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07.10.2011

13:23 Uhr

Hiobsbotschaften

Schwarze Woche für Europas Banken

Frankreich bangt um Dexia. Die Deutsche Bank streicht ihr Gewinnziel. Den italienischen Instituten geht es an den Kragen und heute stuft Moody’s ein Dutzend britische Banken herunter. Eine Woche zum Fürchten.

Auch in der Zentrale der Deutschen Bank waren die Sorgen in dieser Woche groß. dapd

Auch in der Zentrale der Deutschen Bank waren die Sorgen in dieser Woche groß.

Düsseldorf/London/Frankfurt/ParisEs ist das Finale einer für viele europäischen Banken furchtbaren Woche: Moody's hat zwölf britische Banken herabgestuft. Die Ratingagentur senkte ihre Bonitätsnoten für Lloyds TSB Bank, Santander UK und Co-Operative Bank um eine Stufe, die Ratings für die Royal Bank of Scotland und Nationwide Building Society nahm sie um zwei Stufen zurück. Außerdem wurden sieben kleinere Institute um eine bis fünf Stufen zurückgesetzt.

Bereits im Mai hatte Moody's die Ratings für die britischen Banken auf Beobachtung gesetzt. Die daraus resultierende Herabstufung begründet die Agentur mit einer Neubewertung der staatlichen Unterstützung des Finanzsektors. Zwar gehe man weiter davon aus, dass die britische Regierung systemrelevante Banken auch künftig stützen würde. Allerdings werde die Unterstützung zurückgehen. Außerdem sei die Wahrscheinlichkeit gestiegen, dass die Regierung kleinere Institute fallen lasse, wenn diese in Nöte geraten sollten.

Der britische Schatzkanzler George Osborne erklärte in einer ersten Reaktion auf BBC Radio 4, die Herabstufung sei ein Resultat der Regierungspläne zur Restrukturierung des Finanzsektors. Einer der Gründe sei, dass Moody's glaubt, die britische Regierung versuche von den Garantien für britische Banken wegzukommen. Die Ratingagenturen und andere wollten nun sehen, dass die Banken ihren Weg alleine gehen können. "Ich bin sicher, dass sie das tun werden", sagte Osborne.

Die Nachricht von der Herabstufung trifft allerdings mit einem Pressebericht zusammen, dem zufolge in der britischen Regierung die Sorge vor einem neuem Kapitalbedarf der Royal Bank of Scotland (RBS) wächst. „Wenn es in Europa eine breite Bewegung zur Rekapitalisierung von Banken gibt, dann ist es denkbar, dass auch die RBS mehr Staatshilfen benötigt“, zitierte die „Financial Times“ einen Regierungsvertreter.

Die RBS hat im Vergleich zu anderen britischen Banken viel Geld in Staatspapieren von Euro-Schuldenländern angelegt. Bereits im ersten Halbjahr korrigierte sie den Wert ihrer griechischen Staatsanleihen von 1,2 Milliarden Euro nach unten. In Italien hat sie noch 4,0 Milliarden Euro im Feuer. Die RBS zählt weltweit zu den größten Verlierern der Finanzkrise von 2008. Sie hatte in den Jahren 2008 bis 2010 einen Verlust von rund 29 Milliarden Pfund angehäuft und musste verstaatlicht werden. 82 Prozent der Aktien liegen derzeit beim Staat. Die Kosten für die Rettung der Bank belaufen sich laut Zeitung bislang auf 45 Milliarden Pfund (52 Milliarden Euro).

Die RBS-Aktie fiel in London im frühen Handel um vier Prozent, die Papiere von Lloyds TSB gaben knapp drei Prozent nach.

Welche europäischen Banken 2011 ihr Kapital erhöht haben

Commerzbank

Seit zwei Jahren gehört das deutsche Institut zu einem Viertel dem Staat. Mit den Mitteln aus der Kapitalerhöhung will die Bank den größten Teil der rund 16 Milliarden Euro schweren staatlichen stillen Einlage ablösen - eine Art haftendes Eigenkapital ohne Stimmrechte. Insgesamt sammelte die Commerzbank zwischen April und Juni rund 14 Milliarden Euro ein.

Intesa SanPaolo

Erst kürzlich erhöhte die italienische Bank Intesa SanPaolo ihr Eigenkapitel um rund 7 Milliarden Dollar. Mit einer Kernkapitalquote von 7,9 Prozent zum Ende des Jahres 2010 benötigt Intesa nicht unmittelbar frisches Geld. Die Großbank dürfte sich jedoch auf die neuen Eigenkapitalregeln unter Basel III vorbereiten.

Danske Bank

Auch die dänische Danske Bank polsterte in diesem Jahr bereits ihre Kapitalausstattung auf. Im April sammelte sie rund 4 Milliarden Dollar ein. Mit Hilfe der Emission sollen staatliche Finanzhilfen zurückgezahlt werden.

Monte dei Paschi di Siena

Im August hat die italienische Bank Monte dei Paschi eine Kapitalerhöhung durchgeführt. Der Schritt mit einem Volumen von rund 3 Milliarden Dollar soll dem Institut die Rückzahlung der so genannten Tremonti-Bonds ermöglichen.

 

Nordea Bank

Auch die dänische Nordea Bank sah sich gezwungen, ihre Eigenkapital aufzustocken: Im April dieses Jahres sammelte sie rund 2,9 Milliarden Dollar ein.

