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03.02.2014

16:47 Uhr

HRE-Prozess

„Man fühlt sich an Gorbatschow erinnert“

Im milliardenschweren Ringen um Schadenersatz für die Aktionäre der Hypo Real Estate droht die Bank ins Hintertreffen zu geraten. Der zuständige Richter übt scharfe Kritik an der Informationspolitik des Instituts.

Die Aktenordner zum Schadenersatzprozess der HRE-Aktionäre füllen mehrere Schränke. Reuters

Die Aktenordner zum Schadenersatzprozess der HRE-Aktionäre füllen mehrere Schränke.

MünchenEs sind nur ein paar Wörter, die den Ausgang des milliardenschweren Schadenersatzstreits zwischen der Hypo Real Estate (HRE) und ehemaligen Aktionären entscheiden könnten. Richter Guido Kotschy macht den jeweils in Zweierreihen sitzenden Anwälten beider Seiten in überraschend deutlichen Worten klar, wie sein Zivilsenat vorläufig einige Sachen sieht. Er sprach gleich zum Prozessauftakt von einer Informationslücke, die das Management der Bank damals habe entstehen lassen. „Es kommt sicherlich auf einige Einzelheiten an“, sagt Kotschy. Aber es sind vor alle die Anleger, die manche dieser Punkte zuversichtlich stimmen.

Die HRE und ihre spektakuläre Rettung durch den Staat gelten noch immer als eines der zentralen Symbole für die Folgen der weltweiten Finanzkrise in Deutschland. Viele Anleger verloren damals hohe Summen. Jetzt wird das Drama um die HRE vor Gericht aufgerollt.

Worum geht es? Die früheren Aktionäre beschuldigen die HRE, zu spät ihre Probleme durch die Finanzkrise eingeräumt zu haben. Von der bei der Rettung durch den Bund verstaatlichten Bank verlangen sie deshalb nun Schadenersatz in Milliardenhöhe.

Am 15. Januar 2008 hatte die Bank in einer Ad-Hoc-Mitteilung, also einer Pflichtmitteilung für die Finanzmärkte, massive Belastungen bekanntgegeben und die Börse geschockt. Innerhalb eines Tages brach die Aktie um mehr als ein Drittel ein und sackte danach weiter ab. Das kostete die Aktionäre viel Geld. Kotschy sagt in seiner Einführung deutlich, dass es Anhaltspunkte dafür gebe, dass die Mitteilung zu spät kam - und die Märkte viel früher hätten informiert werden müssen. Die HRE bestreitet dies.

Chronologie der Krisenbank HRE

28. September 2008

Die Notlage des Konzerns wird bekannt. Um den Kollaps mit unabsehbaren Folgen für das Finanzsystem zu verhindern, schnüren Bund und Banken eilig ein erstes Rettungspaket über 35 Milliarden Euro. Wenige Tage später wird es auf 50 Milliarden aufgestockt.

18. Februar 2009

Die Bundesregierung billigt ein Gesetz, das die Verstaatlichung maroder Banken als letzte Option vorsieht. Das „Rettungsübernahmegesetz“ ist auf die HRE zugeschnitten. Die Hilfen an die HRE belaufen sich inzwischen auf 102 Milliarden Euro.

5. Oktober 2009

Auf einer Hauptversammlung beschließt der Bund mit seiner Stimmenmehrheit den Zwangsausschluss („Squeeze Out“) der letzten Aktionäre, um sich 100 Prozent an der HRE zu sichern. Die verbliebenen Anleger müssen ihre Papiere für je 1,30 Euro an den Bund abgeben.

8. Juli 2010

Die HRE gründet eine „Bad Bank“. Der Bank zufolge werden rund 170 Milliarden Euro an giftigen Papieren in die neue FMS Wertmanagement übertragen.

18. September 2010

Es wird bekannt, dass die HRE für 2009 rund 1400 Mitarbeitern Prämien von insgesamt 25 Millionen Euro gezahlt hat.

20. Januar 2011

Frühere HRE-Aktionäre scheitern mit ihrer Klage gegen die Verstaatlichung. Der Bund habe mit dem „Squeeze Out“ nicht gegen das Grundgesetz verstoßen, urteilt das Landgericht München.

2. November 2011

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) räumt einen Bilanzierungsfehler von 55,5 Milliarden Euro bei der Bad Bank der HRE ein. Es sei ein Missverständnis bei der Bilanzierung zwischen HRE und der Bad Bank FMS-Wertmanagement gewesen.

26. August 2013

Die HRE stellt die Depfa zum Verkauf.

Für Kotschy liegt der Schicksalstag der HRE in diesem Verfahren einige Wochen zuvor. Es ist der 3. August 2007. Damals nämlich hatte die HRE in einer Pressemitteilung nicht nur ihre Prognosen für das Geschäftsjahr bestätigt, sondern auch geschrieben: „Die Hypo Real Estate Group bestätigt auch ihre bisherige Aussage, aus der Krise um die US-Subprime keine negativen Belastungen zu erwarten (.)“. Das sei nicht nur zu optimistisch gewesen, sagt Kotschy. Es habe auch eine Informationslücke entstehen lassen, die von der Bank hätte viel früher geschlossen werden müssen.

Kommentare (1)

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RalphFischer

03.02.2014, 20:22 Uhr

Es wäre VIEL billiger für den Staat gewesen, das Ding einfach pleite gehen zu lassen.
Ich warte ja immer noch auf den Parlamentarischen Untersuchungsausschuss zu dem Thema, welcher Politikerfreund so viel Geld bei der HRE gebunkert hatte, das die nicht pleite gehen durfte...

WELCHES System war in derart KRITISCHER Gefahr, unterzugehen, das diese Bank UNBEDINGT vom Steuerzahler gerettet werden musste ?

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