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24.09.2011

10:44 Uhr

Hohes Risiko

Fremdwährungskredite setzen Österreichs Banken unter Druck

Die österreichischen Banken geraten mehr und mehr unter Druck, weil sie an Kunden zu großzügig Kredite in anderen Währungen als dem Euro vergeben haben. In den Bilanzen steckt ein gewaltiges Risiko.

Schweizer Franken neben Euromünzen. dapd

Schweizer Franken neben Euromünzen.

WienÖsterreichs Großbanken machen sich zunehmend Sorgen wegen ihres hohen Bestands an Fremdwährungskrediten. Vor allem die zuletzt starke Aufwertung des Schweizer Frankens hat dafür gesorgt, dass die Bankbilanzen belastet sind von Krediten, deren Rückzahlung zunehmend fraglich ist. Das erinnert an die US-Banken, die vor der Finanzkrise zu viele Subprime-Hypothekenkredite an schwache private Schuldner vergeben hatten und dadurch ernsthaft in die Bredouille gerieten. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor dem Risiko für Österreichs Geldhäuser.

Fremdwährungskredite sind eine österreichische Spezialität. Die Banken der Alpenrepublik hatten sie anfangs vor allem im Westen des Landes angeboten, wo es viele Grenzgänger mit Einkommen in Schweizer Franken gibt. Mit diesem Modell machten die Banken später in ganz Österreich gute Geschäfte. Auch bei der Expansion nach Osteuropa gehörten Fremdwährungskredite zum Geschäftsmodell – dort besonders stark engagiert sind die Erste Bank, die Bank Austria und die Raiffeisenbank International.

„Verwundbares Geschäftsmodell“

In seinem neuen Österreich-Bericht kritisiert der IWF den hohen Bestand der Fremdwährungskredite in den Bankbilanzen. Die Finanzkrise habe aufgedeckt, dass dieses Geschäftsmodell der österreichischen Kreditinstitute „verwundbar“ sei, schreibt der IWF. Die größten Probleme haben die Geldhäuser mit dem Schweizer Franken, der stark gegenüber Euro, ungarischem Forint, rumänischem Leu oder kroatischer Kuna an Wert gewonnen hat. „Die Banken dürfen die Entwicklung des Schweizer Frankens nicht aus den Augen verlieren“, fordert IWF-Direktor Johann Prader. Die Banken müssten vorbereitet sein, im Zweifelsfall das Risiko aus den Krediten in fremder Währung schnell zu reduzieren.

Die Erste Bank hat bereits reagiert. Sie versucht in Österreich, ihre Kunden zur Konvertierung der Franken-Kredite in Euro zu überreden. „Jetzt raus aus diesem Risiko“, sagt Österreich-Chef Thomas Uher. Dass die Schweizer Nationalbank Anfang September ein festes Wechselkursziel zum Euro bekanntgegeben habe, verschaffe den Bankkunden Sicherheit und eine vergleichsweise günstige Wechselkursrelation. Auch die Bank würde davon profitieren, wenn viele Kunden ihrem Rat folgen: Die Erste Bank würde das Währungsrisiko aus ihrer Bilanz bekommen. Die schweizerische Notenbank hatte Anfang September angekündigt, einen Wechselkurs von 1,20 Franken zum Euro zu verteidigen.

Nach Angaben der Österreichischen Nationalbank haben die heimischen Kreditinstitute aktuell Fremdwährungskredite im Volumen von gut 175 Milliarden Euro in ihren Bilanzen. Knapp 60 Milliarden Euro davon entfallen auf den österreichischen Heimatmarkt, der verbliebene Rest verteilt sich auf die benachbarten Länder in Zentral- und Südosteuropa.

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