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08.10.2013

19:15 Uhr

HRE-Nachfolgerin

Pfandbriefbank kommt langsam in Fahrt

Das Immobiliengeschäft läuft besser als erwartet: Die Deutsche Pfandbriefbank hebt ihre Prognose für das laufende Jahr an. Das kommt gerade rechtzeitig, die Nachfolgerin der Hypo Real Estate braucht positive Nachrichten.

Prognose gesteigert: Die Pfandbriefbank pbb geht davon aus, in diesem Jahr vor Steuern mindestens 150 Millionen Euro zu verdienen. dpa

Prognose gesteigert: Die Pfandbriefbank pbb geht davon aus, in diesem Jahr vor Steuern mindestens 150 Millionen Euro zu verdienen.

MünchenDer boomende Immobilienmarkt in Mitteleuropa spielt auch der Deutschen Pfandbriefbank pbb in die Hände. Pünktlich zur großen Branchenmesse Expo Real in München schraubte die Nachfolgerin der in der Finanzkrise kollabierten Hypo Real Estate (HRE) ihr Jahresziel nach oben: 2013 wird nun ein Vorsteuerergebnis von mindestens 150 Millionen Euro erwartet. Das ist zwar immer noch weniger, als aller Voraussicht nach die kleinere Rivalin Aareal einfahren wird. Doch immerhin zeigt der Pfeil dann in die richtige Richtung. Im Vorjahr hatte die pbb 124 Millionen Euro verdient und danach zunächst einen Gewinnrückgang vorhergesagt. Dabei hat die Bank positive Nachrichten dringend nötig, schließlich muss sie auf EU-Geheiß bis spätestens Ende 2015 privatisiert werden. Ein Käufer ist derzeit nicht in Sicht. Andere Immobilienbanken wie die frühere Eurohypo werden gerade abgewickelt.

Die pbb muss vor allem rentabler werden, um Investoren anzulocken. Doch das ist im Niedrigzinsumfeld besonders schwer. Hoffnung macht der Bank die deutliche Belebung im Neugeschäft mit gewerblichen Immobilien- und öffentlichen Infrastrukturfinanzierungen. Das bringt Volumen - im dritten Quartal lag es bei rund zwei Milliarden Euro, fast 50 Prozent über Vorjahr. Nach neun Monaten hat die Bank schon annähernd die 5,6 Milliarden Euro des gesamten Jahres 2012 in der Tasche und steuert nun bis Jahresende - wenn das traditionell starke vierte Quartal nicht enttäuscht - auf acht Milliarden zu. Immobilienvorstand Bernhard Scholz traute sich am Dienstag im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Reuters keine genaue Prognose zu, lobte aber die Dynamik in den europäischen Kernmärkten - auch wenn die Konkurrenz unter den Banken schon wieder zunimmt: „Die Hälfte des Neugeschäfts machen wir unverändert in Deutschland. Hier ist der Wettbewerb besonders intensiv. Die Margen sind ein Stück weit unter Druck gekommen, liegen aber noch immer höher als vor der Finanzkrise.“

Das passt ins Bild: Auch andere Immobilienbanken reichen derzeit viele Kredite in den boomenden europäischen Kernmärkten - allen voran Deutschland, Frankreich, Großbritannien - aus. Die Krise scheint hier vergessen - viele Investoren bringen im Niedrigzinsumfeld erhebliches Eigenkapital mit, das sie anlegen wollen, und bekommen deshalb auch die nötige Fremdfinanzierung. Zudem treten Versicherer und Pensionskassen immer stärker als Kreditgeber auf. Der Markt wird wieder enger, während viele Immobilieninvestoren die südeuropäischen Staaten noch meiden.

Altlasten hat die pbb kaum noch, der Milliardenberg an toxischen Wertpapieren wurde an die staatliche „Bad Bank“ FMS Wertmanagement ausgelagert. Seit Anfang Oktober sind die beiden HRE-Überbleibsel nun auch organisatorisch entkoppelt. Die Herausforderung für die pbb besteht vielmehr darin, einen Käufer zu finden, der ihr großes Portfolio refinanzieren kann. Alternativ zu einem Verkauf wird in Finanzkreisen auch immer wieder über einen Börsengang der Pfandbriefbank spekuliert. Nach außen hat sich bislang weder die pbb noch die Bundesregierung zum bevorzugten Plan geäußert.

Der zum Verkauf stehende deutsch-irische Staatsfinanzierer Depfa, der die Schieflage der HRE maßgeblich mit ausgelöst hatte und derzeit eine stillgelegte Plattform ist, steht bereits im Schaufenster und hat nach offiziellen Angaben eine "zufriedenstellende Zahl" von Interessenten angelockt. Finanzkreisen zufolge schauen vor allem Finanzinvestoren auf das Institut. Die noch unverbindlichen Offerten werden in diesen Tagen geprüft. Mit der Depfa versucht der Bund zum ersten Mal, einen Teil der HRE zu privatisieren. Doch der Zeitplan ist ehrgeizig: Bis zum Frühjahr soll der Verkauf durch sein. Wenn das nicht gelingt, droht auch der Depfa die Abwicklung.

Von

rtr

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