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21.12.2011

16:39 Uhr

Hiobsbotschaft

WestLB-Zerschlagung kostet 2500 Menschen den Job

Tausende Jobs werden wegen der Aufspaltung der WestLB in den nächsten Jahren wegfallen. Die vorweihnachtliche Stimmung in der noch drittgrößten deutschen Landesbank ist laut WestLB-Chef Voigtländer auf dem Tiefpunkt.

Ein Schild weist in Düsseldorf den Weg zum Parkhaus der West LB. dpa

Ein Schild weist in Düsseldorf den Weg zum Parkhaus der West LB.

DüsseldorfRund 2500 Mitarbeiter der WestLB müssen sich wegen der Zerschlagung der Landesbank in den nächsten Jahren einen neuen Job suchen. „Sie können sich vorstellen, dass die vorweihnachtliche Stimmung auf dem absoluten Null-Punkt ist“, sagte WestLB-Chef Dietrich Voigtländer am Mittwoch in Düsseldorf. Er hatte die Mitarbeiter zuvor über die Folgen der Aufspaltung der einst stolzen Landesbank informiert, die am Dienstag in Brüssel endgültig besiegelt worden war.

Von den derzeit rund 4300 Beschäftigten der Düsseldorfer Bank sollen bis 2016 maximal 1000 in einer neuen Servicegesellschaft SPM arbeiten, die Institute bei der Abwicklung von faulen Krediten, Wertpapieren und Derivaten hilft, sagte Voigtländer. 400 Mitarbeiter sollen in der separaten SPM-Bank unterkommen, die die Restrukturierung in vielen anderen Bereichen vorantreibt. Hinzu kommen weitere 400 Mitarbeiter im Verbundgeschäft mit den Sparkassen, das an die Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba) angedockt wird. Die Verbundbank greift lokalen Instituten bei Geschäften unter die Arme, die sie alleine überfordern, etwa bei Großkrediten.

Voigtländer hofft zudem, bis Mitte 2012 durch den Verkauf von Beteiligungen weiteren Mitarbeitern bei anderen Instituten eine Perspektive zu schaffen. Da sich größere Geschäftsteile im derzeitigen Marktumfeld kaum verkaufen lassen, wolle die WestLB nun kleinere Bereiche in bestimmten Sektoren oder Regionen losschlagen, kündigte Voigtländer an.

WestLB: Von der „Hülfskasse“ zur Zerschlagung

Die Westdeutsche Landesbank hat eine lange und wechselhafte Geschichte. Das Institut geht zurück auf die Gründung der „Westfälischen Provinzial Hülfskasse“ vor 179 Jahren und deren Pendant im Rheinland.

1832

Die Westfälische Provinzial-Hülfskasse nimmt in Münster ihre Tätigkeit auf. Gut 20 Jahre danach startet ihr Pendant im Rheinland

1954

Das Land NRW wird Anteilseigner beider Landesbanken

1969

Aus der Fusion beider Landesbanken entsteht die Westdeutsche Landesbank Girozentrale (WestLB)

1973

Durch Devisenspekulationen verzockt die WestLB fast ihren gesamten Jahresgewinn.

1981

Friedel Neuber wird Bankchef und leitet über zwei Jahrzehnte die Geschicke des Bankkonzerns. Unter seiner Führung wird die WestLB zu einem der einflussreichsten Kreditinstitute in Deutschland und zu einem Instrument der Industriepolitik für die NRW-Regierung

1998

Die Rubelkrise und der Zusammenbruch des russischen Anleihemarkts brockt der WestLB einen Milliardenverlust ein.

1999

Die WestLB soll an das Land auf Geheiß der EU eine illegale Beihilfe über 808 Millionen Euro zurückzahlen. Ein jahrelanger Rechtsstreit folgt.

2002

Die WestLB wird auf EU-Druck aufgespalten in die WestLB AG für kommerzielle Geschäfte und die NRW.Bank für das Fördergeschäft

2003

Die WestLB erlebt mit Fehlinvestitionen unter anderem beim britischen Fernsehverleiher Boxclever ein Fiasko. Die Bank verbucht Milliardenverluste

2004

Wegen unerlaubter Beihilfen des Landes NRW muss die WestLB auf Druck der EU 1,4 Milliarden Euro zurückzahlen. Bei der WestLB entsteht ein Verlust von 1,2 Milliarden.

2005

Am 19. Juli beginnt für die Landesbanken eine neue Ära: Die Staatsgarantien fallen weg. Nach einer Kapitalerhöhung sind die beiden Sparkassenverbände im Rheinland und Westfalen mit insgesamt 51 Prozent Mehrheitseigentümer der WestLB

2007

Händler der WestLB setzen 600 Millionen Euro in den Sand. Chef Thomas Fischer tritt zurück. Nachfolger wird Alexander Stuhlmann von der HSH Nordbank. Die EU gibt grünes Licht für eine staatliche Kapitalspritze über 6,2
Milliarden Euro, die die Bank zur Aufspaltung in die NRW-Bank und die WestLB braucht.

