Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

21.05.2015

18:15 Uhr

HSH Nordbank

Eigner wollen Bank von Altlasten befreien

Nun doch keine Spaltung: Um die angeschlagene HSH Nordbank von Altlasten zu befreien, erwägen die Eigentümer eine „weichere Lösung“ als die Aufteilung in eine Good Bank und eine Bad Bank. Neues Geld gibt es aber nicht.

Die HSH Nordbank ging 2003 aus der Fusion der Hamburgischen Landesbank mit der Landesbank Schleswig-Holstein hervor. dpa

Erst Fusion, jetzt Spaltung

Die HSH Nordbank ging 2003 aus der Fusion der Hamburgischen Landesbank mit der Landesbank Schleswig-Holstein hervor.

Hamburg/FrankfurtDie Eigentümer der HSH Nordbank wollen die Bank von Altlasten befreien – aber nicht zerschlagen. Eine komplette Aufspaltung in eine Good Bank und eine Bad Bank sei als Option inzwischen verworfen worden, sagte der FDP-Fraktionsvorsitzende im Kieler Landtag, Wolfgang Kubicki, am Donnerstag zu Reuters. Ein privater Eigentümer würde zwar vermutlich so vorgehen, fügte Kubicki hinzu. „Die HSH hat aber staatliche und nicht private Eigner.“ Zudem gebe es Bedenken, ob eine solche Lösung mit Europarecht vereinbar wäre. Wahrscheinlicher sei nun eine „weichere Lösung“, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person.

Hamburg und Schleswig-Holstein stehen mit Garantien von zehn Milliarden Euro für drohende Kreditausfälle bei der HSH gerade. Die Bank ist für beide Länder das größte Haushaltsrisiko. Das Geldhaus, das mehrheitlich den beiden Bundesländern gehört, leidet seit Jahren unter der Krise in der Schifffahrt und den hohen Gebühren, die sie für eine Garantie der Länder bezahlen muss.

Insidern zufolge werden derzeit verschiedene Modelle diskutiert, wie die HSH von faulen Schiffskrediten befreit werden kann. Lagerte man die Altlasten aus der Bilanz der Bank in eine andere rechtliche Einheit aus, würden sie nicht mehr auf die Eigenkapitalquoten der HSH drücken. Möglicherweise könnte sich das Institut in der Folge auch günstiger refinanzieren. Insidern zufolge ist es denkbar, dass die milliardenschwere Ländergarantie bei der Auslagerung von Portfolien teilweise in Anspruch genommen wird. Schleswig-Holstein werde aber kein weitere Kapital in die HSH pumpen, betonte Kubicki. Darüber hinaus wollten sich die Länder nicht äußern.

Die Angeklagten im HSH-Prozess

Ein Vorstand vor Gericht

Der frühere Vorstand der HSH Nordbank in Hamburg steht vor Gericht. Die Angeklagten sind nicht mehr für die Bank tätig. Sie bestreiten die Vorwürfe.

Hans Berger

Hans Berger (63) war im Dezember 2007, als das „Omega 55“-Geschäft beschlossen wurde, Vorstandsvorsitzender der HSH Nordbank. Er gehörte bereits seit 1996 dem Vorstand eines der beiden Vorgängerinstitute an, der Landesbank Schleswig-Holstein, zuletzt als Vorsitzender. Berger trat im November 2008 zurück, weil der Vorstand die Intensität und Dauer der Finanzkrise sowie die Risiken für die Ertragslage der Bank nicht hinreichend vorhergesehen habe.

Peter Rieck

Peter Rieck (60) war als stellvertretender Vorsitzender des Vorstands unter anderem zuständig für die Bereiche Schifffahrt, Transport, Immobilienkunden und die Niederlassungen in Amerika und Asien. Er arbeitete zunächst bei der Landesbank in Kiel und der Investitionsbank Schleswig-Holstein, wurde aber schon 1998 Vorstand der Hamburgischen Landesbank. Rieck wurde im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat abberufen.

