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11.01.2011

13:21 Uhr

Herbert Haas

„Wir mussten aufräumen“

VonThomas Schmitt

Herbert Haas, Vorstandsvorsitzender der Talanx-Gruppe, legt Lebensversicherungen zusammen und gibt Vertriebsgesellschaften auf. Zusammen mit einem neuen Großaktionär aus Japan will er in Osteuropa und Lateinamerika neue Märkte erobern und 2011 vielleicht den lange geplanten Börsengang wagen.

Herbert Haas, Thalanx: Vorsitzender des Vorstandes. Quelle: Pressebild

Herbert Haas, Thalanx: Vorsitzender des Vorstandes.

Handelsblatt: Herr Haas, die drittgrößte deutsche Versicherungsgruppe steckt in ihrem Kerngeschäft tief in den roten Zahlen. Im versicherungstechnischen Ergebnis stieg der Verlust auf Konzernebene auf fast zwei Milliarden Euro. Müssen wir Angst um Talanx haben?

Herbert Haas: Nein, das versicherungstechnische Ergebnis ist immer ein wenig irreführend, weil in diesen Zahlen viel zusammenläuft. So werden ja die Versicherungsnehmer in der Lebensversicherung an den Kapitalerträgen beteiligt. Das spiegelt sich dann für uns als Versicherer in einer Belastung wider. Da die Kapitalerträge von 2,66 auf drei Milliarden Euro hochgeschossen sind, partizipieren die Kunden stärker. Denn 90 Prozent der Zusatzerträge müssen in der Lebensversicherung an die Kunden weiter gereicht werden. Das geschieht in Höhe von Gewinnbeteiligungen oder über die Erhöhung der Deckungsrückstellungen. Im Ergebnis steigt dann im Talanx-Konzern der Verlust im versicherungstechnischen Ergebnis. Allein diese Ziffer ist daher wenig aussagekräftig, weil sowohl die Leben- als auch die Sachsparte dort einfließt.

Handelsblatt: Dann schauen wir doch zuerst nur auf das Sachversicherungsgeschäft. Hier legen andere große Versicherer darauf Wert, dass Schäden und Kosten zusammen nicht mehr als 95 Prozent der Prämieneinnahmen ausmachen. Bei Talanx steigt diese Quote 2010 jedoch von 96,7 auf 99,2 Prozent. Was ist schief gelaufen?

Haas: Zunächst ist wichtig: Die kombinierte Schaden- und Kostenquote liegt immer noch im schwarzen Bereich. Der Anstieg um 2,5 Prozentpunkte ist allein auf die höhere Belastung durch Schäden zurückzuführen. Wir haben da zwei Effekte, die unser Zahlenwerk erheblich beeinflusst haben. Erstens lagen die Großschäden Ende September 2010 netto um 425 Millionen Euro über dem Niveau des Vorjahres. Zweitens mussten wir in der Industrieversicherung insbesondere in der Haftpflicht für Pharmaunternehmen wegen zu erwartender Schäden zusätzlich Geld zurücklegen. Das hat netto mit 67 Millionen Euro zu Buche geschlagen.

Handelsblatt: Wenn Sie also 500 Millionen Euro mehr an Schäden haben als im Vorjahr, müsste die Schaden- und Kostenquote doch viel stärker hochgehen?

Haas: Theoretisch schon, doch dies passiert nicht, weil wir zum Teil Abwicklungsgewinne aus den vergangenen Jahren dagegen rechnen konnten. So hatten wir bei einigen Naturkatastrophen sehr konservativ reserviert, insbesondere bei den amerikanischen Stürmen Rita, Wilma und Katarina. Diese Reserven haben wir aufgelöst, dadurch ist die kombinierte Schaden- und Kostenquote unter dem kritischen Wert von 100 Prozent geblieben. Zu berücksichtigen ist dabei, dass die Kostenquote allein sogar noch etwas gesunken ist. Wenn man das herausrechnet, hat sich die Schadenquote in diesem Jahr eigentlich um drei statt um 2,5 Prozentpunkte erhöht.

Handelsblatt: Das Konzernergebnis beträgt dieses Jahr 180 Millionen Euro. Warum ist es um zwei Drittel gesunken?

Haas: Wir mussten aufräumen. Ein großer Posten war hier die Aspecta Versicherung, die vorwiegend Fondspolicen ohne jegliche Garantie verkauft hat. Dieses Unternehmen wollen wir zum 30. September 2010 rückwirkend auf die HDI Lebensversicherung verschmelzen. Dabei wollen wir sicherstellen, dass die HDI Leben eine saubere Aspecta übernimmt, ein Unternehmen also, das frei ist von Altlasten.

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