Bank of Ireland

Das irische Institut Bank of Ireland entging durch eine Kapitalerhöhung von rund 2,8 Milliarden Dollar in diesem Jahr nur knapp der Verstaatlichung. Durch die Beteiligung eines privaten Konsortiums liegen mindestens 68 Prozent des Instituts in privaten Händen.

Banco Popolare

Die mailändische Banco Popolare stockte im Februar ihre Kapitaldecke auf – um 2,7 Milliarden Dollar. Sie hatte in der Krise staatlich garantierte Anleihen in Anspruch genommen. Die wollte sie ablösen.

Agricultural Bank of Greece

Die Agricultural Bank of Greece (ATE) ist ein Sorgenkind des griechischen Bankensektors und fiel beim Stresstest der Bankenaufsicht durch. Sie erhöhte ihr Eigenkapital im Juni um 1,8 Milliarden Euro.

Unione die Banche Italiane

Im zweiten Quartal dieses Jahres konnte Italiens viertgrößte Bank ihr Ergebnis durch Steuergutschriften fast verdreifachen. Zuvor hatte sie eine Kapitalerhöhung von 1,4 Milliarden Dollar durchgeführt.

Emporiki Bank of Greece

Die viertgrößte Bank Griechenlands erhöhte ihr Eigenkapital im März ebenfalls um 1,4 Milliarden Dollar.

Bank of Piraeus

Die griechische Bank ist wegen des Umtauschs einheimischer Staatsanleihen tief in die roten Zahlen gerutscht. Im Januar griff sie zum Instrument der Kapitalerhöhung – und sammelte rund 1,1 Milliarden Dollar ein.

Marfin Popular Bank Public

Die zyprische Marfin Popular Bank erhöhte im Februar ihr Eigenkapital um 700 Millionen Dollar.

Banco de Sabadell

Die spanische Bank  kam beim Stresstest nur auf eine Kernkapitalquote von 5,7. Erst im Februar hatte sie Kapital um rund 600 Millionen Euro erhöht.

Monte dei Paschi di Siena

Die italienische Traditionsbank Monte dei Paschi di Siena hat sich mit 536 Millionen Dollar neuem Kapital eingedeckt. In der Finanzkrise hatte das Institut aus der Toskana als erste italienische Bank Staatshilfen in Anspruch genommen, nachdem es sich vor der Krise vor allem mit der Übernahme der norditalienischen Banca Antonveneta stark verschuldet hatte.

Aareal Bank

Knapp 399 Millionen Dollar nahm die Aareal Bank durch die Platzierung neuer Aktien im April 2011 ein. Ein Teil des Erlös nutzte das Institut, um Staatshilfen an den Bankenrettungsfonds zurückzuzahlen.

Banco Comercial Portugues

Auch die Banco Comercial Portugues hat sich mit frischem Kapital eingedeckt. Das Institut generierte 377 Millionen Dollar.

Auch an der Börse in Lissabon gaben die Kurse von Bankaktien nach. Denn parallel zu den britischen Banken stufte Moody's auch neun portugiesische Banken zurück. Die Agentur sieht eine Verschlechterung der Finanzstärke der Institute als Folge des hohen Bestandes an portugiesischen Staatsanleihen, der erwarteten Verschlechterung der Anlagen in der Heimat sowie der aktuellen Liquiditätsbeschränkungen für portugiesische Banken. Betroffen von der Herabstufung sind unter anderem die Ratings der Großbanken Banco Comercial Portugues, Banco Espirito Santo und Banco BPI.

Kommentare (6)

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Carlos

07.10.2011, 11:53 Uhr

Lasst diese Banken endlich verrecken !
Ursprünglich waren sie "Dienstleister" - das hat sich komplett geändert.
Sie mutierten zu den "Herren der Welt" - weil die dummen Menschen dies ermöglicht haben.
Dafür bekommt das Volk jetzt massiv in den Hintern getreten. Die Vasallen aus der Politik ermöglichen das zusätzlich.
Wann wachen die Menschen ENDLICH auf ????????????????

Adenauer

07.10.2011, 11:56 Uhr

Es stellt sich die Frage was aus den Zinsgewinnen der griechischen Staatsanleihen geworden ist. Zuletzt bis zu 150% per anno. Ah ja, die gingen an die Aktionäre und in die Gehälter und Boni. Faschismus light, Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren. Victor Orban in Ungarn geht den umgedrehten Weg und wird dafür grenzenlos kritisiert.

Bruder-Helmut

07.10.2011, 13:25 Uhr

"Occupy"-Bewegung auch hier möglichGeißler würde mitmachen

Heiner Geißler, ehemaliger CDU-Generalsekretär, Schlichter bei "S21" und heute Attac-Mitglied, würde sich an Protesten wie in New York gegen die Macht der Banken beteiligen. Er ist sich sicher, dass es bald auch in Europa ähnliche Proteste geben wird. Immer mehr junge Leute wollten sich nicht mehr von den Finanzmärkten abhängig machen lassen.

»[...] Am meisten befürchtet der Bilderberg-Club einen organisierten Widerstand. Seine Mitglieder wollen nicht, dass die einfachen Leute dieser Welt dahinterkommen, welche Zukunft sie für die Welt planen, nämlich eine Weltregierung bzw. ein Weltunternehmen mit dem einzigen, weltweiten Marktplatz, der von einer Weltarmee beaufsichtigt und von einer Weltbank mit einer globalen Währung geregelt wird. [...]«
Mehr zu den Absichten der Bilderberger bei www.wearechange.c

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