Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

11.01.2005

08:17 Uhr

HSBC zieht den Kürzeren

Britische Banker steigen in Südkorea ein

Die britische Bank Standard Chartered steigt in den koreanischen Markt ein. Das in asiatischen und afrikanischen Schwellenländern (Emerging Markets) aktive Institut kauft die Korea First Bank für 3,3 Mrd. Dollar (rund 2,5 Mrd. Euro) in bar.

bas/fs LONDON/TOKIO. Die bis Ende vergangenen Jahres als Favorit gehandelte Großbank HSBC zog bei der Auktion des achtgrößten südkoreanischen Kreditinstituts den Kürzeren. Standard Chartered übernimmt zunächst den kontrollierenden Anteil von knapp 49 Prozent des US-Fonds Newbridge Capital. Die südkoreanische Regierung gibt ihr die restlichen Anteile. Standard Chartered will den Kauf zum Teil durch die Platzierung neuer Stammaktien im Wert von einer Milliarde Pfund finanzieren.

Lange Zeit war HSBC aussichtsreichster Interessent, bis Standard Chartered in nahezu letzter Minute mit einer deutlich verbesserten Offerte den Zuschlag erhielt. Vorstandschef Mervyn Davies nannte den Preis – das 1,87fache des Buchwertes – „fair“. Die Aktie seines Instituts sank dennoch zeitweise um mehr als 3,7 Prozent. Auch Analysten äußerten sich zurückhaltend. Mittelfristig sei das Bankgeschäft in Südkorea zwar interessant. „Kurzfristig bleibt der Sektor belastet durch schwächere heimische Nachfrage und geringeres Kreditwachstum“, sagte Sunil Garg von der Investmentbank Fox-Pitt, Kelton.

Der Einstieg ist für Standard Chartered ein Meilenstein. Die Bank reizt an dem mit 48 Millionen Einwohnern drittgrößten Bankenmarkt Asiens die Entwicklung des Privatkundengeschäfts. Zwar hat die Zunahme des Kreditkartengeschäfts 2002 zu riesigen faulen Krediten privater Haushalte geführt. Branchenvertreter hoffen aber auf weitere Expansionsphasen. Die Briten wollen zudem die Handelsfinanzierung und das Wechselkursgeschäft ausbauen. Die Korea First Bank hat mehr als 400 Filialen in Südkorea, Standard Chartered bisher lediglich zwei. Die Ratingagentur Moody’s stufte die Krediteinschätzung der Korea First Bank als Folge der Übernahme hoch.

Standard Chartered hat sich unter den britischen Banken nach HSBC über die Jahre die besten Verbindungen in den asiatisch-pazifischen Raum aufgebaut. Die Bank machte im vergangenen Halbjahr in der Region 60 Prozent ihres Betriebsgewinns von insgesamt mehr als 1,1 Mrd. Dollar. Das in Hongkong und London an der Börse notierte Institut ist in mehr als 50 Ländern in Südasien, dem Nahen Osten und Afrika vertreten. Standard Chartered bietet Dienste für Privatkunden und mittelständische Unternehmen an. Verwaltungsratschef Brian Sanderson und Vorstandschef Davies hatten nach einigen Rückschlägen zuletzt stark unter Druck gestanden, eine wegweisende Transaktion zu schaffen.

Ihr im November gegebenes Versprechen, „in wenigen Wochen“ einen Minderheitsanteil an einem chinesischen Kreditinstitut zu erwerben, konnten sie bisher nicht einlösen. Ausgerechnet HSBC schnappte Standard Chartered einen 20-Prozent-Anteil an der fünftgrößten Privatbank der Volksrepublik, der Bank of Communications, vor der Nase weg. Im vergangenen Jahr zog das Institut in Südkorea im Kampf um die Bank KorAm den Kürzeren; damals bot der US-Konkurrent Citigroup mehr. Lediglich in Indonesien gelang dem Management zuletzt der Einstieg bei Permata, einer relativ kleinen Adresse.

Nach der Bilanzgröße ist Korea First Bank etwa ein Fünftel so groß wie Standard Chartered. Die 1929 gegründete Bank war eine der einflussreichsten Adressen des Landes. In der Asienkrise 1997/98 geriet sie auf Grund notleidender Firmenkredite ins Schlingern und konnte nur mit staatlicher Hilfe gerettet werden.

Als erste koreanische Bank wurde ihre Mehrheit 1999 an einen ausländischen Investor verkauft. Standard Chartered verlor damals gegen Newbridge Capital, die 500 Mrd. Won (gut 360 Mill. Euro) zahlte. Das neue Management unter Newbridge baute neben dem Firmenkundengeschäft das Privatkundengeschäft mit Hypothekenkrediten aus. In den ersten neun Monaten 2004 fiel bei den Koreanern bei Einnahmen von 785 Mrd. Won ein Vorsteuergewinn von 134 Mrd. Won an.

Gestern kamen Gerüchte auf, dass Standard Chartered auf Expansionskurs bleibe: Medienberichten zufolge soll sie an dem Bankgeschäft der südafrikanischen First Rand interessiert sein. Das Interesse an Südafrika ist bekannt, zu konkreten Transaktionen sagte die Bank aber nichts.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×