2008

In einer Rettungsaktion geben die Eigentümer fünf Milliarden Euro Garantien für faule Papiere

2009

Harte EU-Auflagen: Die WestLB muss um die Hälfte verkleinert werden und bis Ende 2011 mehrheitlich in neue Hände kommen

2010

Der Bund steigt in die WestLB mit einer Kapitalspritze von drei Milliarden Euro ein. Damit wird die Auslagerung von risikoreichen und nicht mehr zum Kerngeschäft gehörenden Papieren in eine „Bad Bank“ möglich.

2011

Bund, Land und Sparkassen beschließen das Konzept für die Zerschlagung der WestLB. Die EU-Kommission besiegelt das Ende.

2012

Nach zähen Verhandlungen wird die Bank zum Stichtag 30. Juni zerlegt: Das Sparkassengeschäft fließt ins Schwesterinstitut Helaba. Nicht verkäufliche Geschäfte werden in die „Bad Bank“ verschoben. Die restliche WestLB wird zur Servicegesellschaft „Portigon“ umgewandelt.

Die EU-Kommission hatte am Dienstag nach langem Streit die Zerschlagung der WestLB abgesegnet. Als Ausgleich für elf Milliarden Euro Staatsbeihilfen, mit denen das Institut jahrelang über Wasser gehalten wurde, muss die Bank bis Mitte 2012 vom Markt verschwinden. Dazu wird die derzeit noch drittgrößte Landesbank in drei Teile gespalten: Das Verbundgeschäft soll an die Helaba gehen, der große Rest landet aller Voraussicht nach in der seit 2009 bestehenden Bad Bank EAA. Sie wird von der Servicegesellschaft SPM unterstützt.

Besonders auf diese neue Servicegesellschaft setzt Voigtländer große Hoffnungen, da sie neben den bestehenden Kunden EAA und Verbundbank auch Neugeschäft machen darf. Da viele Geldhäuser derzeit riskante Papiere und Kredite abstoßen, gebe es einen großen Bedarf, diese Portfolien zu verwalten und abzuwickeln, sagte Voigtländer. „Ich sehe gute Chancen, diesen entstehenden Markt mit zu gestalten.“ Auch für die Bad Bank der Hypo Real Estate könnte die SPM solche Dienste übernehmen, deutete der WestLB-Vorstandsvorsitzende an. „Selbstverständlich werden wir uns um Bad Banks, die schon da sind oder die eventuell noch entstehen, intensiv bemühen.“

Die Servicegesellschaft SPM, die dem Land Nordrhein-Westfalen gehört, soll spätestens 2016 privatisiert werden. Voigtländer machte jedoch deutlich, dass er die Firma, die in Deutschland, London, New York und einem Standort in Asien vertreten sein wird, gerne schon früher verkaufen würde. Bis zu einer Privatisierung darf der Umsatz im Neugeschäft der Service-Gesellschaft laut der Vereinbarung mit der EU nicht größer sein als der mit den bisherigen Bestandskunden.

Von

rtr

Kommentare (17)

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Pro-D

21.12.2011, 16:54 Uhr

Schade um die 2.500 Jobs, die Herr Steinbrück durch seine Zustimmung zum Ankauf der amerikanischen FED Giftpapiere bewusst und wissentlich aufs Spiel gesetzt hat. Echt interessant, dass er für diese Zustimmung seine Bundeskanzler Nominierung durch die Bilderberger bekommen hat. Aber eine Hand wäscht bei der SPD / Bilderbergern die andere. Tja, so wird man Bundeskanzler(Kandidat) der SPD

Erschaffe im Hintergrund Not und Probleme, dann wird man dich als Retter rufen.

Bei der Deutschen Bank haben die Antgestellten das Glück, dass ein seriöser Fachmann die Bank leitet und kein Politiker.




Account gelöscht!

21.12.2011, 17:05 Uhr

Sehr bedauerlich. Wer glaubt allerdings angesichts der Stellenstreichungen in anderen Unternehmen an DEN AUFSCHWUNG? DIE LOHNERHÖHUNG? DIE ARBEITSLOSENZAHLEN? DAS WACHSTUM? Oder ist ist Stellenstreichung gleich ERSCHIESSEN? Das würde die Arbeitslosenzahlen erklären und warum sie nicht steigen....reine verarsche!

Account gelöscht!

21.12.2011, 17:09 Uhr

Der Steinbrück ist der nächste der enttarnt werden müsste.
Hinterlässt wo er auftaucht Chaos, schafft es dann aber sich als der große Macher zu präsentieren. Das kommt einem doch bekannt vor. Große Klappe, nichts dahinter.

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