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27.10.2015

12:26 Uhr

Hellas-Krise

Hoffnung für griechische Banken

Die EZB hat griechische Banken auf Herz und Nieren geprüft. Laut Insidern sind die Kapitallücken der griechischen Banken nicht so groß wie erwartet.

Für die Institute von Thessaloniki bis Kreta sind im Rahmen des jüngsten Rettungspakets bis zu 25 Milliarden Euro vorgesehen. dpa

Kreditkarte der National Bank of Greece

Für die Institute von Thessaloniki bis Kreta sind im Rahmen des jüngsten Rettungspakets bis zu 25 Milliarden Euro vorgesehen.

AthenGriechenlands Banken benötigen voraussichtlich weniger frisches Kapital als bislang angenommen. Die Kapitallücken der unter der Wirtschaftskrise leidenden Institute seien geringer als erwartet, sagte ein Insider aus der griechischen Notenbank am Dienstag. Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) durchleuchtete zuletzt die National Bank of Greece, Piraeus, die Alpha Bank und die Eurobank auf Herz und Nieren, um ihren neuerlichen Kapitalbedarf zu ermitteln. Es wird erwartet, dass die EZB am Samstag Ergebnisse der Prüfung veröffentlicht.

Griechenlands Bankenlandschaft

Die wichtigsten Banken

In Griechenland gibt es vier große Geldhäuser - die National Bank of Greece, die Piraeus Bank, die Eurobank und die Alpha Bank. Sie stehen für rund 95 Prozent des Marktes. Ihr Börsenwert liegt zusammengefasst bei 8,6 Milliarden Euro. Das entspricht 21 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung an der griechischen Börse. Bank-Aktien haben in Athen seit Jahresbeginn wegen des sich verschärfenden Schuldenstreits mit den internationalen Geldgebern rund die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.

Einlagen

Die Einlagen von privaten Haushalten und Unternehmen bei griechischen Banken betrugen Ende Februar 140,5 Milliarden Euro - 12,5 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Allein von Dezember bis Februar wurden Guthaben im Volumen von 25,4 Milliarden Euro abgezogen. Wegen der Abflüsse waren die Geldhäuser gezwungen, verstärkt Notfall-Hilfen (ELA) ihrer heimischen Notenbank und direkte Liquiditätsspritzen der EZB in Anspruch zu nehmen.

Finanzierung durch das Eurosystem

Die Finanzierung griechischer Banken durch die EZB, bei der Sicherheiten verlangt werden, hatte Ende März ein Volumen von 38,67 Milliarden Euro. Die ELA-Hilfen durch die Athener Notenbank summierten sich zudem auf 68,6 Milliarden Euro. Hellas-Banken nutzen diesen Weg verstärkt, seitdem die EZB sie ab Mitte Februar von der direkten Finanzierung ausgeschlossen hat. Die EZB hatte damals eine Sonderregel gekippt, die griechischen Banken bis dahin erlaubte, auch bonitätsschwache Staatsanleihen des Landes als Pfand für frisches Zentralbankgeld zu hinterlegen.

Die Versorgung über ELA-Hilfen der Athener Notenbank ist für Banken teurer als die direkte Finanzierung durch die EZB. Zuletzt hatte die EZB eine Aufstockung des ELA-Rahmens um 1,5 Milliarden auf 75,5 Milliarden Euro genehmigt.

Sicherheiten

Griechische Banken setzen bei der Liquiditätsversorgung als Sicherheiten unter anderem Staatsanleihen, kurzfristige Geldmarktpapiere (sogenannte T-Bills), von der Regierung garantierte Bank-Anleihen und Kredite ein. Die Banken besaßen im Februar solche Pfänder im Umfang von zusammen rund 50 Milliarden Euro. Inzwischen ist dieser Puffer auf rund 40 Milliarden Euro gesunken.

Griechische Staatsanleihen

Hellas-Banken haben rund fünf Milliarden Euro in griechische Staatsanleihen investiert. Das entspricht nur 1,4 Prozent ihrer Bilanzsumme. Darüber hinaus besitzen sie kurzfristige T-Bills im Volumen von rund 3,5 Milliarden Euro. Aktuell wird für bonitätsschwache griechische Papiere, welche die Banken als Pfänder für ELA-Hilfen einsetzen, nach Angaben von Bankern und Analysten aus Sicherheitsgründen ein Wertabschlag (Haircut) von 32 bis 35 Prozent vorgenommen.

Die Finanzbranche des Landes leidet seit längerem unter der schlechten Wirtschaftslage und geplatzten Krediten. Griechenland hatte im Sommer Kapitalverkehrskontrollen eingeführt, um einen noch stärkeren Ansturm auf die Institute zu verhindern. Denn Bürger hatten aus Sorge, das Land könnte aus dem Euro ausscheiden, ihre Konten geleert. Für die Institute von Thessaloniki bis Kreta sind im Rahmen des jüngsten Rettungspakets der europäischen Partner bis zu 25 Milliarden Euro vorgesehen.

Die Institute sollen bis zum Jahresende mit zusätzlichem Kapital ausgestattet werden. „Wir alle stimmen darin überein, die Rekapitalisierung bis Ende dieses Jahres zu finalisieren”, sagte der Vize-Präsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, nach einem Treffen mit dem Chef der Athener Zentralbank, Yannis Stournaras. Dombrovskis ist derzeit in Athen zu Gesprächen über die Reformen, die das Land erfüllen muss, damit es weiteres Geld aus dem jüngsten Rettungspaket erhalten kann.

Von

rtr

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