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11.01.2007

09:38 Uhr

Heros-Skandal

Mannheimer will nicht zahlen

VonSonia Shinde

Die Mannheimer Versicherung ficht den Vertrag mit dem insolventen Geldtransporterunternehmen Heros an. Sie verweigert damit Millionenzahlungen an geschädigte Kunden wie Rewe, Metro, Edeka und die Deutsche Bank.

FRANKFURT. In einem dem Handelsblatt vorliegenden Schreiben der Mannheimer Versicherung an den Heros-Insolvenzverwalter heißt es, man fechte „den Versicherungsvertrag mit der Police 7509 wegen arglistiger Täuschung durch Heros“, an und trete „zugleich von dem genannten Versicherungsvertrag wegen Verletzung vorvertraglicher Anzeigepflichten durch Heros zurück“. Das heißt: Die Mannheimer will nicht zahlen, weil Heros bestehende Unregelmäßigkeiten bei Vertragsabschluss im Jahr 2001 nicht gemeldet habe. Heros-Manager hatten jahrelang hohe Summen abgezweigt und ihre Kunden um insgesamt rund 400 Mill. Euro geschädigt. Heros-Geschäftsführer Karl-Heinz Weis und drei weitere Mitarbeiter stehen derzeit wegen Untreue vor Gericht.

„Weis hat im Prozess eingeräumt, dass das Schneeballsystem schon seit Anfang der 90er bestand“, sagt Mannheimer-Sprecher Jürgen Wörner. „Damit hat uns Heros getäuscht.“

Gewöhnlich versichern sich Geldtransporteure unter anderem gegen Raub, Überfall und Diebstahl mit einer speziellen Transportversicherung. Bislang galten auch Fälle von Untreue durch die Führungsriege als versichert. „Wer solch eine Versicherung nicht nachweisen kann, bekommt keine Kunden“, sagt der Versicherungssachverständige Rolf Kroboth. Allerdings greift der Versicherungsschutz nicht, wenn der Kunde die Versicherung beim Abschluss arglistig getäuscht hat. Der Vertrag gilt dann als nie geschlossen. „Damit gucken die Heros-Kunden wohl in die Röhre“, sagt der Berliner Wirtschafts- und Versicherungsrechtler Hans-Peter Schwintowski.

Dagegen sagt Anwalt Benjamin Grimme: „Ich bezweifle, dass die Mannheimer nachweisen kann, dass es die Unterschlagungen schon vor Vertragsabschluss gegeben hat.“ Grimme vertritt die Supermarktkette Netto, die derzeit gegen die Mannheimer klagt. Beim Heros-Insolvenzverwalter hieß es, man prüfe die rechtlichen Konsequenzen.

Im Prozess hatte Weis jüngst den Versicherungsmakler Marsh belastet: Der habe schon vor Bekanntwerden der Betrügereien im Februar 2006 von den Unregelmäßigkeiten gewusst. Marsh wollte sich dazu nicht äußern. „Sollte der Makler tatsächlich davon gewusst und geschwiegen haben, dann könnte es für die Mannheimer doch noch eng werden“, sagt Schwintowski. Denn dann wird das Versäumnis des Maklers der Versicherung angekreidet – und sie müsste wohl doch zahlen.

Zudem ist ist eine weitere frühere Prokuristin des Geldtransportunternehmens verhaftet worden. Die 59-Jährige soll mit einer Kollegin 2,4 Mill. Euro abgezweigt haben, sagte Oberstaatsanwalt Manfred Knothe am Donnerstag in Hannover und bestätigte Medienberichte. Die beiden Frauen hätten in der Niederlassung Heide in Schleswig-Holstein gearbeitet. Anfang 2002 seien dort die 2,4 Mill. Euro angeliefert worden, die niemand habe zuordnen können und nach denen auch keiner weiter gefragt habe. Daraufhin, so der Verdacht, teilten sich die Frauen die Summe. Die 38 Jahre alte Kollegin sitzt bereits in U-Haft.

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