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18.01.2010

11:03 Uhr

Höhere Zinsen

Verschnaufpause für Banken geht 2010 zu Ende

Der Boom im Investment-Banking lässt Experten zufolge nach. Auch die Zeit des billigen Zentralbankgeldes dürfte bald vorbei sein. Branchenkenner rechnen damit, dass die Branche weiter schrumpfen und die Banken sparen müssen. Was auf Banken - und Kunden-im schwierigen Jahr 2010 zukommt.

2009 verdienten vor allem die Investment-Banken gut. JP Morgen machte 3,3 Milliarden Dollar Gewinn. Doch der Investment-Boom lässt nach. Quelle: Reuters

2009 verdienten vor allem die Investment-Banken gut. JP Morgen machte 3,3 Milliarden Dollar Gewinn. Doch der Investment-Boom lässt nach.

bas/pk/rob VALLENDAR. Nach der Erholung im vergangenen Jahr müssen die Banken weltweit in diesem Jahr mit neuen Problemen rechnen. "Wir sind irgendwo in der Mitte und nicht am Ende der Krise", sagte Scott McDonald, Managing Partner der Unternehmensberatung Oliver Wyman, auf einer Finanzkonferenz der Wirtschaftshochschule WHU in Vallendar. In diesem Jahr dürften die Bankengewinne sowohl im Geschäft mit Unternehmens- als auch im Privatkundengeschäft unter Druck stehen.

Auch der Präsident des Verbands privater Banken in Deutschland (BdB), Andreas Schmitz, sieht 2010 als ein "schwieriges Bankenjahr". Vor allem im dritten und vierten Quartal rechnet Schmitz, der Vorstandschef von HSBC Trinkaus ist, mit hohen Wertberichtigungen. Für Banken mit großem Kreditbuch könnte das noch junge Jahr deshalb ein sehr schwieriges Jahr werden.

Investment-Banking kühlt schon etwas ab

Das vergangene Jahr war vor allen Dingen durch hohe Gewinne der Investmentbanken gekennzeichnet. Die US-Bank JP Morgan hatte im vierten Quartal 3,3 Milliarden Dollar verdient. Doch das Geschäft im Investment-Banking, das vor allem dafür verantwortlich war, läuft nicht mehr ganz so auf Hochtouren wie in den Quartalen zuvor - und für das laufende Jahr rechnet JP Morgan mit hohen Abschreibungen im Kreditkartengeschäft auf dem amerikanischen Heimatmarkt. Die Ergebnisse von Morgan Stanley, Goldman Sachs und der Bank of America in dieser Woche werden deshalb mit Spannung verfolgt.

Bisher profitieren die Banken von der enormen Unterstützung der Notenbanken, dem großen Abstand zwischen den niedrigeren Kurzfrist- und den höheren Langfristzinsen - und vor allem die Investmentbanken von der Suche nach Kapital über die Finanzmärkte. "Viele der Gewinne, die wir dieser Tage sehen werden, beruhen aber nur auf den extrem niedrigen Leitzinsen und der steilen Zinskurve, die wir derzeit haben", warnte McDonald. "Und wenn wir sehen, wie viel das ist, dann ist das ziemlich beunruhigend."

Die Bankbranche weiß, dass die Zeit des superbilligen Geldes nicht anhalten kann. Indem die durch billiges Geld entstandene Krise durch billiges Geld bekämpft werde, treibe man derzeit den Teufel mit dem Beelzebub aus, sagte der Finanzchef der Credit Suisse, Renato Fassbind. "Die Zinssätze sind derzeit viel zu niedrig." Hinzu kommen strengere Regulierungsanforderungen etwa an das Eigenkapital.

Bankkunden werden einen Teil der Krisen-Zeche zahlen müssen

Deshalb führt McDonalds Ansicht zufolge nichts daran vorbei, dass die Bankenbranche insgesamt weiter schrumpfen und die Institute die Kosten senken müssen. Viele Banken hätten dies noch nicht akzeptiert. Jörg Hashagen, Finanzexperte bei KPMG, warnte, dass am Ende der Bankkunde einen Teil der Krisenkosten zahlen müsse: "Die Preise, die wir für Finanzdienstleistungen zahlen müssen, könnten in der Zukunft erheblich höher sein."

Für Alexander Dibelius, den Deutschland-Chef der US-Investmentbank Goldman Sachs, ist es vordringlich, dass es nicht zu zusätzlicher, sondern zu besserer Regulierung kommt. Er fordert eine stärkere Kooperation zwischen Politikern, den Finanzaufsichten und den Marktteilnehmern, um "gemeinsame Spielregeln aufzustellen und Sanktionen festzulegen". Bei einer überzogenen Regulierung warnt Dibelius vor "fatalen Konsequenzen", wenn die Banken den globalen Fortschritt nicht mehr befeuern könnten. Zu den aus Sicht des Topbankers notwendigen Grundregeln in der Aufsicht gehöre, dass alle "Risiken sich in der Bilanz widerspiegeln müssen".

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