, fragt der Richter zurecht. Nein. „Es klang plausibel“, sagen die geladenen Helaba-Vertreter. Warum? Sonst bekommen in der Bank nicht einmal Spülkräfte ohne Führungszeugnis einen Job. Doch die beliebte, fähige Nadja A. wollte niemand wegen einer Formalie verlieren, sie hatte sich bewährt.

Kommentare (6)

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Ludwig Wankerl

05.08.2010, 11:36 Uhr

Unsere Gesellschaft macht verstärkt integrationsbemühungen:
Ein Alkoholiker und der Unterschlagung Verdächtiger kann immerhin noch bischof der römisch-katholischen Kirche werden und Kokainabhängige Vorstand einer Landesbank. Respekt.

Mischa

05.08.2010, 11:47 Uhr

tja, "Sex sells"
Ein Verhältnis am Arbeitsplatz hat schon viele Frauen befördert. Das gerade bei öffentlichen institutionen das Parteibuch oder der bluseninhalt (Frauenquote) ausschlaggebende indikatoren sind, ist ja mittlerweile allgemein bekannt.

Dr. Mabuse

05.08.2010, 13:34 Uhr

Je höher man in den (Unternehmens-)Hierarchien kommt, desto primitiver geht es oftmals zu. So jedenfalls meine Erfahrung als berater.

Aber amüsiert habe ich mich schon beim lesen ihres berichts!

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