Jochen Friedrich

Jochen Friedrich (49) gehörte im Dezember 2007 dem HSH-Vorstand seit einem halben Jahr an. Er hatte zuvor für JP Morgan und die DZ Bank gearbeitet. Bei der HSH Nordbank war er zuständig für das Investmentmanagement und den Kapitalmarkt sowie die Niederlassung London, die bei dem Verfahren eine besondere Rolle spielt. Friedrich wurde gemeinsam mit Rieck im Dezember 2009 vom Aufsichtsrat entlassen. Er ist - ebenso wie Nonnenmacher - nicht nur wegen schwerer Untreue angeklagt, sondern auch wegen Bilanzfälschung.

Dirk Jens Nonnenmacher

Dirk Jens Nonnenmacher (50) gehörte dem Vorstand der HSH Nordbank erst seit Oktober 2007 an. Er war als Mathematiker wissenschaftlich sowie operativ in verschiedenen Positionen der Finanzindustrie tätig, zuvor bei der Dresdner Bank und der DZ Bank. Nonnenmacher sollte als Vorstand für Finanzen und Steuern den geplanten Börsengang der HSH Nordbank vorbereiten. Im November 2008 wurde er als Nachfolger von Berger Vorstandschef. In seiner Amtszeit stabilisierte sich die Bank wirtschaftlich, wurde aber immer wieder von Affären und Skandalen erschüttert. Nonnenmacher musste die Bank im März 2011 auf Druck der Anteilseigner verlassen und erhielt eine Abfindung in Millionenhöhe, die er bei einer rechtskräftigen Verurteilung zurückzahlen muss.

Hartmut Strauß

Hartmut Strauß (64) war für das Risikomanagement der Bank zuständig. Er hat sein Berufsleben bei der Hamburgischen Landesbank verbracht, in deren Vorstand er 2001 aufrückte. Strauß schied im Juni 2008 auf eigenen Wunsch und aus persönlichen Gründen aus dem Vorstand der HSH Nordbank aus. Der Vorstand erklärte zum Abschied von Strauß, er habe sich bleibende Verdienste um die Bank erworben. Inzwischen macht die Bank gegen Strauß Schadensersatzansprüche geltend, ebenso gegen Rieck und Friedrich.

Bernhard Visker

Bernhard Visker (46) arbeitete rund 25 Jahre bei der Hamburgischen Landesbank und der HSH Nordbank und war Vorstand seit Januar 2007. Er war verantwortlich für Firmen- und Immobilienkunden, Private Banking und Sparkassen. Visker überstand als einziger Vorstand die Stürme der Finanzkrise und schied erst Ende August 2011 „im besten Einvernehmen“ aus dem Gremium aus. Er ist heute Geschäftsführer der Immobilienfirma ABG in München.

Quelle: dpa

HSH-Aufsichtsratschef Thomas Mirow hatte Ende 2014 im Reuters-Interview angekündigt, dass die Länder-Garantie umgebaut und die Gebühr dafür gesenkt werden muss, damit die Bank eine Perspektive hat. Zudem müsse dem Geldhaus die Möglichkeit eingeräumt werden, Schiffskredite unter Buchwert zu verkaufen, um die Bilanz zu säubern. Über die Details diskutiert die Bank seit Monaten mit den Ländern und der EU-Kommission. Eine Entscheidung wird im Sommer erwartet. Das Geldhaus sei darauf angewiesen, dass die Gebühren für die Länder-Garantien gesenkt würden, erklärte die Ratingagentur Fitch kürzlich. Für die Bank gebe es ein „erhebliches Risiko, zu scheitern“. Die HSH wollte sich zu Details der Umbaupläne nicht äußern und verwies auf die laufenden Gespräche mit der EU-Kommission.

Hoffnung macht der HSH, dass es im Geschäft mit Firmenkunden derzeit rund läuft. Im ersten Quartal habe die Bank wie im Vorjahr Kredite von einer halben Milliarde Euro an Unternehmen vergeben, sagte HSH-Manager Patrick Miljes in Hamburg. Zusammen mit Projekten in der Energiewirtschaft, der Infrastruktur und dem Gesundheitswesen habe sich das Neugeschäft in den ersten drei Monaten auf eine Milliarde Euro belaufen. Beim Ertrag liege man sogar leicht über Plan. Ihre Quartalszahlen wird die Landesbank Ende nächster Woche veröffentlichen.

Von

rtr

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×